Pressestimmen
»Eine Prise Märchen, eine Prise Horror und viel Spannung!«
Kurzbeschreibung
Das Mädchen Thirteen entdeckt im alten Haus ihres Großvaters ein Labyrinth aus Gängen und Zimmern, in dem sechs Kinder gefangen gehalten werden - die letzten der Kinder, die der Rattenfänger damals aus der Stadt entführte. Beim Versuch, sie zu retten, geraten Thirteen und ihr Freund Frank in Lebensgefahr. Am Freitag, den 13. wird sich ihr Schicksal entscheiden.
Klappentext
»Eine Prise Märchen, eine Prise Horror und viel Spannung!«
AUGSBURGER ALLGEMEINE
AUGSBURGER ALLGEMEINE
Über den Autor
Wolfgang und Heike Hohlbein zählen zu den erfolgreichsten und meistgelesenen Fantasy-Autoren des deutschsprachigen Raums. Sie wurden unter anderem mit dem "Preis der Leseratten" (ZDF) und dem "Phantasie-Preis der Stadt Wetzlar" ausgezeichnet, und ihr gemeinsames Erstlingswerk, der phantastische Roman "Märchenmond", wurde mit bisher über 700.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller. Sie leben mit ihren Kindern in der Nähe von Düsseldorf.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der Fremde in Reihe dreizehn sollte Thirteen in ziemlich genau fünf Minuten das Leben retten, aber davon wußte sie natürlich in diesem Augenblick noch nichts; ebensowenig wie von all den anderen aufregenden und auch gefährlichen Ereignissen, die in diesem Moment bereits ihren Anfang genommen hatten und Thirteens Leben so gründlich auf den Kopf stellen und durcheinanderwirbeln sollten, wie es nur möglich war. Hätte sie es gewußt, hätte es auch nichts geändert. Sie starrte den seltsamen Fremden, der allein in der Reihe vor ihr saß, schon seit einer geraumen Weile an. Etwas an ihm war unheimlich. Es begann damit, daß er ganz allein in der Sitzreihe im Flugzeug vor ihr saß, obwohl die Maschine so gut wie ausgebucht war. Thirteen erinnerte sich an ein Gespräch am Flughafen, in dem sich eine Frau am Schalter bitter darüber beschwerte, dass sie für sich und ihre beiden Kinder kein Ticket mehr bekommen hatte, so daß sie nun beinahe vier Stunden auf die nächste Maschine warten musste. Trotzdem waren sowohl die beiden Sitze neben dem unheimlichen Mann als auch die beiden Plätze auf der anderen Seite des Mittelganges leer. Entweder, überlegte Thirteen, hatte jemand in der Buchungsstelle am Flughafen einen Fehler gemacht, oder der Mann vor ihr hatte alle fünf Tickets gekauft, um die ganze Reihe für sich zu haben. Beides war gleich unwahrscheinlich. Das war aber noch nicht alles. Vor einer Viertelstunde hatten die Stewardessen das Essen gebracht, und jetzt waren sie bereits damit beschäftigt, das benutzte Geschirr wieder abzuräumen, und weiter vorne waren zwei weitere Stewardessen bereits dabei, ein kleines Wägelchen mit zollfreien Zigaretten, Schnaps, Parfüm und anderen Waren vollzuladen, die sie gleich verkaufen würden. Es war, als wäre sie die einzige, die diesen Mann überhaupt sah. Aber sehen war nicht das richtige Wort. Obwohl er so dicht vor ihr saß, daß sie nur den Arm auszustrecken brauchte, um ihn zu berühren, konnte sie ihn nicht richtig erkennen. Er saß die meiste Zeit reglos da und blickte aus dem Fenster oder starrte einfach ins Leere, wie Fluggäste es oft tun, wenn sie darauf warten, daß die Zeit verstreicht, so daß sie ihn im Profil erkennen konnte, aber wenn sie auch nur einen Moment lang wegsah oder er den Kopf drehte, dann vergaß sie sofort sein Aussehen. Sie konnte nicht einmal sagen, ob er jung oder alt war, gut aussah oder häßlich, nett oder unfreundlich. Natürlich wußte sie, wie unsinnig das war, aber hätte sie den Mann in diesem Moment beschreiben müssen, hätte sie es nicht gekonnt. Er war wie ein Schatten, der selbst in ihrer Erinnerung nur so lange Bestand hatte, wie sie ihn direkt ansah. Und um das Maß vollzumachen - aber das nahm Thirteen ohne besondere Überraschung zur Kenntnis -, saß er natürlich in Reihe dreizehn ... Thirteen schloß die Augen und lehnte sich in dem bequemen Flugzeugsessel zurück, so weit es ging. Eigentlich war es Unsinn, sich so viele Gedanken über einen Mann zu machen, den sie noch nie im Leben gesehen hatte und auch niemals wiedersehen würde, sobald das Flugzeug gelandet und sie alle von Bord gegangen waren. Sie hatte wahrlich andere Sorgen. Wenn es nach dem Mann zwei Sitzreihen hinter ihr gegangen wäre, hätte sie in knapp drei Minuten überhaupt keine Sorgen mehr gehabt, weil sie dann nämlich nicht mehr am Leben gewesen wäre. Aber das konnte sie natürlich nicht wissen, und so wanderten ihre Gedanken zurück in die Vergangenheit und damit zu dem Grund, aus dem ein zwölfjähriges Mädchen ganz allein in einer Maschine der British Airways saß und von London nach Hamburg flog. Es war ein sehr trauriger Grund, der Thirteen in den letzten Monaten viel Anlaß zum Weinen und Traurigsein gegeben hatte.