Der wahre Wert des Besitzes zeigt sich erst, wenn man ihn verloren hat. Das könnte über dem Leben und Werk Jahnns stehen, der erst nach seinem Tod zu großer Anerkennung kam und als einer der wichtigsten Vertreter der literarischen Moderne hervorgehoben wurde. Die dreizehn Geschichten stammen aus den Romanen "Perrudja" und "Fluß ohne Ufer". Sie eignen sich hervorragend als Einstieg in die Erzählwelt Jahnns; sie zeigen alle Aspekte seiner Erzählkunst und seiner gestalterischen Qualität. Die Episoden nehmen die Grundmotive der beiden großen Romane, die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit dieses Jahrhunderts in exemplarischer Form auf und erzählen von Dämonen, denen der Mensch unterworfen ist, von Verstrickungen und Untergang aber auch von Erlösung. Jahnn ist keiner, der beeindruckende Satzkonstrukte schafft, die sich seitenlang hinziehen, sondern die (relative) Schlichtheit von Form und Ausdruck ermöglicht es dem Leser, die Kernaussage des Autors herauszulesen. Dabei steht der Mensch als soziales (schutzloses) Wesen immer im Mittelpunkt und erfährt Anfeindungen von materieller Seite und/oder durch den Konflikt mit anderen Menschen, die die Schutzlosigkeit und Andersartigkeit der Jahnn'schen Helden ausnutzen und verdammen. Jahnn ist für mich der Schriftsteller, der am besten Gefühle transportieren kann und der vor allem Gefühle wecken kann. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)