"Um 05:36 rannte sie den steilen Hang des Leeukops hinauf. In schnellem Takt knirschten ihre Laufschuhe auf dem Kies des breiten Fußwegs. Zu diesem Zeitpunkt, als die frühen Sonnenstrahlen sie wie ein Suchscheinwerfer am Berghang einfingen, bot sie ein Bild sorgloser Anmut.... Bis sie plötzlich stehen blieb und einen Blick über die linke Schulter warf. In diesem Moment zerstob die Illusion, denn aus ihrem Gesicht sprachen Angst und Erschöpfung."
Was anfängt wie eine harmonische Joggingrunde einer Frühaufsteherin entpuppt sich rasch als Überlebenskampf einer 19-jährigen amerikanischen Rucksacktouristin, die in Kapstadt von fünf Männern gejagt wird wie Freiwild. Man ist gleich mitten drin in dieser spannenden Verfolgungsjagd. Parallel dazu erzählt Meyer vom Tod eines prominenten Musikproduzenten und seiner alkoholkranken Frau, einer ehemals berühmten Künstlerin. Später schaltet sich telefonisch noch der Vater der verfolgten Rucksacktouristin aus den Staaten ein, um von höchster Stelle Druck auf die Polizeiarbeit zu machen. Geschickt werden die unterschiedlichen Handlungsstränge miteinander verwoben und die Spannung so ins nahezu Unerträgliche gesteigert. Nur schweren Herzens kann man die Lektüre unterbrechen, wenn dringende Termine lauern. Gierig blättert man die Seiten um auf der Suche nach einem Zusammenhang und der Aufklärung der Fälle.
"Dreizehn Stunden" sind der längste Tag im Leben von Benny Griessel, der auf verlorenem Posten bereits seit Jahren schon auf die Beförderung zum Kaptain bei der Polizei wartet. Auch privat steckt er in der Sackgasse. Seit 156 Tagen trockener Alkoholiker, vor 5 Monaten von seiner Ehefrau aus dem Haus gejagt, erwartet ihn am Ende diesen Alptraumtages das Damoklesschwert seiner Noch-Ehefrau.
16 Jahre nach Abschaffung der Rassentrennung ist das Thema Diskreminierung weiterhin an der Tagesordnung. "Sie war weiß. Das bedeutete Ärger. Das verhieß Medienrummel." Sogar beim Opfer einer Gewalttat spielt die Hautfarbe immer noch eine entscheidende Rolle. Auch spielt der Tourismus eine nicht unwesentliche Rolle für die Seele dieses geschundenen Kontinents. "Touristen waren das neue Gold Südafrikas, also winkten die Zöllner sie unbehelligt durch."
Besonders interessant fand ich die lebenspralle Schilderung der verschiedenen Polizeibeamten neben Benny Griessel, der nicht nur gegen gesetzeslose Mörder, sondern auch gegen die Dämonen seiner Alkoholsucht kämpft. "Seine Nerven lagen blank. Er mußte hier raus, weg von dem Alkoholgeruch und den Flaschen, dieser verdammten, nur mühsam gezügelten Gier, die in ihm wütete." So Fransman Dekker, der Quotenneger oder Mbali Kaleni, eine Zulu und intuitiv handelnde Ermittlerin, die nicht nur aufgrund ihrer Hautfarbe gegen diverse Vorurteile zu kämpfen hat.
Bei "dreizehn Stunden" handelt es sich um anspruchsvolle Krimikost vom Allerfeinsten. Das Tempo ist stark wechselnd, mal atemberaubend, so daß man die erschöpfende Verfolgungsjagd fast körperlich spürt, dann wieder nahezu idyllisch im Haus des alten Mannes, als der Alptraum für Rachel Anderson schon fast beendet schien. Die Handlung ist komplex, aber nicht konfus. Sie ist lebensprall und dicht, temporeich und äußerst spannend. Und ganz nebenbei werden geschickt historische und politische Fakten eingewoben, daß man unbemerkt viel über Südafrika lernt. Deon Meyer - eine echte Entdeckung für mich.