Zuerst einmal ist das eine gute Reportage. Oder eine Recherche, an der der Leser teilhaben kann. Hier wird tatsaechlich nichts dramaturgisch verfremdet, wie es der Film 23 natuerlich machen muss. Interessant ist aber, wie spannend doch eine reale Geschichte sein kann, weil sie eigentlich voellig banal ist.
Jugendliche, die sich in Computersysteme einhacken, mit einem Geheimdienst zu tun bekommen, daran zugrundegehen oder spaeter in einer 2-Zimmerwohnung in Berlin-Mitte wohnen: Da kann ganz schnell die Grenze zum Kitsch auf der einen Seite oder zum grauen Alltag auf der anderen Seite ueberschritten werden. Was die beiden Autoren (Reporter ist eigentlich das bessere Wort) geschafft haben, ist eine wirklich packende Darstellung dieses Werdegangs - und wie wenig Glamour hinter dem Begrif "Hacker" steht. Wie viel verquastes Gedankengut.
Angefangen bei den "Illuminaten", die in Wirklichkeit gute und ziemlich amuesante Buecher sind, bis hin zu Pamphleten aus der Hackerszene, die sich selbst in irgendeine Robin-Hood-Rolle hochstilisieren wollte. Dabei spielt sich das ganze in Hannover ab, oder im Wohnheim, und selbst die Kokainsucht der Hauptperson Karl Koch ist eine Realitaet und kein schillerndes Ereignis.
Im Anhang ist ein ziemlich ausfuehrliches Interview mit den beiden Filmmachern. Darin sagen sie, dass sie wirklich keine Ahnung von Computern haben und ihnen das auch ganz lieb fuer den Film gewesen sei. Diese Unkenntnis merkt man dem ganzen Bericht auch an: Es wird auf den Werde- und Untergang von Karl Koch abgezielt, nicht auf sein Leben als Hacker. Genauso haette Koch als Aktenkopierender Spion dargestellt werden koennen. Damit ist 23 wirklich kein Hackerbuch/-film, und das tut ihm in meinen Augen wirklich sehr gut. Und es ist kein moralisierender Schrott, sondern ein interessanter Bericht, den man an einem Abend durchliest, ohne ihn aus der Hand zu legen.