Nun liegt die Überarbeitung und Neugestaltung des 'Dreiklangs' vor. Eigentlich bin ich mit dem bisherigen Werk sehr zufrieden und konnte mir auch nur schwer vorstellen, dass man es noch besser gestalten kann, denn ich arbeite sehr gern damit. Aber nach einer ersten Durchsicht stellte ich fest, dass genau dies den Autoren gelungen ist. Sie haben ein schon sehr gutes Buch noch einmal verbessert.
Besonders hilfreich für die Schüler sind mit Sicherheit das Lesebändchen für ein schnelles Auffinden der Seite und die Neugestaltung der inneren Einbandgestaltung. Dort findet sich jetzt die C-Dur-Tonleiter im Notenbild und auch mit den dazugehörigen Notennamen. So haben die Schüler dieses Grundlagenwissen stets schnell zur Hand. Ebenso nützlich ist die Zeichenerklärung auf der folgenden Seite, auch dies jeder Zeit schnell nachschlagbar.
Leider geht diese klare Strukturierung in der grafischen Gestaltung des Inhaltsverzeichnisses etwas abhanden, was aber nicht in die Verantwortung der Autoren, sondern des Grafikers fällt. So hätte auch der Rand im gesamten Werk etwas breiter ausfallen können, eventuell auch dort mit Platz für Verweise o. ä.
Lobenswert hingegen ist die klare inhaltliche Strukturierung der dargestellten Themen, die so zum Teil auch schon im Vorgänger zu finden waren. Ergänzt werden sie durch einige neue Themen, insbesondere durch musikpraktische Angebote und die immer wieder gern genutzten Tanzanleitungen. Hier wird dem Bewegungsdrang Rechnung getragen, aber auch die Gemeinschaft bildende Komponente soll nicht vergessen werden. Jedes Kapitel wird darüber hinaus mit einem großformatigen Foto eingeleitet und einer Fermate abgeschlossen. Die konsequente Doppelseitengliederung erhöht die Übersichtlichkeit, werden so doch zusammen gehörende Sachverhalte für den Schüler visuell passend thematisiert.
Begeistert bin ich von der neuartigen Nummerierung der Hörbeispiele. Endlich wurde diese an die Zählung der Tracknummern angepasst. Das leidige Suchen der Beispielnummer im CD-Heft zum Erfassen der Trackzahl entfällt jetzt, sicherlich zur Erleichterung aller Nutzer des bisherigen Dreiklangs. Dazu sei noch erwähnt, dass zum Buch diesmal eine Box mit 5 CDs angeboten wird. Zum Teil stellen sie auch äußerst schwer zu beschaffende Musikbeispiele bereit, die man in anderen Ausgaben immer vermisst. Ein großes Lob geht damit auch an den Verlag, der diese CD-Box noch zum Subskriptionspreis von 45,- ¤ anbietet. Da kann man nur schnell zugreifen. Leider stehen in den Schulen erst wieder im Herbst die finanziellen Mittel zur Verfügung, dann ist auch das Subskriptionsangebot ausgelaufen.
Besonders positiv ist die auch aus anderen Werken des Verlages mit großem Erfolg erprobte Form der Zusammenfassung des Lernstoffes in den Fermaten hervorzuheben. Hier ist das Wissen für den Schüler kompakt, übersichtlich und leicht verständlich am Ende jedes Kapitels noch einmal dargestellt. Jederzeit bereit, gedanklich dabei zu verweilen, zu wiederholen, aber auch um sich neues Wissen schnell anzueignen. Dafür ist nicht immer ein Lehrer erforderlich, hier kann der Schüler auch selbstständig arbeiten. Beispielsweise wurde in der Fermate zur Instrumentenkunde das Sinfonieorchester platziert, in dem die Instrumente, die die Kinder vorher kennen gelernt haben, zusammenspielen. Und an dieser Stelle wird auch erst der Dirigent eingeführt, was sinnvoll ist, da er für das harmonische Zusammenspiel sorgt. Interessant ist die Darstellung des Orchesters als Begleiter in vermeintlich ungewöhnlichen Besetzungen: mit Orgel, Chor (hier mit dem Beispiel eines wunderbaren Werkes von John Rutter) und Metal-Band. Schnell erkennen die Schüler die Zusammenhänge auch mit der von ihnen bevorzugten Musik, was ich als sehr wichtig ansehe. Im Tanzkapitel wurde hingegen das Grundwissen für Gruppentänze übersichtlich zusammengestellt (Aufstellungen, Fassungen, Schritte etc.). So könnten die Schüler sogar selbst die Einstudierung einiger Tänze des Kapitels eigenständig bewerkstelligen. Nicht unerwähnt möchte ich auch die angebotenen Experimente lassen, die sich insbesondere in der Fermate zur Programmmusik finden. Diese Form muss ja nicht auf den naturwissenschaftlichen Unterricht beschränkt bleiben. Diese daher den Schülern schon bekannte Unterrichtsform wurde optimal auf die Musik übertragen. Ebenso an der Erfahrungswelt der Schüler orientiert stellt sich die Fermate zum Form-Kapitel dar. Die an historischen Formmodellen vorgestellten Beispiele werden konsequent auf Rock, Pop und Jazz übertragen. Dadurch wird den Schülern bewusst, dass es sich bei den Formen nicht nur um historische Phänomene handelt, mit denen heutige Musik nichts mehr zu tun hätte. Eine enge Verbindung zu dem wieder am Ende zu findenden Musiklexikon mit Fachbegriffen wird durch die Grundfarbe der Seiten hergestellt. Selbstständiges Nachschlagen wird so intuitiv angeregt.
An manchen Stellen wünscht sich der Lehrer sicherlich eine vertiefende Arbeit mit einzelnen vorgestellten Werken, jedoch steht in den Klassen 5 und 6 noch mehr das Kennenlernen im Vordergrund. Manches kann auch in späteren Jahrgängen vertiefend aufgegriffen werden. Hier hilft auch die sehr vorteilhafte Erweiterung der nun fast 140 Angebote an Kopiervorlagen, auf die mit einem Zeichen jeweils verwiesen wird. Sie lassen Vertiefungen oder differenziertes Lernen zu, z. B. auch als Stationenlernen. Finden kann man diese auf der CD-ROM zu den Handreichungen für Lehrkräfte. Hilfreich ist auch die Möglichkeit, diese mit WORD noch individuell zu bearbeiten und der jeweiligen Lernsituation im Unterricht anzupassen. Übrigens finden sich auf dieser CD-ROM auch noch MIDI-Dateien und solche für die Arbeit mit dem PC. So geht der Verlag deutlich mit der Zeit und setzt Maßstäbe für die Zukunft.
Eine Überarbeitung und sichtbare Erweiterung hat der Liedanhang erfahren. Es haben viele neue Lieder darin Eingang gefunden, auch wenn sicher dem einen oder anderen ein liebgewordenes Lied jetzt fehlt. Es gibt nicht nur unterhaltende oder auf Besonderheiten hinweisende Illustrationen, sondern wie gewohnt auch Arbeitsanregungen und nun noch erweiterte Informationen dazu.
In hervorhebenswerter Weise ist den Autoren auch das Kapitel 'Musiklabor' gelungen. Musiktheoretisches Wissen in so überzeugender Weise fast spielerisch leicht aufzubereiten ist die große Kunst der Pädagogik. Hier wird nichts trocken oder langweilig. An Hand altersgerechter Beispiele werden die Schüler durch die Theorie geleitet, erlernen Fachbegriffe und Zusammenhänge wie selbstverständlich. Dieses Kapitel ist auch in kleinere Abschnitte unterteilt, die wiederum mit anschaulich gestalteten Übersichten das eben Gelernte zusammenfassen. So macht Theorie Spaß!
Insgesamt ergibt sich also ein durchaus überzeugendes und positives Bild, den Autoren ist eine gute Neubearbeitung gelungen. Schülern fällt allerdings auf, dass das Buch nicht nur größer geworden ist, sondern auch schwerer. Die meisten von ihnen tragen es ein bis zwei Mal in der Woche in die Schule und wieder nach Hause. Mit all den anderen Fächern wird so die Schultasche recht schwer.
Trotzdem, Glückwunsch und ein herzliches Dankeschön an die Autoren für dieses tolle Unterrichtswerk!
Gernot Philipp