Kurzbeschreibung
Rose war schon immer klüger gewesen als ihre 10 Lebensjahre vermuten ließen - das jedenfalls war die Meinung ihrer Großmutter Esther, die nach ihrer eigenen Großmutter benannt worden war. Klug sein machte es aber keineswegs leichter mitten in der Nacht aufstehen zu müssen , um die Pferde der Familien zu versorgen, die im Stall neben der Herberge lebten. Dort war es zwar warm, aber gleichzeitig verströmte er auch einen nicht gerade angenehmen Geruch. Aber was sollte ein Mädchen schon machen, wenn ihre vier Brüder überhaupt keine Pflichten übernehmen mussten, weil es in ihrer Kultur so üblich war. Denn sie war die ältere von zwei Mädchen, und da ihre jüngere Schwester Sharon erst zwei Jahre alt war, fiel - wie selbstverständlich - ihr die Aufgabe zu die Tiere zu versorgen. Es schien ungerecht zu sein, aber ihre eigene Mutter und auch ihre Cousinen befanden sich in derselben Situation. Von ihrer Großmutter hörte sie, dass die Welt eben so sei – und ihr Lächeln schien es so viel erträglicher zu machen. So ergab sich Rose wieder einmal in ihr Schicksal und schlug ihr dünnes Laken und die Wolldecke zurück und schlüpfte langsam und vorsichtig aus dem Bett, das sie mit ihren beiden jüngeren Brüdern teilte, ohne sie aufzuwecken. Auf Zehenspitzen schlich sich Rose durch das Zimmer, in dem alle elf Mitglieder ihrer Familie schliefen – vor allem am schnarchenden Großvater musste sie extra leise vorbei, denn er hatte einen sehr leichten Schlaf und Mama hatte ihr eingebläut, dass Opa seinen Schlaf ganz besonders dringend brauchte.
