Dieser Film ist der bisher letzte einer Trilogie des Autors und Regisseurs Oliver Storz. Nach "Drei Tage im April" (1995) und "Gegen Ende der Nacht" (1997) siedelt der Filmemacher diese Geschichte ebenfalls in der Nachkriegszeit in einem kleinen Ort im Schwäbischen an. Wieder erzählt er uns von Siegern und Besiegten, Tätern und Opfern, Guten und Bösen. Die Grenzen sind manchmal fließend; er weiß, dass schwarz und weiß viele Schattierungen haben. Aufarbeitung und möglichst viel Versöhnung sind seine Anliegen. Dabei arbeitet er mit einer sehr guten Gruppe von Schauspielern, die nicht allzu häufig im deutschen Fernsehen zu sehen sind. Leider. Die weibliche Hauptrolle verkörpert, wie in den beiden vorangegangenen Filmen, die hervorragende Karoline Eichhorn.
Der Film ist am ehesten eine Komödie. Die schweren, ernsten Themen hat Oliver Storz federleicht eingebaut, eine Leistung, die ihm in Deutschland kaum ein anderer Regisseur nachmachen kann. Darin liegt sein großer Verdienst. Seine Akteure wirken keinesfalls konstruiert, auch wenn sie zuweilen sacht überzeichnet sind. Der Film amüsiert, obwohl sein Inhalt nicht lachhaft ist.
Da sind drei Schwestern. Eine ist jung und lebensgierig und immer etwas außen vor, wenn die die beiden "Großen" etwas aushecken. Sie wird von Mavie Hörbiger verkörpert. Die beiden anderen sind schon am Ende der Jugend angelangt. Der Krieg hat tiefe Spuren hinterlassen, auch wenn sie sich an der Oberfläche nicht so ohne weiteres zeigen. Neben Karoline Eichhorn spielt hier Barbara Rudnik gekonnt die Älteste. Das Milieu ist "kleinstädtisch-großbürgerlich". Die drei Schwestern sind die Töchter des ehemaligen Bürgermeisters. Was sie eint, ist der Wille raus zu kommen aus dem Nachkriegselend, aus dem Mief von Schuld und Verdrängung und der ganz konkreten schäbigen Armut. "Amerika" heißt schlicht die Zauberformel. Erreichbar erscheint das verheißungsvolle Land durch die Offiziere der amerikanischen Besatzungsmacht. Freya Sonnenberg, die mittlere Schwester, wird den amerikanischen Standortskommandanten Bellmont, einen Südstaaten-Amerikaner mit sehr konservativer Einstellung, heiraten. Er ist die Fahrkarte in die Vereinigten Staaten.
Liebe spielt bei der Hochzeit keine Rolle, ist aber im Film allgegenwärtig und sorgt für Verwicklungen. Für solche sorgt auch ein ominöser Erpresser, der sich am Vorabend der Hochzeit ins Spiel bringt. Die neidischen, scharfen Augen der Bevölkerung des fiktiven Städtchens sind natürlich auch überall. Der Hochzeitstag kommt, ist schweren Turbulenzen ausgesetzt, und endet anders als geplant. Für die beiden jüngeren Schwestern ist dennoch ein Happyend denkbar, nicht aber für die ernsthafte Älteste, die den Familienstatus gerne wieder auf dem Niveau gesehen hätte, wo er sich vor dem Krieg befand. Sie liebt ein Opfer des Naziterrors, das zumindest körperlich überlebte. Amerika bietet so manchen deutschen "Fraulein" reelle Chancen, nicht aber der neue Staat Israel.
Ein sehenswerter Film. Leider gibt es die beiden anderen erwähnten Filme - noch - nicht auf DVD. Schade eigentlich!