"Drei Frauen" heißt das Buch, und diese Frauen geben den einzelnen Erzählungen auch ihre Titel. Zu Wort kommen aber die Männer: Handelnd, zögernd und sinnierend. Die Frauen scheinen auf den ersten Blick nur der Hintergrund zu sein, vor dem sich die männliche Tragödie abspielt. Doch in bestimmten Wendungen der Handlung (wie bei "Grigia", wo die Frau, eine bäuerliche Liebelei des großstädtischen Mannes, in einem Bergwerkstollen sich allein das Leben rettet) oder auch nur in Gesten, Bemerkungen, treten die Frauen plötzlich als eigenständige Wesen hervor. Solche überraschenden Lesemomente, die einem auch im Alltag die Augen öffnen für die Tragik anderer, liebe ich an diesen Erzählungen. Vom Aufbau her hat das Buch einen universalen Anspruch: Es geht um eine Bäuerin, eine Aristokratin und ein armes Mädchen in der Stadt. Entsprechend wandelt sich auch der Stil: In der ersten Erzählung viel idyllische Naturbeschreibung, dann sagenhafte Rittergeschichten und schließlich soziale Kolportage a la Fallada. Das alles ist aber nur äußerlich, im Kern geht es immer um das tödliche Schweigen zwischen den Geschlechtern. Dieses Schweigen scheint bei Musil so selbstverständlich, daß es manchmal regelrecht gruslig ist. Warum Musil vielen als der größte deutschsprachige Schriftsteller der ersten Jahrhunderthälfte gilt, kann man anhand der der rhythmischen Prosa schon an diesem Bändchen nachvollziehen, ohne gleich den "Mann ohne Eigenschaften" lesen zu müssen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)