"Drehbuch des Lebens" ist eines der ganz wenigen ernstzunehmenden Bücher über Astrologie. Das Kriterium hierfür definieren die Autoren selbst: "Wir wollen nicht verhehlen, daß eine esoterische Astrologie, die sich selbst ernst, nimmt noch ganz am Anfang steht" und "So versteht sich denn dieses Buch nicht unbedingt als der Versuch, Fragen zu beantworten, sondern die Fragen erst einmal zu finden und zu stellen" (S. 9/10). Der Ansatz von Orban/Zinnel unterscheidet sich radikal von dem anderer Autoren: "Im Inneren es Menschen gibt es nicht eine Person, sondern deren zwölf! Diese Personen haben jeweils verschiedene Aufgabenstellungen, Vorlieben, Abneigungen, Wünsche, sowie ganz konkrete Handlungsvollmachten innerhalb ihres Rahmens" (S.27). Das ist für sich genommen schon starker Tobak, aber kommt noch besser: "Die Welt ist ein großes Theater, ein Puppenspiel, nur dazu da, mir zu zeigen, welches Spiel ich spiele. Ich kann dieses Theater sehr ernst nehmen, oder eben als Kasperltheater. Esoterik ist ein Weg, das Kasperlspiel zu begreifen. Sie stellt mir Werkzeuge zur Verfügung, die einzelnen Personen in mir zu erkennen und zu akzeptieren. Sie ist kein Weg, die Personen zu verändern" (S. 31). Und um dem Fatalismus noch weiter Vorschub zu leisten: "Der Fahrplan steht fest, deine Ankunftszeit im Ziel steht ebenfalls fest. Daran änderst du nicht ein Jota. Weder fasten noch beten, weder Vegetariertum noch Müsli, weder Yoga noch Menschenliebe 'all over' verschiebt daran auch nur eine Minute" (S. 37). Damit dürfte klar sein, daß wir es hier nicht mit einem der üblichen Machwerke, die Glück oder gar Geld und Erfolg durch Astrologie versprechen, zu tun haben. Freilich könnte man angesichts des Gesagten fragen, wozu man dann überhaupt dieses Buch lesen, geschweige denn eine Rezension darüber verfassen sollte? Nun, es steht halt so in genanntem Fahrplan.
Kapitel 1 beschäftigt sich zunächst allgemein mit der Frage, was 'Esoterik' ist und vor allem damit, was sie NICHT ist und es geht um die Abgrenzung zur Wissenschaft und Psychologie. Danach wird der Leser vor die Wahl gestellt: "Hier liegt der Scheideweg. Die einen gehen [..] hinein in das Instrument [..], die anderen bleiben [..] auf dem Pfad der Wissenschaft stehen und halten es für eine Tugend. Sie versuchen sauber zu bleiben, keine dummen Kerle zu werden." Wer sich entscheidet, ein "dummer Kerl" zu werden (und da Sie diese Rezi lesen, ist die Entscheidung längst gefallen) und weiterzulesen, wird mit einem brilliant-virtuos geschriebenen esoterischen Werk von seltener Tiefe belohnt. In den folgenden Kapiteln wird der Tierkreis mehrere Male unter verschiedenen Blickwinkeln umrundet. Passend zum Theaterspiel-Ansatz werden der Aszendent als Ausgangspunkt der Handlung, die astrologischen Häuser als Bühnenbild, die Sonne als Verhaltenanweisung, die Planeten als Darsteller und die Aspekte als Verwicklungen bescheiben. Das heißt, es wird nach und nach klar welche Personen, wo in meiner inneren oder äußeren Welt, welche Beziehungen ausfechten und wie mein Ego sich dabei zu verhalten hat. Die Beschreibungen sind sehr lebendig und tiefgründig geraten - mal bildhaft-symbolisch, mal konkret - und rühren gelegentlich an größeren Fragen an die Gesamtheit des Seins, machen machmal auch erschrocken und betroffen. Die Autoren raten: "Nimm unsere Beispiele also nicht wörtlich, nicht als Tatsachen, sondern schau dir die Wirklichkeit an, die hinter den Worten zu WIRKEN beginnt, wenn du durch Sie hindurch schaust" (S. 82). Und tatsächlich wird beim Lesen nach und nach, quasi von allein, die astrologische Symbolik lebendig und durchschaubar (glaubt zumindest mein Ego), die vermeintlichen Wiedersprüche lösen sich auf, es entsteht jenes ganzheitliches Bild, das notwendig ist um Astrologie wirklich zu begreifen.
Fazit: Ein grandioses Werk, das für den Leser überragende Bedeutung erlangen kann oder auch nicht, je nachdem wie es im Drehbuch des Lebens vorgesehen ist.