Auch dieses Buch des Autoren teilt die Leserschaft in entschiedene Lager. Von SAUSCHLECHT, ÜBERFLÜSSIG und BRUTAL bis hin zu UNGEWÖHNLICH, PACKEND und SOZIALKRITISCH lauten die Beurteilungen. Jedenfalls ist da nichts wie man es gewohnt ist, egal ob man diesen Roman als Krimi, als sozialkritische Betrachtung oder sonst was sehen will.
Wir haben es mit einer Gruppe männlicher und weiblicher Kriminalpolizisten und insbesondere mit einem Detective Sergeant namens Bruce Robertson zu tun. Der strebt mit allen Mitteln eine Beförderung zum Inspektor an. Ein letztlich widerlicher Typ, dessen Frau samt Tochter vor ihm in ein Frauenhaus geflohen sind. Einer, der montags oder dienstags nie etwas erledigt, was er gegen Wochenendzulage nicht samstags oder sonntags bearbeiten könnte. So strapaziert er sein Lieblingsformular OTA 1-7 bei jeder Gelegenheit, und davon gibt es viele, ist er doch in seinen Augen der Fähigsten einer, bei Durchsetzung der polizeilichen Maxime: ZERO TOLERANCE gegenüber Kriminalität im Stadtzentrum, jedoch totales LAISSEZ FAIRE im Sozialghetto-Hinterland.
Dabei lässt Robertson nichts unversucht, seine Mitkonkurrenten beim Posten-Poker gegeneinander auszuspielen. Der Mord an einem Schwarzen in Edinburgh kurz vor Weihnachten scheint die richtige Gelegenheit zu sein, um den Kollegen und Kolleginnen die Plattform zu geben, sich selbst beim Bewerbungswettstreit zu eliminieren, ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten zu offenbaren.
Dabei aber erfahren wir im Verlauf des Plots viel mehr über genau diese Eigenschaften des Protagonisten und Ich-Erzählers Robertson.
Der ist politisch rechts orientiert, rassistisch, sexistisch ganz allgemein, Frauen verachtend und Schwule hassend, ein Kollegenschwein, Dieb, Erpresser und Vergewaltiger. Eben genau das Ebenbild dessen, was der Buchtitel verspricht.
Bei all seinen vermeintlich cleveren Aktionen gerät der Super-Proll-Bulle, der an schuppigem Ausschlag im Intimbereich sowie an Hämorriden leidet und zugleich Wirt eines profunden Bandwurms ist, durch Alkohol und Drogen immer mehr auf die abfallende Schiene.
Er unterscheidet letztlich nur noch zwischen sich und denen, die er mit einer prollmäßigen Bezeichnung für ein weibliches Geschlechtsmerkmal bezeichnet. Und das sind einfache Kriminelle und Drogenbosse, Polizisten in Zivil und Uniform, Untergebene und Vorgesetzte, Frauen und Männer, Jungens und Mädchen, Nachbarn und Freunde, mithin: WIRKLICH ALLE ANDEREN.
Kaum Ansätze irgendeiner positiven Erkenntnis.
Aber warum ist dieser Mensch wie er ist?
Da hilft uns dieser hartnäckige Bandwurm weiter, der sich immer nachhaltiger in Robertson und deutlicher auf den Seiten des Buches breit macht.
Er nimmt zunächst seinen Wirt mit Interesse wahr.
Zitat: Du (Robertson) musst ein weitaus interessanteres Leben führen als ich, ein primitiver, auf stumpfsinniges, eintöniges Ritual beschränkter Organismus.
Der Wurm übernimmt dann allerdings später, irgendwie enttäuscht oder auch nur verwundert über seinen Wirt, die Rolle des Psychologen und klärt den Leser über die verhaltensauslösenden Traumata des Protagonisten in kurzen Rückblenden auf. Das in Form von wohl bandwurmförmigen Einschüben, die über den laufenden Text gelegt sind und nur anfangs verwirren.
Am Ende lässt uns der Bandwurm wissen:
Ich kann außerhalb des Wirtkörpers nicht weiterleben ... und es bleibt den schreienden Anderen, immer den Anderen, überlassen, die Scherben aufzukehren.
Wer sich insbesondere anfangs überwindet und sich auf den durchgehend bleibenden Ekelfaktor einlässt, die sehr herbe Prollschreibe des Autoren hinnimmt, findet hier einen außergewöhnlichen Plot von einem außergewöhnlichen Schriftsteller.
Nicht jedermanns Sache, aber zumutbar für die, die bestimmte Realitäten zu akzeptieren in der Lage sind.
Absolut uninspiriert dagegen sind meines Erachtens die Cover bei dtv ebenso wie bei Kiepenheuer & Witsch. Lassen Sie sich nicht durch deren fürchterliche Gestaltung verleiten anzunehmen, das Buch sei witziger Klamauk. HMcM