Ein grandioses Konzert, das Dream Theater abliefert, ohne Frage. Diese Band ist einfach perfekt und Spielfehler sind sehr selten - man muss schon ganz genau hinhören, um sie an einigen Stellen zu bemerken - wie z. B. beim Gitarrensolo von "Fatal Tragedy". Das aber macht die Band ja nur um so sympathischer.
Positiv sind auch die improvisierten Sachen, seien es Kleinigkeiten wie ein kleines zusätzlich eingebautes Keyboardsolo von Tastengott Jordan Rudess bei "Fatal Tragedy" mitten im Riffgewitter der Herren Myung und Petrucci, oder sei es eine derart großartige Einlage wie das Solo von John Petrucci vor "Through Her Eyes". Witzig hierbei der Kommentar von Petrucci selbst (bei dieser DVD kann man nämlich den Kommentar der Band zu diesem Konzert einschalten, was sehr unterhaltsam ist), der sagt, die Sängerin sähe bei seinem Solo aus, als wollte sie sagen: "Would you shut the hell up - I want to sing!"
Was ich nicht so gut finde, zumindest leider sehr häufig, ist nicht etwa die Tatsache, dass die DVD nicht in Dolby Surround 5.1 ist (ist meiner Meinung nach Schnickschnack, Stereo reicht vollkommen), sondern die Kameraschnitte. Beim Hauptteil "Scenes From A Memory" geht das ja gerade noch, aber beim Bonusmaterial sind die teilweise einfach schlecht (z. B. bei "Erotomania": Jordan Rudess spielt ein Pianosolo und die Kamera zeigt ihn nicht ein einziges Mal!!)
Und was die Filmsequenzen bei "Scenes" angeht: na ja... Ehrlich gesagt: etwas billig - die Schauspieler sind keine Augenweide und zeigen nicht gerade überragende Leistungen, aber okay, so viel Kohle werden die Jungs nun einmal nicht zur Verfügung gehabt haben, sich Künstler mit Hollywood-Format zu leisten. Insgesamt aber finde ich die Idee selbst, Filmsequenzen einzubauen, gar nicht übel.
Schade finde ich auch, dass nicht das komplette Konzert am Start ist. Zwar läuft beim Bonusmaterial über die Band, die Fans, die Crew usw. (was man auch ein bisschen ausführlicher hätte behandeln können; ich hätte mir gerne längere Interviews mit den Musikern erwünscht o. ä.), die Musik von "Metropolis" und "The Mirror" im Hintergrund, aber das ganze Material der CD 2 vom Album "Live Scenes From New York" ist nicht enthalten. Doch das will ich auch mal nachsehen, denn sonst hätte ja die CD kein Mensch gekauft.
Trotzdem gebe ich glatte fünf Sterne, wenn man sieht, wie die Band spielt, wie sie harmoniert, wie sie Freude am Spielen hat. Gerade deswegen sehe ich diese DVD auch so gerne und so häufig. Und natürlich wird einem einmal mehr beim Zuschauen klar, wie krass diese Band ist. Ein Wahnsinn, ein Werk wie "Scenes From A Memory" auswendig und nahezu perfekt auf der Bühne zu präsentieren - jedes Riff, jeder Schlag auf Becken und Drums, jede Keyboardstimme passt - manchmal sind mir die Jungs echt geradezu unheimlich; siehe z. B. Mike Portnoy bei seinem Schlagzeugsolo bei "Finally Free", unfassbar, wie der Typ abgeht - oder John Myung, der seinen Sechs-Saiten-Bass (man überlege sich, wie dick Basssaiten sind) die ganze Zeit lediglich mit den Fingern bearbeitet und nicht einmal zu einem Plektrum greift. Was mich ebenfalls geradezu in Ehrfurcht erstarren lässt, ist die Tatsache wie die Jungs nach weit über zwei Stunden Spielen, die Mammutstücke "A Mind Beside Itself", "Learning To Live" und "A Change Of Seasons" trotzdem noch mit einer unglaublichen Präzision, konzentriert und im Prinzip fehlerfrei zum Besten geben, und das, obwohl man ihnen ansieht, wie fertig sie schon sind. Unglaublich, tatsächlich am Ende noch das komplette "A Change Of Seasons" durchzuziehen!
Dafür musste Mike-"Ich-bin-für-den-Irak-Krieg"(!!)-Portnoy sogar nachher ins Krankenhaus, da er nicht mehr konnte. Was tut man nicht alles für seine Fans, um ihnen perfekte Unterhaltung zu bieten!
Getoppt werden kann dieser Auftritt eigentlich nur noch dadurch, dass man selbst seinen Hintern in Bewegung setzt, um sich ein Ticket für das nächste DT-Konzert zu sichern.
Tut es Leute, ich weiß aus Erfahrung: es lohnt sich!!!