Dio wird leider meistens auf seine Rainbow- und Black Sabbath-Zeit sowie auf die ersten beiden Alleingänge reduziert - mit dem Vermerk, dass danach nichts mehr kam. Zugegeben, so gigantisch wie in der Zeit zwischen 1975 und 1985 war Dio nie wieder, aber auch in späteren Jahren hat Dio einige wirklich gute Alben herausgebracht, die es wert sind, gehört und wieder entdeckt zu werden. Eines der weniger beachteten Werke ist zweifellos das Album "Dream Evil" - das vierte Album, welches die Dio Band veröffentlichte.
Auf "Dream Evil" ersetzt Gitarrist Craig Goldy den Saitenhexer Vivian Campbell, welcher die ersten Dio Alben eingespielt hat. Dennoch kann man sagen, dass "Dream Evil" das letzte Album der Dio BAND war (namentlich Bassist Jimmy Bain, Drummer Vinny Appice, Keyboarder Claude Schnell). Von diesem Zeitpunkt an hatte Dio immer wieder eine rotierende Mannschaft, was sich bei manchen der nachfolgenden Alben als nicht gerade positiv erweisen sollte.
Night People
Der Opener ist ein schneller, pumpender Metal/Rock Song, der zeigt, dass Gitarrist Craig Goldy eine gelungene Wahl war. Gute Bridges, einprägsamer Refrain und ein tolles Gitarrensolo.
4/5 Sternen
Dream Evil
Ein leicht mystisch angehauchter Mid-Tempo-Stampfer mit knackiger Gitarren/Bass-Arbeit. Hier ist v.a. Dio's Stimme fesselnd. Dramatisch und pathetisch geleitet der Meister uns durch seinen musikalischen Alptraum.
5/5 Sternen
Sunset Superman
Beginnt zunächst ruhig mit einem Keyboard-Intro um dann in einen Mid-Tempo-Stampfer überzugehen. Auch hier ist die Gitarrenarbeit und der Gesang Dio's wieder besonders hervorzuheben, im Großen und Ganzen kann der Song aber nicht überzeugen - v.a. deswegen, weil er wie der Versuch wirkt, ein 2. "Holy diver" zu machen.
3/5 Sternen
All the fools sailed away
Es waren nicht nur knackige Rocker, die mich von jeher bei Dio begeistert hatten. Es waren v.a. auch die etwas komplexer strukturierteren, epischeren Tracks. Der Song beginnt mit einem Akkustik-Gitarren-Intro, indem die kraftvolle Stimme von Dio ganz ruhig und gefühlvoll wirkt. Nach knapp anderthalb Minuten bricht dann eine hymnische Rock-Ballade über uns hinein, mit pumpenden Strophen, hymnischen Refrain, wechselndem Tempo, so wie einem hervorragenden Keyboard/Gitarrensolo. Definitiv ein Meisterwerk und das Highlight des Albums
Mehr als 5 Sterne
Naked in the rain
Ebenfalls sehr melodisch, im Mid-Tempo Bereich angesiedelte Rock Nummer. Dio's Gesang ist hier sehr ergreifend und man weiß einmal mehr, warum dieser Mann zur Legende im Rock/Metal Bereich wurde. Sein Gesang ergreift und zieht in den Bann.
4/5 Sternen
Overlove
I could have been a dreamer
Normalerweise bespreche ich Songs einzeln, aber diese beiden sind definitiv zwei Tiefpunkte in Dio's musikalischem Schaffen. Der erste davon versucht eine knackige Rocknummer zu sein, klingt aber belanglos. Die zweite ist eine Ballade, wie sie kitschiger selbst Jon Bon Jovi nicht hinbekommen würde.
Gerade noch 2 Sterne
Faces in the window
Na glücklicherweise geht es dann doch wieder gut weiter. Ein scharfer Gitarren-Riff eröffnet mit dynamischen Drums und gutem Basslauf eine treibende Rock-Nummer. Trotz der Härte, sehr melodisch von Dio getragen. Top.
4/5 Sternen
When a woman cries
Ein Mid-Tempo Rocker, der zwar erneut durch Dio's majestätisches Organ und ein glänzendes Gitarrensolo begeistern kann, aber eher unauffällig bleibt. Tut nicht weh, bleibt aber auch nicht hängen. Schade
3/5 Sternen
Fazit
Dio und seine Jungs haben mit "Dream Evil" ein starkes, melodisches Rock-Album auf die Beine gestellt, dass wenig Ausfall, viel Gutklassiges und noch mal einen richtigen Kracher ("All the fools sailed away") enthält. Für Dio Fans auf jeden Fall eine Kaufempfehlung. 4 Sterne.
Rest in peace, Ronnie - in Heaven, not in Hell