Tja, vielleicht war er einfach wirklich nicht so intelligent, unser letzter Kaiser, Willherlm Zwo. Vielleicht war es wirklich eine Tragödie mit Wirkung für das gesamte 20. Jahrhundert, dass dieser Junge mit den vielen Neurosen und einer Leidenschaft für Kriegsschiffe in der kritischen Epoche des ausgehenden 19. Jahrhunderts an der Macht war und nicht sein gebildeter und mit Queen Viktorias Tochter verheirateter Vater. Denn leider starb dieser zu früh. So kam es, wie es wohl kommen mußte, erst Entfremdung zweier Weltmächte, dann Machtpolitik und Expansion, dann Eskalation und schließlich der 1. Weltkrieg.
Im Gegensatz zu den vielen Büchern mit eher politikwissenschaftlichem und damit theoretischen Background stehen hier die handelnden Personen im Vordergrund. Dabei geht es noch nicht einmal primär um Willhelm, sondern um das Zusammenwirken der damals politisch entscheidenden Herrscherpersönlichkeiten und der im Bereich des Militärs verantwortlichen Personen. Eine besondere Rolle spielt dabei der britische Admiral Fischer, der eine deutliche Professionalisierung des Seekrieges herbeiführte, auf der einen Seite damit den britischen Vorherrschaft auf den Weltmeeren bewahrt hat, aber wohl auch zu einer weiteren Eskalation der politischen Situation beigetragen hat. Massie zeigt hier sehr instruktiv wie die Entwicklung von Technik nicht nur den Krieg, sondern auch die Politik beeinflusst.
Das ganze ist grandios erzählt. Die Motive der handelnden Personen werden transparent, ihre Entscheidungen ergeben sich schlüssig aus den ebenfalls im Buch dargestellten Biographien. Fast könnte man sagen, dass Massie hier für die Erzählung realer Geschichte den Stil und die Techniken des Romans nutzt. Aber auch die an der damailgen Technik und der Seekriegsführung interessierten Leser kommen nicht zu kurz.
Wenn jemand nur ein Buch über die Zeit zwischen 1880 und 1914 lesen will und damit einen möglichst vollständigen Überblick und ein Verständnis für diese Zeit haben will, dem muss man wohl dieses Buch empfehlen.