"Drawn II: Flucht aus der Dunkelheit" erzählt die Geschichte um den Kampf zwischen dem Bösen und dem kleinen Mädchen Iris weiter. Nachdem man Iris am Ende des Vorgängers befreit hat, gilt es hier nun das Königreich von der Dunkelheit zu befreien. Die Geschichte, die es zu erzählen gilt, erscheint recht kurz und wird eigentlich bereits im Intro erzählt. Während des Spiels offenbaren sich dann lediglich noch weitere Details, während ein paar Fragen dann doch noch offen bleiben, um wohl im dritten Teil beantwortet zu werden.
Anders als im ersten Teil, wo man nur ganz am Ende kurz den Bösewicht zu sehen bekommt, ist die Präsenz nun die gesamte Zeit über spürbar und man bekommt seine Widersacher auch in Zwischensequenzen zu sehen. Diese kurzen "Statusberichte" kommen immer dann, wenn man als Spieler wieder ein entscheidendes Stück vorrangekommen ist.
Künstlerisch gehört das Spiel, wie auch sein Vorgänger, sicher zu dem Besten, das man zur Zeit für Geld kaufen kann. Normale Perspektiven sind spärlich gestreut, jeder Schauplatz wirkt wie ein Gemälde (und ist es in einigen Fällen auch), in dem sich Gebäude zu verbiegen scheinen, um noch reinzupassen. Passend zum Setting wirken die meisten Orte düster und grau, farbliche Akzente werden bewusst gesetzt und heben die wichtigen Spielelemente hervor oder machen die Veränderungen deutlich, die man durch sein Handeln in der Spielwelt hervorruft.
Die visuellen Effekte, die verwendet wurden, um z.B. dem "Raven" (dem Handlanger des Bösen) Leben einzuhauchen sind filmreif in Szene gesetzt und schön anzusehen.
Der Soundtrack ist ebenso großartig, wie die Grafik und unterstützt die Stimmung der jeweiligen Szene perfekt.
Ein paar der Puzzles sind wirklich sehr schön gemacht und machen Spaß. Das restliche Gameplay reißt den Spieler nicht unbedingt vom Hocker. Man muss das Ganze vielleicht doch eher als interaktives Bilderbuch sehen. Wobei dieser Vergleich schon wieder zu ungerecht ist, da man nun doch mehr machen muss als die richtigen Stellen anzuklicken.
Positiv hervorzuheben ist bei den Puzzles auch noch, dass sie hervorragend in die Welt integriert wurden und die Puzzles selbst, sowie die verstreuten Lösungshinweise mit viel Fantasie designt wurden.
Fazit: Ich kann das Spiel allen empfehlen, die den Vorgänger gespielt haben und sehen möchten wie es weitergeht oder allen, die Freude an einem wunderschön anzusehenden, leicht melancholischen Gesamtkunstwerk haben. Allen, die wirklich "spielen" wollen und herausgefordert werden möchten, sei vielleicht doch eher ein anderes Spiel ans Herz gelegt.
Anmerkung zur Special Edition: Leider sind die Musikstücke nur aus dem Spielmenü abspielbar und nicht als MP3 verfügbar. Man kann das Spiel auch nicht nebenher laufen lassen, um die Musik am Computer zu hören, da das Playback stoppt, sobald das Programm den Fokus verliert. Das finde ich etwas Schade, das ist z.B. bei dem Soundtrack, der zu "MCF - Rückkehr nach Ravenhearst" erhältlich ist besser gelöst.