Wenn man das erste mal das neue Werk von Textures aus dem benachbarten Holland in den Player schiebt, kommen einem sofort zwei andere Extrem-Künstler in den Sinn: Das sind auf der einen Seite die schwedischen Polyrhythmik-Könige von Meshuggah und der kanadische Workaholic Devin Townsend (Strapping Young Lad, Devin Townsend Band). Man tut der Band aber auf jeden Fall unrecht, sie vorschnell als Plagiat der beiden Genannten abzustempeln.
Der Meshuggah-Eindruck bleibt zwar latent über die ganze Laufzeit der CD vorhanden, Textures schaffen es aber, diesen durch geschicktes Einflechten von überaus gelungenen melodischen Parts (und da sind wir wieder bei Onkel Devin) wesentlich aufzulockern. Denn im Gegensatz zu den schwedischen Vorbildern haben die Holländer in Eric Kalsbeek einen Frontmann gefunden, der auch richtig SINGEN kann. Was vor allem in dem poppig angehauchten Intermezzo "Illuminatio" und in dem ruhigen, fast durchgehend von Clean-Gitarren und Synthies getragenen "Upwards" zur Geltung kommt. Die andere Seite der Band zeigt sich dann wieder in Wutausbrüchen wie in "Scream of consciousness", bei dem in manchen Parts in bester Death-Metal-Manier geholzt wird. Als Highlight des Albums würde ich mal "Touching the absolute" nennen, das in über 8 Minuten Laufzeit alle Vorzüge der Band vereint.
Fazit: Textures sind extrem - in jeder Hinsicht. Wer aber Gefallen an einer oder an beiden oben erwähnten Bands findet, sollte "Drawing Circles" auf alle Fälle mal Gehör schenken. Das technische/rhythmische Niveau der Band ist überragend und die Qualität der Songs steht da in nichts nach, auch nur minimale Ausfälle sucht man vergebens. Meine Meinung steht: Diese Album ist eine Klasse besser als der letzte Meshuggah-Output "Catch 33", auch wenn die Schweden im Schnitt sicher den höheren Härtegrad für sich beanspruchen können.