Ich muss gestehen: ich bin enttäuscht. Genau das hätte Björk nicht passieren müssen, das Abrutschen in die Sinnleere des postmodernen Patchworks. Das einzige, was mich dahingehend noch beruhigt, ist, dass Björk mit "Drawing Restraint 9" ja "nur" ein Film-Musik-Album zusammengestellt hat, dessen einzelne Songs auch in diesen Zusammenhang gestellt werden müssen. Dahingehend muss dieses Album nicht in eine Reihe mit ihren Studio-Soloalben gestellt werden.
Das Problem, das ich mit dieser Scheibe habe, ist nicht unbedingt die musikalische Qualität der einzelnen Songs, die ich so manchem wirklich nicht absprechen will. Mein Problem ist die bunte Zusammenstellung, die mehr einer willkürlichen Aneinanderreihung gleichkommt, wodurch der bislang björktypische Sinn für stilistische Linientreue verloren geht, was sich vor allem bei diesem nicht-enden-wollenden japanischen Zwiegesang zeigt. Das mag für Musikethnologen mit dem entsprechenden Wissen um den kulturellen Hintergrund interessant sein, doch in dieser Reinform ist diese Musik in meinen Augen weder künstlerisch aussagekräftig, noch unterhaltend. Was im Duett mit Tagaq noch funktionierte - hier wurde der Bogen überspannt. Dies finde ich sehr schade, war doch Björk für mich immer ein positives Markzeichen dafür, dass auch in Zeiten postmoderner sinnentleerter Vielfalt der Sinn für tiefen musikalischen Ausdruck, innovative Kreativität ohne Oberflächlichkeit und vor allem künstlerischen Anspruch nicht verloren gehen muss.
Keineswegs will ich "Dawing Restraint 9" seinen Innovationscharakter absprechen, keineswegs seinen musikalischen Anspruch streitig machen. Jedoch fehlt es mir an einer gewissen Stringenz, wodurch die vielfältigen musikalischen Einflüsse des Albums auf eine neue Stufe gehoben einen persönlichen Stil weiterentwickeln. "Medulla", vor allem aber "Homogenic" waren diesbezüglich Meilensteine, die Björks musikalische Entwicklung einen weiten Sprung nach vorne haben machen lassen. Und gerade nach dem wegweisenden letzten Album waren vielleicht meine Erwartungen einfach zu hoch gesteckt.
Ich will nicht leugnen, dass "Drawing Restraint 9" ganz große Momente mit sich bringt, so der fast schon einem Hörspiel gleichende Song "Storm", oder das sphärisch verschwimmende "Bath" oder auch das herrlich skurrile, einfallsreich arrangierte und komponierte Lied "Hunter Vessel". Allerdings passt irgendwie nicht alles stimmig zusammen und ergibt am Ende einen bunten Haufen zwar voller Kreativität, jedoch ohne eine klare stilistische Linie zu verfolgen. Aus diesen Gründen kann ich nicht aus vollster Überzeugung das Album empfehlen, mit der Einschränkung, dass ein Soundtrack immer ein stückweit die beschriebenen Probleme mit sich bringt. Am besten urteilt jeder für sich. Hier tut das wirklich Not.