Mit sehr intelligentem und humorvollem Blick, mit sehr viel Liebe für das Detail, zeichnet Asfa-Wossen Asserate ein Deutschland mit Sympathie und Warmherzigkeit, das man sich als Deutscher, der gewohnt ist, sein Land wo es nur geht durch den Fleischwolf zu drehen, nur wundern kann: Sind wir hier in Deutschland wirklich so liebevoll-schrullige Menschen? Gibt es in diesem Land wirklich so viel Kultur, Belesenheit und gutes Benehmen? Das ist wirklich sehr ungewohnt, und ein Deutscher der gestreichelt wird, ist erst einmal zutiefst mißtrauisch. Doch Asfa-Wossen Asserate hat auch sehr kritische Anmerkungen, allerdings immer im freundlich-wohlwollendem Ton (Und liefert damit, nebenbei gesagt, ein Musterbeispiel für gelungene Pädagogik).
Er arbeitet spielerisch viele Kleinigkeiten und Eigenarten unseres Alltäglichen heraus, die wir selber gar nicht bemerken, die für uns selbstverständlich sind und uns nicht weiter auffallen, weil uns die Perspektive von Außen, das Aufgewachsensein in einem völlig anderen Kulturraum fehlt.
Was ich sehr amüsant und nachdenklich finde ist, dass er den typischen und Allzu-Deutschen wie eine vom Aussterben bedrohte Tierart beschreibt. Eine duchr den globalen Einheitsbrei und Anpassungs- und Selbsthaßmanie allzu leichtfertige Spezies, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ihre Eigenarten so schnell wie möglich abzustreifen um ein Global Player zu werden.
Ganz großartig sind neben den deutschen Fundstücken, die Konnotationen, kleine Nebensätze, Geschichten, historische Annekdoten, die für mich sehr gewinnend und auch lehrreich waren: Die Entstehung des Melitta-Filters, der Empfang bei Margaret Thatcher und ihre vermeintlich negative Einstellung gegenüber Deutschland, die Geschichte von Fürst Pückler und Machbuba und etliche Dinge mehr.
Man lernt auch viel über Äthiopien, obwohl die äthiopischen "Fundstücke" oft nur als Kontrastmittel eingesetzt werden. Und das war bei mir seltsamerweise die stärkste Wirkung: Nach der Lektüre habe ich ein starkes Interesse mehr über das Land Äthiopien zu erfahren.