Wer in Deutschland Cormac McCarthy kennt, der kennt zumeist ALL DIE SCHÖNEN PFERDE oder vielleicht noch GRENZGÄNGER, also einen der Western des Autors, der einst, als legitimer Nachfolger William Faulkners gefeiert, düstere Südstaatenromane verfaßte -- und nicht die schlechtesten, was vor allem der monumentale SUTTREE (deutsch: VERLORENE), aber auch McCarthys zweiter Roman, DRAUSSEN IM DUNKELN, eindringlich unter Beweis stellt. 1968 zum ersten Mal veröffentlicht und lange Jahre out of print, wurde letzterer im Zuge des Erfolges von ALL DIE SCHÖNEN PFERDE wiederaufgelegt und ins Deutsche übertragen, was dem deutschen Leser nun die Chance gibt, ein kleines Meisterwerk für sich zu zu entdecken. Klar, ohne Faulkner (vor allem dessen DIE FREISTATT) wäre McCarthys Roman nicht denkbar, doch entfaltet der erfreulich nicht-postmoderne DRAUSSEN IM DUNKELN durch seine ungemein düster-archaische Atmosphäre, seine formale Geschlossenheit, seine schier unerschöpfliche Sprachgewalt sowie seine unvergleichlichen, zuweilen komischen, zuweilen brutalen Szenen einen letztlich doch eigenen Reiz. Hierbei richtet McCarthy sein Augenmerk stets auf die Nachtseiten des Lebens, gönnt seinen beiden Protagonisten, dem inzestuös liierten Geschwisterpaar Rinthy und Culla, kaum einen Moment der unbeschwerten Ruhe. Verfolgt von drei geheimnisvollen mordbrennenden Reitern, sind sie selbst Suchende in einer Welt, in der es keine Ziele zu geben scheint. Mit seinem beklemmenden und konsequenten Nihilismus und dem Verzicht auf jede Form von Romantik dürfte der Roman die Freunde von ALL DIE SCHÖNEN PFERDE etwas überraschen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)