Anfangs wollte ich warten, bis das Buch auf Deutsch erscheint, aber da ich nirgendwo ein Erscheinungsdatum gefunden habe, und meine Neugier über die Inkaufnahme einer langen Wartezeit überwog, entschloss ich mich dann doch die englische Ausgabe zu bestellen.
Und ich habe es nicht bereut.
Es ist wirklich ein wunderschön aufgemachtes Buch, es sieht neu und gleichzeitig alt aus. Die Schrift ist recht groß, das hat mich Anfangs etwas verwundert, erwies sich aber beim Lesen als angenehm. Ich hatte ständig Sorge, dass ich die Schönheit des Buches durch Knicke oder irgendwelche Abnutzungserscheinungen zerstören könnte, so Vorsichtig bin ich sonst nicht! Nur bei Büchern, wo sich tatsächlich Mühe gegeben wurde, was ihre Gestaltung betrifft.
Das Englisch fand ich auch recht verständlich, ich musste selten zum Wörterbuch greifen. Bevor ich das Buch bestellt habe, hatte ich meine Bedenken ob ich das Werk auch genießen kann, da ich höchstens 2-3 Englischsprachige Bücher pro Jahr lese, meine Sorge erwies sich zum Glück als unbegründet. Man liest sich flott hinein und vergisst, bis man doch mal über ein Wort stolpert, das man nicht kennt, dass man gerade englischsprachige Literatur in der Hand hält.
Jetzt erstmal die Dinge, die mir nicht so gut gefallen haben:
Zuweilen wirkt der Inhalt etwas Patchworkartig. Szenen, die auch aktiv hätten beschrieben werden können, sind kurz gehalten, wirken wie eine Nacherzählung oder passive Beschreibung. Hier entsteht dann der Eindruck, es hätte Platzmangel geherrscht oder die Zeit und Lust der Autoren war nicht ausreichend, um diese oder jene Szene ausführlicher zu schildern. Was schade ist, denn ich mag den Schreibstil wirklich gern und finde es viel amüsanter, wenn auch Einzelheiten sowie Dialoge ausgeschrieben werden. Ich halte die Dialoge sogar für eine der großen Stärken des Buches, gerade, da es um Raistlin geht und er doch zumeist einen flotten Spruch auf den Lippen trägt. Da ist es schade, wenn man einen Dialog "verpasst", da er nur als stattgefunden erwähnt wird.
Manche Ereignisse wirken etwas konstruiert und zu zufällig. Letztlich kann man darüber aber hinwegsehen.
Der Konflikt den Raistlin mit Fistandantilus austrägt bleibt manchmal etwas unverständlich. Teils konnte ich nicht nachvollziehen, warum er jetzt das oder jenes kann und vorher nicht getan hat. Fällt mir noch etwas Negatives ein? Ich glaube nicht. Also auf zum Inhalt:
Raistlin im Alleingang, Caramon und die anderen hinter sich lassend, in der Annahme, dass sie im Mahlstrom ertrunken wären. Manchmal unsicher aber doch motiviert und mutig versucht er seinen Weg zu gehen. Wenn das jedoch so einfach wäre, dann bräuchte es wohl kein Buch, in dem darüber erzählt wird. Zumeist bewegt sich der sympathisch ehrgeizige Magier auf gewagten Pfaden, oft rettet ihn eine Mischung aus Glück, Scharfsinnigkeit und Durchhaltewillen aus den wirklich brenzligen Situationen. Hin- und hergerissen zwischen Schuldgefühlen wegen Caramon, der Sehnsucht nach Gesellschaft, der Suche nach seinem Platz in der Welt gerät er im Prinzip von einer Katastrophe in die nächste. Manchmal weiß er selbst nicht so recht, für was er sich entscheiden soll. ("You must decide, Raistlin Majere," she said softly. "Which side will you choose? Mother [Takhisis] or son [Nuitari]?" "What about you?" he hedged. Iolanthe laughed. "Oh, that is easy. I am always on my own side.") Und mit irgendwem liegt er immer im Clinch, wenn er sich nicht gerade mit sich selbst, Fistandantilus oder seiner Drachenkugel rumärgert, dann ist er dabei mit anderen Magiern, den Göttern der Magie oder gleich Takhisis in größere und kleinere Konflikte zu geraten. Für Unterhaltung ist also gesorgt. Tatsächlich konnte ich das Buch, trotz der oben erwähnten Schwachstellen, kaum aus der Hand legen.
Jedenfalls, jeder Fan der noch zögert, den kann ich nur ermutigen. Der Kauf lohnt sich in jedem Fall. Außer man hat nichts für Raistlin übrig, dann sollte man Abstand nehmen, denn andere bekannte Figuren wie Flint, Tolpan, Kitiara etc. kommen zwar vor, aber eben nur am Rande.