Ich habe zum ersten Mal von Dragon's Dogma über ein Jahr vor der Veröffentlichung gehört, als irgendeine Spielezeitschrift einen Artikel darüber schrieb. Action-RPG in einer offenen Fantasywelt, Kampf gegen riesige Monster, Drachen, das alles klang für mich als Fantasy(rollenspiel)fan sehr verlockend. Als dann nach der Veröffentlichung auch noch Vergleiche mit Dark Souls angestellt wurden, war mir klar, daß das Spiel her musste.
Nach einigen Wochen habe ich nun die Welt im großen und Ganzen erkundet, viele Stunden mit dem Abgrasen von Nebenquests und dem Kampf gegen die immer wieder auftauchenden Monster verbracht, die Hauptstory durchgespielt, und bin trotzdem noch nicht am Ende. Dragon's Dogma bietet genug Möglichkeiten, sich ähnlich wie in den Elder Scrolls Spielen ewig in der Spielwelt zu verlieren. Darin liegt allerdings auch der große Nachteil: Da die Spielwelt wenig Abwechslung bietet, lässt die Motivation irgendwann nach.
Zunächst zur Story:
Ich will hier keine Zusammenfassung der Geschichte geben. Die Story ist von der Idee her ganz nett, ihre Umsetzung finde ich allerdings wenig gelungen. Die Jagd nach dem eigenen Herz, das der Drache gestohlen hat, steht im Grunde sehr im Hintergrund, selbst die sogenannten Hauptquests scheinen mit der eigentlichen Geschichte nicht sehr viel zu tun zu haben. Irgendwo sickert durch, daß die Welt bedroht ist und man als "Erweckter" helfen muss, sie zu retten, jedoch sind all diese Handlugnsstränge nur lose bis gar nicht miteinander verknüpft und die Geschichte wirkt in sich nicht schlüssig oder logisch und bleibt somit sehr blass. Das ist einer der Faktoren, warum das Spiel wenig Abwechslung bietet: Die Story ist nicht präsent genug, um große Spannung aufkommen zu lassen, wodurch das Gameplay der einzige Motivator bleibt.
Und somit kommen wir zum Gameplay:
Das Spiel versteht sich als Action-Rollenspiel, die Rollenspielanteile zeigen sich in:
- der sehr detailreichen Gestaltung des eigenen Charakters, man kann allein bei der Erstellung seiner Spielfigur und seines Hauptvasallen schon eine gute Stunde verbringen, wenn man will.
- den zahlreichen Quests, Haupt- und Nebenquests, die allerdings wenig abwechslungsreich beschränkt sind auf "Beschaffe X von diesem und y von jenem", "Töte dieses oder jenes" und "eskortiere diesen oder jenen von A nach B".
- der riesigen Fülle an sammelbaren Items, die man nicht nur verkaufen oder benutzen kann, sondern sogar zu neuen Items kombinieren kann. Das fand ich persönlich sehr ansprechend. Allerdings lässt sich so auch viel nutzloser Krempel basteln, der dann noch nicht mal viel Kohle einbringt.
- dem Handelssystem, man kann natürlich Items kaufen und verkaufen, und bei einigen Händlern/ Schmieden auch Waffen und Rüstungsteile aufwerten. Allerdings gibt es nur wenige Händler in der Spielwelt, und von ihrer Itemauswahl her sind sie auch nicht abwechslungsreich. Wenig Motivation, mal nen neuen Händler zu finden oder auf ein wirklich großartiges Item zu sparen - Geld hat man irgendwann ohnehin wie Heu.
- dem Charakterentwicklungssystem. Hier weicht das Spiel jedoch von typischen RPGs ab. Der Stufenaufstieg geschieht automatisch, man kann keine Erfahrungspunkte verteilen. Lediglich einige Kampffertigkeiten lassen sich erlernen und auf Slots verteilen - allerdings kann man dies nur bei bestimmten Händlern machen, und man kann nicht alle Fertigkeiten, die man erlernt hat, auf einmal anwenden, da man nur eine begrenzte Anzahl an Slots zur Verfügung hat. Somit sinkt irgendwann auch die Motivation wieder, die zum Erlenen und Upgraden von Fertigkeiten nötigen Disziplinpunkte einzuheimsen, weil man irgendwann die bevorzugten Fertigkeiten voll ausgebaut hat und auch keine anderen mehr lernen möchte - und allzuviele gibt es dann sowieso nicht mehr.
- Der Klassenwahl, die sich anfangs auf Krieger, Magier, Waldläufer (Bogenschütze) beschränkt, später aber noch mehr spezifiziert werden kann durch die Wahl von Unterklassen. Eine Klasse kann immer nur bestimmte Waffen verwenden. Meine Klasse ist mittlerweile der vom Waldläufer aufgewertete Assassine, meine Waffen sind Schwert und Bogen - auch Dolche könnte ich benutzen, Schwerter sind allerdings stärker.
Insgesamt ist das Spiel jedoch eher actionlastig:
- Im Kampf hat man für jede Waffenart mehrere Spezialattacken, viele davon kann man für sogenannte Disziplinpunkte erlernen, jedoch lassen sich wie schon erwähnt nur immer ein paar davon auf Slots (und somit auf Controllertasten) legen, und daher sind im Kampf nie alle verfügbar. Das klingt, als müsse man strategisch vorgehen und seine Attackenwahl bedenken, man spielt sich jedoch schnell auf sein bevorzugtes Fähigkeitenset ein und dann bestehen die Kämpfe dennoch größtenteils aus Geschnetzel - welches aber durchaus Spaß macht und zumindest nicht in stupides Tastengehämmere ausartet. Zudem hat man eine Primär- und eine Sekundärwaffe, bei mir wie gesagt Schwert und Bogen, und man kann beides in einem Kampf bestens zum Einsatz bringen.
- Man trifft beim Durchstreifen der Welt auf kleine Gegner, wie Wölfe, Banditen, Goblins, verschiedene Arten von Echsenkriegern, Harpyen und Nachts und in Höhlen auf Untote, Skelette, Zombies. Solche Gegner stellen in der Regel nur Pfeil-/Klingenfutter dar, sind kein Problem.
- Die großen Gegner, wie Chimären, Zyklopen, Greifen, Golems und natürlich Drachen (von denen ich im Spiel aber nur zwei sah, und einer davon war der Endgegner des Spiels) stellen die größere Herausforderung dar und der Kampf gegen sie macht am meisten Spaß: Man kann auf ihnen herumklettern, um Schwachstellen zu erreichen, was allerdings Ausdauer kostet, vor allem, wenn das Vieh einen abschütteln will. Hier bietet sich auch am meisten an, die Fähigkeiten der einzelnen Gruppenmitglieder strategisch einzusetzen - was man allerdings eh nur in der Auswahl seiner Vasallen beeinflussen kann. Dennoch, wenn man auf einem der großen Viecher rumklettert, auf es einhackt und es irgendwann fällt, fühlt man sich als Held - auch wenn im späteren Spielverlauf diese Monster keine wirklichen Probleme mehr darstellen.
Als größte Neuerung des Spiels wurde das Vasallensystem angepriesen. Man kann an sogenannten Riftsteinen Vasallen anheuern, aber auch so trifft man einige auf der Straße, die man anheuern kann. Drei Vasallen kann man mitnehmen, und sie unterstützen einen im Kampf und handeln völlig eigenständig. MAn hat lediglich drei Tastenbefehle, die man ihnen erteilen kann, "da lang", "Zu mir" und "Hilfe" - letzteres schien allerdings nur bei Magiervasallen einen Unterschied zu Zweiterem zu machen, der mir dann Kampfboni verlieh oder mich heilte.
Da die Vasallen alles sonst eigenständig machen, kann man nicht davon reden, daß man in Kämpfen sehr strategisch vorgehen muss, da man ihre Kampfhandlungen in keinster Weise koordiniert. Man haut auf die Gegner drauflos, nutzt die von seinem Magiervasallen gegebenen Kampfboni, und fertig. Ab und zu hält ein vasall einen Gegner fest,d amit man ihn erschlagen kann, oder lenkt Gegner auf sich, damit sie einem keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Aber im Großen und Ganzen ist der Kampf eher action- denn strategieorientiert. Aber das ist nicht schlecht gemacht, und durch die Verwendung der verschiedenen Spezialangriffe bleibt es wenigstens nicht bei stupidem Tastengehämmere.
Aber daß Kämpfe sehr strategisch ablaufen würden, entspricht nicht der Wahrheit. Lediglich die Zusammenstellung seiner Gruppe sollte man bedenken, aber das hat man schnell raus. Einfach alle Grundklassen möglichst abdecken, und man ist auf der sicheren Seite.
Zur Grafik:
Die Grafik an sich ist in meinen Augen sehr gut. Weite Landschaften, toll gestaltete Gegner, Details gut erkennbar, an sich liebevoll gestaltet. Was das Spiel vielleicht für den einen oder anderen dennoch optisch langweilig macht, ist die Tatsache, daß alles sehr "realistisch" gestaltet ist. Hier wird nicht mit Farbeffekten gearbeitet wie in anderen Spielen, nichts wirkt comichaft, keine Effekte durch Kontrast und Farbschattierungen machen das Bild düsterer oder unrealer, in Dragon's Dogma wirken die Landschaften so, wie wenn man auch im realen Leben an einem sonnigen Nachmittag über die Wiesen läuft. Hinzu kommt, daß die verschiedenen Landschaftstypen (Wald, Wiesen, Stadt, Höhle usw) insgesamt wenig abwechslungsreich gestaltet sind - und auch, daß es keine Wetterwechsel gibt (es scheint immer die Sonne!) trägt nicht zu einer wirklich ansprechenden Optik bei. Lediglich Tag- und Nachtwechsel gibt es - und die sind super gemacht! Nachts ist es stockdunkel, man muss eine Laterne anzünden, um wenigstens ein paar Schritte weit sehen zu können. Sehr realistisch, toll.
Fazit: Dragon's Dogma ist ein Spiel, das durchaus Spaß macht, vor allem, wenn man große Gegner bekämpft und bezwingt. Die Vasallen sind bei Kämpfen eine große Hilfe, jedoch bringt das Vasallensystem keine große strategische Herausforderung, da die Figuren selbständig handeln. Die Spielwelt ist vergleichsweise riesig und lädt zum Erkunden ein. Aber dennoch bietet das Spiel wenig Abwechslung, die Story verblasst und bietet wenig Spannung, die Quests sind im Grunde auf drei Grundarten beschränkt und immer gleich, die an sich schön gestaltete Spielwelt wird ebenso schnell eintönig durch fehlende Effekte.
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