Wardwick - kurz Ward - ist der Erbe der alten, berühmten Festung Hurog am Nordrand der Fünf Königreiche. Einstmals war es der Königssitz des freien Shavig, und noch immer ranken sich geheimnisvolle Legenden um diesen Ort, dessen Name in der alten Sprache "Drachen" bedeutet. Aber Ward hat keine rechte Freude an seinem Erbe, denn sein Vater ist ein gewalttätiger, eifersüchtiger Mann und schlägt seine Söhne seit frühester Kindheit. Seit sein Vater ihn in seinem zwölften Lebensjahr schwer verletzt hatte, ist Ward geschädigt. Er spricht langsam, redet manchmal äußerst unsinniges Zeug und benimmt sich ganz und gar nicht wie der neunzehnjährige Erbe von Hurog, der er sein sollte.
Tatsächlich jedoch schützt der junge Mann seinen Schwachsinn nur vor, um vor den gewalttätigen Nachstellungen seines Vaters sicher zu sein, der nun keinen Rivalen um die Macht mehr zu fürchten braucht. Als dann jedoch Fenwick von Hurog, Wards Vater, stirbt, gerät dessen gekonntes Spiel in gefährliche Bahnen. Denn um seinen Anspruch auf Hurog geltend zu machen, muss er nun beweisen, dass er entgegen dem äußeren Anschein sehr wohl intelligent und zum Fürsten geeignet ist.
Noch bevor Ward sich daran machen kann, seinen Ruf wiederherzustellen, muss er jedoch fliehen, und es beginnt eine Reise, auf der ihm neben der Sklavin Bastilla, seinem Waffenmeister, seinem Bruder Tosten und Ciarra, seiner Schwester, nur wenige treue Gefährten helfen können. Der sicherlich undurchschaubarste von ihnen ist Oreg, der Geist der Burg Hurog.
Wie und ob es Ward am Ende gelingt, Hurog zurückzuerhalten, und was mit dem äußerst unterhaltsamen und liebenswerten Hausgeist geschieht, werde ich an dieser Stelle natürlich offenlassen.
Ich habe das Buch auf den ersten Blick geliebt. Nein, halt. Das stimmt so nicht ganz, denn vom äußeren Anschein allein ist das Buch sicherlich keine Augenweide. Schon die futuristisch anmutenden Schrift auf der Rückseite irritiert ein wenig. Aber Briggs Stil reißt einen auf den ersten Seiten mitten in die Handlung. Die Geschichte wird vom Ich-Erzähler Wardwick berichtet, zwischendurch sind einige Szenen aus Beobachtersicht eingefügt, die aber jeweils begründet und eingeleitet werden, und sich als später von Ward selbst erfahrene gleichzeitige Geschehen offenbaren.
Den größten Lesespaß bringen sicherlich Ward, der seine eigenen Handlungen manchmal sehr amüsant kommentiert, und durch seinen vorgeblichen Schwachsinn ohnehin sehr sympathisch und interessant erscheint, und der Junge Oreg, der als Geist eine eigenwillige Qualität in Sachen Humor und Wahrheitsliebe besitzt. Oregs Schicksal ist neben Wards eigenem auch das wichtigste Thema dieses kleinen, feinen Romans, denn der Junge ist so tief in Hurogs Geschichte und die Lösung seines schrecklichen Geheimnisses verwickelt, wie sonst niemand. Niemand, der noch leben würde, wenigstens. Und letztlich muss es ja auch noch einen Grund geben, weshalb das Buch den Titel Dragon Bones trägt :)