Romanadaptionen von Games haben so ihre Probleme. Waren es früher meist zu Romanen verarbeitete Komplettlösungen geht der Trend der letzten Jahre zur Etablierung von Vorgeschichten und Nebenhandlungen, wobei diese manchmal nicht ganz ernst zu nehmen sind, was Elemente wie die Kontinuität angeht. Dragon Ages Tie-ins sind jedoch anders. Lead Writer und damit Hauptverantwortlicher für die Handlung der Games, David Gaider, hat seine Dragon Age-Romane direkt mit der Spielhandlung verknüpft und zeichnet darin den Aufstand Fereldens gegen die orlaisianische Besatzung nach. Jene Geschichte also, in der König Maric seinen Thron zurückerobert und ein Bürgerlicher namens Loghain zu seinem engsten Vertrauten und Heerführer aufsteigen wird. In Dragon Age 1 ist das zwar längst Vergangenheit, doch so manche Prophezeiung und so mancher Verrat nehmen hier ihren Anfang.
Und alles beginnt mit einem Verrat. Königin Moira, die Anführerin des Widerstands in Ferelden wurde von einem Verräter ermordet. Nur ihr Sohn, Prinz Maric kann den Meuchelmördern noch entkommen und ist nun auf der Flucht vor den Männern des Usurpators. Erst als ihn ein Gesetzloser namens Loghain rettet und in das Lager der Bande seines Vaters bringt sieht Maric wieder so etwas wie Hoffnung, seinen Verfolgern doch noch zu entkommen. Als die Gruppe um Loghains Vater Bane ins Visier von Marics mächtigen Feinden gerät sind der junge Prinz und sein widerwilliger Freund auf sich allein gestellt, um das Hauptlager der Rebellen zu erreichen und den Truppen des Thronräubers entgegenzutreten...
Eine Inhaltsangabe der Handlung von "Der gestohlene Thron" lässt sich nur schwer geben, denn das Buch ist vor allem wendungsreich. Was mit dem Mord in einem Wald nahe Lothering beginnt wird nicht zum Road Trip zweier sehr unterschiedlicher Männer, die am Ende im Handumdrehen ein unterdrückerisches Besatzungsregime stürzen. David Gaider versteht es jede Seite zu nützen und so ist Marics Eintreffen bei der Rebellenarmee schließlich nur der Beginn der Rebellion, die dann mit einem kurzen Zeitsprung den zweiten großen Abschnitt des Buchs einleitet, in dem Loghain bereits als Offizier erste Erfolge feiern durfte und Maric als Symbol des Widerstandes ins Visier des sinistren Magiers Severan geraten ist. Selbst dieser zweite Abschnitt gerät alles andere als berechenbar und ist typisch für Dragon Age von eskalierenden Spannungen zwischen den Charakteren, sowie weichenstellenden Entscheidungen gezeichnet.
Gaiders Charaktere scheinen zwar auf dem ersten Blick fleischgewordene Klischees zu sein, doch blickt man tiefer hat er sehr starke Persönlichkeiten mit ihren Ecken und Kanten geschaffen. So wird aus Prinz Maric nicht von heute auf morgen ein glorreicher Anführer, vielmehr bleibt er immer ein wenig jener unvernünftige, leicht naive Junge, der mit der ihm abverlangten Verantwortung nur schwer zurande kommt. Doch nicht nur auf Maric gibt sich nicht als große Lichtgestalt, auch sein Freund Loghain ist keinesfalls der immer loyale Sidekick. Vielmehr muss Loghain erkennen dass Maric auf ihn als starken Mann im Hintergrund angewiesen ist. Doch Loghains Loyalität ist zweifelhaft, denn der künftige General ist Maric nicht bloß charakterlich diametral entgegengesetzt, er misst auch ihrer Freundschaft eine andere Bedeutung zu.
Auf der einen Seite zwei alles andere als perfekte Helden, auf der anderen zwei klassische Schurken. Der Thronräuber und Unterdrücker Fereldens, König Meghren ist Maric allerdings insofern ähnlich dass er eigentlich nicht König Fereldens sein will. Nur anders als Maric der einfach die Verantwortung scheut ist Meghren die Provinz einfach zu uninteressant. Lieber wäre er ein Baron am kaiserlichen Hof seiner Heimat geblieben wo er all den Lastern anhängen könnte die orlaisianische Adelige so lieben. Also vertreibt er sich sein erzwungenes Exil im kulturlosen und faden Ferelden mit allerlei Grausamkeiten, ohne dabei jedoch irgendwelche Ambitionen an den Tag zu legen. Ambitionen sind dafür etwas womit Meghrens Berater Severan dienen kann. Der als Magier eigentlich Geächtete sieht in der Jagd auf Prinz Maric und seine Rebellen eine Chance selbst Karriere zu machen. Sein Ziel ist dabei eines Tages Gouverneur von Ferelden zu werden, sollte Kaiser Florian seinen Verwandten Meghren eines Tages aus der besetzten Provinz abziehen. Um sein Ziel zu erreichen sind Severan alle Mittel recht, auch eine elfische Bardin welche er mit dem Auftrag betraut den Rebellenprinzen zu finden, zu verführen und zu töten.
Zusätzliche Spannungen in Prinz Marics Leben bringt noch die Dreiecksbeziehung zwischen ihm, seiner Versprochenen Rowan und Loghain, denn während Maric in seiner künftigen Gattin eher eine gute Freundin sieht, ist ihr Loghain regelrecht verfallen und beneidet seinen Freund um sie, auch weil Loghain wie Rowan wirkliche Kämpfer sind, im Gegensatz zum Aushängeschild Maric. Ein anderes Dragon Age-Merkmal kommt im Roman natürlich ebenfalls zum Tragen, nämlich genau jene beiden Elemente die Dragon Age eine Ab 18-Einstufung eingehandelt haben - Sex und Blut. Doch darin unterscheidet sich Gaiders Werk nicht wirklich von so manchen Thriller-Bestsellern, die in dieser Hinsicht oft noch weit expliziter werden.
Wie schon das Game zeigt sich auch der erste Dragon Age Roman moralisch sehr grau und oft auch düster. Im Gegensatz zu anderen Bioware-Games wie Mass Effect (dessen Lead Writer Mac Walters und Drew Karpyshyn ebenfalls bereits Comics und Bücher verfasst haben) zeichnet sich Dragon Age dadurch aus, dass oft nicht erkennbar ist, ob Charaktere nun gut oder böse sind. Einem solchen schwer einzuordnenden Charakter, der neben Mass Effect 1 auch in Mass Effect 2 eine tragende Rolle einnehmen wird, begegnen die beiden Helden auf ihrer Flucht in der Korcai Wildnis, der Hexe Flemeth. Gastauftritte wie der Flemeths sind allerdings selten. Selbst Arl Rendon Howe und Teryn Cousland, die beide ja gegen die Orlaisianer gekämpft haben scheinen zu fehlen. Dafür ist von einem Arl Byron von Amaranthine (die Residenzstadt der Howes und in Dragon Age: Awakening schließlich im Besitz der Grauen Wächter) die Rede, der sich nach einer schweren Demütigung durch König Meghren schließlich doch dazu durchringen kann zu Marics Rebellen überzulaufen. Im Epilog bekommt man dafür kurz Prinz Cailan zu sehen, dessen späteres Heldentum wohl sehr früh durch die zahllosen Geschichten seines Vaters geprägt wurde.
Der Krieg gegen Orlais Besatzungsheer liegt in Dragon Age 1 schon fast Jahrzehnte zurück und Teryn Loghain ist bereits ein Mann in den mittleren Jahren, dessen Tochter an der Seite des Sohns seines besten Freundes als Königin herrscht. Doch warum Loghain schließlich den heldenhaften König Cailan in der Schlacht sterben lässt und inwieweit das wohl auf seine Abneigung gegen Cailans Vater König Maric zurück geht, verrät "Der gestohlene Thron". Ebenso wie die latente Abneigung der Bewohner Fereldens gegenüber den Orlaisianern, wie sie in Awakening hin und wieder thematisiert wird (vor allem wenn man seinen Grauen Wächter nicht aus Dragon Age 1 importiert).
Für sich genommen wäre DER GESTOHLENE THRON ein gutes wenn auch nicht gerade sehr eindrucksvolles Buch. Für Fans allerdings sollte das keine Rolle spielen, denn immerhin bekommt man mit der Vorgeschichte zum Game einiges geboten. Ärgerlich hingegen ist die sehr üble Übersetzung, welche sich nicht an Dragon Age I angelehnt hat, sondern in vielerlei Hinsicht auf direkten Übersetzungen aus dem Original (Schöpfer statt Erbauer, Tiefe Straßen statt Tiefe Wege) beruht, wobei so manches allerdings gar nicht übersetzt wurde. So bleibt die Kirche die "Chantry", die Wildnis die "Wilds" und die dunkle Brut sogar "Darkspawn". Beispiele für diese fragwürdige Übersetzungspolitik gibt es noch viele mehr
Fazit:
Trotz der Übelsetzung, für Fans auf jeden Fall empfehlenswert.