*
Eigentlich habe ich Geschichten lieber in denen Drachen ... einfach Drachen sind. Es gab nur zwei andere Bücher, wo es sich ähnlich wie hier verhielt ( aber davon wusste ich vor dem Kauf nicht und ausserdem waren es nur Nebencharaktere ).
Mit "Dragon Actually" habe ich nun mit voller Absicht einen Roman über einen gestaltwandlerischen Drachen als Protagonist gelesen.
Nun, ich hätte nicht gedacht, daß ich mal einen Drachen sexy finden würde! ^^ Und Fearghus ist es. Definitiv. Ein toller schwarzer Drache ( in Menschenform mit schwarzem langen Haar, siehe Cover ). Er ist der älteste Sohn von Königin Rhiannon und ein Eigenbrötler ... bis seine andere Hälfte unerwartet auf den Plan tritt!
Der weibliche Hauptcharakter namens Annwyl ist hingegen eine Kriegerin. Eigentlich nichts ungewöhnliches im Genre, doch Annwyl ist so ziemlich die blutrünstigste Schlächterin, von der ich je gelesen habe. Wortwörtlich. Sie mäht ihre Feinde gnadenlos mit dem Schwert nieder und lebt nur für Kampf und Tod. Diese Persönlichkeit ändert sich auch zum Schluss nicht. Bedeutet: Kaum Charakterentwicklung ihrerseits, was etwas schade ist aber durchaus nachvollziehbar. Sie wurde durch das Schicksal so geformt und mit dieser seelischen Verzerrung muss sie nun leben. Ich hätte aber gerne ein bisschen mehr über die Hintergründe erfahren, die sie so gnadenlos brutal werden liessen. Ein kurzer Rückblick in die Vergangenheit als sie zehn Jahre alt war ( und ihr Bruder sie eines Nachts mit dem Kissen ersticken wollte ) reicht nicht. Ein bisschen mehr Tiefe ( in Form von z.B. einer "Psychoanalyse" ) hätte ihr Charakter schon vertragen können.
Ich weiß eigentlich immer noch nicht, wieso sie und ihr Bruder sich so abgrundtief hassen und ständig gegenseitig abmurksen wollen.
Die Art der Drachen ist - ausser der Gestaltwandlung - ebenfalls recht eigenwillig. So haben sie eine Mähne (!) in der gleichen Farbe wie ihre Schuppen. Kann ich mir eingentlich nur bei chinesischen Drachen vorstellen. Ansonsten weisen sie die typischen Merkmale wie Hörner und Flügel auf.
Was ich irritierender fand, war ihre Lebensweise. Fearghus hat einen Höhlen-Hort, doch andere Drachen leben auch in riesigen steinernen Geäuden. Dazu sammeln sie offenbar leidenschaftlich Gold und Juwelen. Hm. Ihre Verhaltensweise ähnelt auch sehr stark an das Feudalherrschaftswesen der Menschen.
Typischer klingt da ihre Lieblingsspeise, die da heisst Menschenfleisch. Parallel dazu geniessen sie die Menschen aber gerne auch mal auf eine ... äh erotischere Art! ^_~
Welche Elemente enthält das Buch allgemein betrachtet?
Exzessiv blutrünstige Gewalt, hemmungsloser Sex - beides detailliert beschrieben - und viele, sehr viele Fluchworte ( sogar unter Liebenden )!
Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz. Trockener und schwarzer Humor.
Wofür in erster Linie die königliche Drachenfamilie sorgt. Besonders dieses "Pack", daß sich als Fearghus` Geschwister bezeichnet! ^^
Mit einer solchen Familie braucht man keine Feinde und es wundert mich gar nicht daß Fearghus sich in eine weit entfernte Höhle abgesetzt hat.
Aber lustig sind sie allemal, mit ihren unterschiedlichen Charakteren und ihrem Zusammenspiel.
Habe ich was zu kritisieren?
Ja. Besonders das Hintergrundwissen fehlt mir ( v.a. über Annwyl, wie ich schon oben anmerkte ). Allerdings ist dies der erste Band einer Reihe und was nicht ist, kann ja noch werden.
Dazu noch halte ich den Endkampf für zu unspektakulär, zu kurz. Da bereitet sich Annwyl ewig lange darauf vor und dann isses ruckzuck vorbei.
Enttäuscht haben mich auch die Bösewichte ( Prinz Lorcan alias Annwyls Bruder und sein höfischer Schwarzmagier ). Abgesehen davon, daß nix über den Charakter des Bruders verraten wird - ausser daß er Frauen offenbar abgrundtief hasst - so sind mir seine Motive völlig schleierhaft. Ebenso die des Schwarzmagiers, welcher zudem nicht das ist was er zu sein scheint. Doch wieso lassen sie speziell Hexen brandmarken ( Magier aber nicht, obwohl auch deren Macht ihnen doch gefährlich werden könnte ) und worauf baut ihre Zusammenarbeit eigentlich auf? ( Annwyl mutmaßt gehässig, daß sie intimer Natur ist, aber das kommt mir gar nicht so vor ). Dieses mangelhafte Wissen über die Schurken wirkt jedenfalls ziemlich störend.
Seltsam fand ich ausserdem die oft verwendete Bezeichnung "magick" ( mit "k" statt dem üblichen "magic" ). Ich habe nachgeforscht und über den Sinn dieser altertümlichen Schreibweise gelesen. *hüstel* Ich geb's hier lieber nicht wieder, aber wer Interesse hat, kann bei wikipedia nach "Magick" suchen.
Ach ja. Die Hauptstory erfasst nur 2/3 des Buches. Der Rest ist mit einer "Kurz"Geschichte gefüllt, die darüber Aufschluss gibt, wie sich die Drachenkönigin Rhiannon und ihr Gemahl Bercilak kennen- und liebenlernten. Ziemlich schräg kann ich nur sagen ( besonders die Verhaltensweise zwischen der Altkönigin und der Prinzessin, welche doch Mutter und Tochter sind ).
Ein Folgeband ist bereits erschienen und handelt vom zweiten Bruder, dem hochnäsigen Silberdrachen Breic und einer menschlichen Hexe ->
About a Dragon. Demnächst kommt auch ein dritter Band mit dem Weiberhelden ... äh goldenen Drachen Gwenvael und einer eiskalten Nobelfrau heraus ->
What a Dragon Should Know. Nun, da es weitere Geschwister gibt, schätze ich, daß noch weitere 3 Bände erscheinen werden. Dann dürften endlich "alle Farben" abgedeckt sein ( ein blauer Drache, eine weisse und eine rote Drachin ).
Fertich ist die Drachenfamilien-Saga! ^^
FAZIT:
Wer "paranormal romance" ( mit viel Sex, Gewalt und unflätigen Ausdrücken ) mag, der kann ruhig zu "Dragon Actually" greifen! Ich behaupte mal, auch zur gesamten "Dragon Kin"-Reihe ( zum Glück sind die Bände relativ günstig ).
Vor allem die Fans der 8-bändigen "Sons of Destiny"-Reihe von Jean Johnson dürften auch diese Buch-Reihe hier mögen.
PS:
Andere "paranormal romance" Romane vom ähnlichen Schlag ->
(1)
The Sword ( Sons of Destiny, book 1 ) von Jean Johnson ... oder die deutsche Version
Die Söhne der Insel ( bald auch als TB )
(2)
The Dark One ( Wild Wulfs of London, book 1 ) von Ronda Thompson ... oder die deutsche Version
Versuchung der Finsternis ( mit einem selten unpassenden Cover )
Grossartiges Werk der "paranormal romance" ->
Lord of the Fading Lands ( Tairen Soul, book 1 ) von C.L. Wilson ... oder die deutsche Version
Im Bann des Elfenkönigs ( mit ebenfalls blöden Cover und dazu noch Titel )
In den Kommentaren steht der Link zur HP der Autorin!