Anfang der 70 Jahre zeichnete sich das traurige Ende des altehrenwürdigen Hammerstudios langsam ab. Das Studio das solchen Klassiker wie Dracula und Frankenstein Farbe und neues Leben gegeben hatte und für einige Zeit die Nummer eins beim angenehm schaurigen „Gothic Horror" war, versuchte nun das junge Publikum mit viel nackter Haut und literweise ostereierroten Filmblut ins Kino zulocken.
Meist mit wenig Erfolg; was allerdings bei bedenklichen Werken wie "Dracula a.d 1972"(groovy,man! Christopher Lee im London der Hippieära!) und "Comtesse des Grauens" (uiih! Ingrid Pitt nackig mit Badeschwamm in einem Bottich voll Blut, und sonst nur Langeweile ) nicht zu verwundern darf.
"Twins of evil" wiederum schafft gerade mal noch den Balanceakt zwischen klassischen Gruselfilm und modernen Sex und Gewaltdurchzogenen Horrorstreifen. Vor allen dank einem überragenden Peter Cushing in einer großartigen Rolle wird aus „Twins of evil" der wahrscheinlich letzte große Vampirfilm aus den Hause Hammer.
Die Handlung ist bekannt; Zwillingsschwestern, die eine lieb, brav und nett, die andere ungezähmt, rebellisch und aufmüpfig werden nach den Tode ihrer Eltern zu ihren Onkel Gustav Weil geschickt. Der wiederum ist ein eher schwieriger Zeitgenosse, ein religiöser Fanatiker, der einer Verbindung der „Bruderschaft" vorsteht, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die Welt vor allen Bösen zu befreien. Da allerdings der ansässige Graf Karnstein, Onkel Gustav offensichtlich ein Dorn im Auge und ein ganz ein schlimmer Finger, da er regelmäßig Teufelsmessen abhält, über dem Gesetzt steht, begnügt sich die „Bruderschaft" die meiste Zeit damit mit dem Teufel in Verbindung stehende verdächtige Personen, meist junge und hübsche Frauen zu verfolgen um sie auf dem Scheiterhaufen abzufackeln. Graf Karnstein, der so gerne wirklich böse sein möchte, ist echt sauer darüber, das sein Kontrahent unter der weiblichen Bevölkerung mehr Schaden anrichtet als er selbst und ist überglücklich als nach einer schwarzen Messe seine Ahnin Mircalla erscheint und ihn zum Vampir macht!
Mit Hilfe von Gustavs Nichte (der bösen, wilden) will er Angst und Schrecken verbreiten. Der Mistkerl!
Die Besetzung ist wie in den meisten Hammerfilmen sehr gut; vor allen in den Nebenrollen brillieren wieder klassisch ausgebildete Theaterleute wie Dennis Price und Kathleen Byron.
Die Zwillinge Mary und Madeleine Collinson geben das titelgebende Schwesternpaar. Ich behaupte mal ganz frech, das sie eher aufgrund der Tatsache, das die beiden als Playmates des Monates Aufsehen erregten, gecastet wurden und nicht wegen ihrer schauspielerischen Fähigkeiten. Allerdings finde ich den genialen Regieeinfall beide in extrem tief dekolltierte Kleider zu stecken um von ihrer mangelnden Filmerfahrung abzulenken großartig!!
Damien Thomas der im Filmtrailer als Hammers neuer „Meister des Makabren" angekündigt wird wirkt allerdings im direkten Vergleich zu Großmeister Christopher Lee fast so gruselig wie Schnappi, das kleine Krokodil. (Zitat. „Join your sister! Gnnaggggrrrnhaha!). Allerdings ist sein treuergebener farbiger Sidekick namens Dietrich (!!!) supercool!
Letztendlich gehört der Film nun mal allein Peter Cushing! Unglaublich wie er es schafft das man mit diesen bornierten und gefährlichen Gustav Weil in einer Szene fast Mitgefühl hat, wenn er an seiner Weltordnung zu zweifeln beginnt und sagt : „... Ich habe immer nur versucht ein guter Mensch zu sein ..." Cushings Weil ist eine Mischung seiner besten Hammerrollen; ein monsterjagender logischer Intellektueller a la Van Helsing und ein von sich selbst überzeugter Gewaltmensch wie sein Frankenstein. Keine Frage allein wieder mal den großartigen Peter Cushing zu stimmungsvoller Musik mit einer Fackel in der Hand hexenjagend durch einen dunklen Wald reiten zu sehen berechtigt den Kauf dieser DVD! Zugreifen!
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