Natürlich handelt es sich bei "Dracula" schlichtweg um DEN Klassiker unter den Vampirromanen, aber meiner Meinung nach ist dieses Buch dennoch stark überbewertet. Interessant ist sicherlich der Erzählstil, der sehr ungewöhnlich ist. Es gibt keinen Erzähler, sondern die Handlung wird mithilfe von Tagebucheinträgen der Hauptfiguren, Briefen, Telegrammen oder Zeitungsartikeln erzählt. Die vielen Charaktere und wie sie im Verlauf der Handlung zusammengeführt werden ist ein weiterer Pluspunkt, denn das ist wirklich hochinteressant. Auch die Beschreibung der Landschaft Transilvanniens ist sehr genau.
Doch auch wenn der Roman seine guten Seiten hat und vor allem sehr spannend beginnt, handelt es sich hier doch um eine relativ schlichte Horrorgeschichte. Die edlen, selbstlosen Helden bekämpfen das schreckliche Monster Dracula. Nun, sicherlich ist das für eine Horrorgeschichte im Grunde normal, doch so glatte Helden sind meiner Meinung nach einfach langweilig. Vor allem stört auf Dauer die allzu pathetische Sprache, mit der sich die Charaktere immer gegenseitig loben und bewundern, auch wenn das wahrscheinlich die zu der Zeit übliche Sprache war.
Am interessantesten ist das Buch wahrscheinlich für Leute, die sich für Psychologie interessieren. Denn wenn man sich vor Augen führt, wie viele Szenen es in diesem Roman gibt, die unterschwellig auf Sex hindeuten und sich gleichzeitig überlegt, was für ein prüder Mann Bram Stoker angeblich war (auch wenn er an Syphilis gestorben ist), dann kann man dies sicher als geheime Wünsche deuten. Aber das ist ein anderes Thema.
Man sollte dieses Buch sicherlich einmal lesen, da es sich schließlich um einen Klassiker handelt und ich will auch zum Schluss noch erwähnen, dass meine Rezension sicherlich dahingehend ein bisschen unfair ist, da es sich um ein Buch aus dem späten 19. Jahrhundert handelt und damals Romane einfach noch anders geschrieben wurden. Doch ich kann es natürlich nur aus heutiger Sicht beurteilen und dann hat es nur zwei Sterne verdient.