Aus einer Laune heraus bewarb sich die Journalistin Kerstin Tomiak auf eine Stellenanzeige bei der ISAF, der Internationalen Friedenstruppe in Afghanistan. Als sie tatsächlich eine Zusage bekam, packte sie, trotz der Warnungen ihrer Freunde und ihrer eigenen Bedenken, die Koffer und reiste nach Afghanistan. Was sie in dem fremden Land vorfand, beschreibt sie sehr warmherzig und mit viel Liebe und Respekt in ihrem Buch Drachenwind".
Ihre erste Station ist Kabul, von wo sie allerdings bald an ihren Bestimmungsort Kunduz weiterreist. Sie lebt zwischen, fast ausschließlich männlichen, Soldaten und Zivilangestellten in einem Lager. In ihrer Eigenschaft als Journalistin bereist sie das Land, lernt Einheimische kennen und schließt Freundschaften. Sie beschreibt, wie die verschiedenen Organisationen, wie z.B. die Bundeswehr oder die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) helfen, zeigt aber auch auf, dass trotz der Hilfe die Missstände noch groß sind.
Neben harmonischen und schönen Begebenheiten lässt die Autorin auch die schrecklichen Momente ihres Aufenthalts nicht unerwähnt. Bei einem Selbstmordattentat kommen deutsche Soldaten ums Leben. Ich finde es sehr wichtig, dass sie auch diese Seiten des Landes beschreibt.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Tatsache, dass sie unsere westliche Lebensart nicht als die einzig richtige" sieht, sondern durchaus auch hinterfragt und mit der Lebensweise der Afghanen vergleicht. Der Zusammenhalt in der Familie und unter Freunden ist in Afghanistan z.B. sehr viel größer als in Deutschland und anderen westlichen Ländern.
Es gibt zwei Abschnitte mit Fotos, die einen Einblick in das Leben der Afghanen ermöglichen. Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar, das die Fachausdrücke der einzelnen Organisationen erklärt. Diese werden jedoch auch im Text schon ausreichend erläutert.
Dieses Buch hat mich tief bewegt. Ich muss zugeben, dass auch ich zu den Menschen gehörte, für die Afghanistan mit seinen Menschen und Problemen weit weg" war. Die Autorin hat mich an die Hand genommen und mir Land und Leute näher gebracht.
Nach einem Jahr kehrt Kerstin Tomiak, wie vereinbart, nach Deutschland zurück. Als jedoch erneut ein Stellenangebot kommt, packt sie wieder ihre Koffer und reist erneut nach Afghanistan. Um mehr über die Autorin und ihr Wirken zu erfahren, empfehle ich einen Besuch auf ihrer Website. Eine Leseprobe findet man auf der Seite des Verlages.
Fazit: Dieses Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich kann es jedem empfehlen, der einmal einen Blick über den eigenen Tellerrand wagen möchte.