Ich bin ein großer Fan von Anne McCaffrey und ihrem Drachenreiter-Zyklus. Ihr Schreibstil hat mich in jungen Jahren völlig in den Bann gezogen und noch heute, wenn ich nach Jahren die Bücher aus dem Regal hole, haben ihre Geschichten nichts an Faszination und Magie für mich verloren. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, als ein neues Buch erschien. Über den Co-Autor, ihren Sohn Todd McCaffrey, habe ich mir weniger Gedanken gemacht.
Leider merkt man jedoch schon auf den ersten Seiten, dass hier nicht nur Anne McCaffrey am Werke war. Wirklich, wirklich schade!!! Die Geschichte spielt 16 Planetenumdrehungen vor dem zweiten Vorbeizug des roten Sterns. In einer kleinen Bergbausiedlung geschieht ein schrecklicher Unfall und Kindan verliert seinen Vater, dessen Wachwher und seine Geschwister. Dennoch benötigt die Siedlung dringend einen Wachwher um den Kohleabbau gewinnbringend und risikolos weiter zu betreiben. Sämtliche Hoffnungen werden auf den jungen Kindan übertragen, da alle denken sein Vater hätte ihm im Umgang mit Wachwheren alles beigebracht. Bei der Aufzucht hilft ihm das blinde Mädchen Nuella, die im Verborgenen und versteckt vor allen anderen lebt.
In diesem Roman geht es zum Großteil nur um das Alltagsleben der Bewohner auf Pern und ihre Bemühungen sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Drachen kommen nur am Rande vor. Das wäre auch alles nicht so schlimm, da die verwandten Wachwhere ein bisschen ins Rampenlicht gerückt werden. Dennoch sind die Figuren leider sehr flach. Der junge Kindan ist erst elf oder zwölf Planentenumdrehungen alt und doch habe ich ihn mir in meinen Gedanken oft älter vorgestellt. Das Gleiche gilt für Nuella. Und das Versteckspiel um Nuella und ihre Blindheit ergibt für mich leider nicht wirklich Sinn. (Wenn man bedenkt, dass fast 2200 Planetenumdrehungen später Oldive Meisterheiler seiner Zunft ist, trotz seiner Gehbehinderung und das auch noch in einer Gesellschaft, die wahrscheinlich noch engstirniger ist, wie zum Zeitpunkt von Nuella!)
Und man bedenke weiter, dass "Drachenauge" etwa zur gleichen Zeit spielt und man erst da das ganze Schulsystem erneuert, es noch keine Zünfte gibt und es in "Drachenwege" noch gar keine Meisterharfner geben kann.
Dennoch hat sich diese Buch in meinen Augen drei Sterne verdient, da es nun mal ein Drachenreiter-Roman ist und in meine Sammlung gehört und man zeitweise den Hauch von Anne McCaffrey verspürt.
Für jeden der die Drachenreiter noch nicht kennt, würde ich jedoch empfehlen mit einem anderen Buch zu beginnen. "Die Welt der Drachen" oder "Der weiße Drache" wären für den Einstieg in diese unglaubliche Welt besser geeignet.
Bleibt nur zu hoffen, dass Todd McCaffrey sich die Bücher seiner Mutter nochmal genau durchliest und sich mehr Mühe gibt ihr Niveau zu erreichen!