Der Roman "Drachenspiele" von Jan-Philipp Sendker, der an das Buch "Das Flüstern der Schatten" anknüpft und der den zweiten Teil einer geplanten Triologie darstellt, hat mich sehr berührt und zwar nicht nur durch seine Handlung, sondern auch durch die gefühlvolle Sprache, derer sich der Autor bedient. Dass Jan- Philipp Sendker von Haus aus Journalist und Asienkorrespondent ist, spürt man deutlich, da die kulturellen Hintergründe sorgfältig und liebevoll recherchiert sind. Der Roman eröffnet dem Leser viele wertvolle Einblicke in die chinesische Kultur und den Alltag der Chinesen.
Die beiden Hauptcharaktere sind Paul Leibovitz und die Hongkong- Chinesin Christine Wu. Paul, der sich nach dem Tod seines Sohnes auf die Insel Lamma zurückgezogen hatte, hat sich zwischenzeitlich in Christine verliebt und möchte mit ihr zusammenleben. Christine lehnt allerdings Pauls Wunsch plötzlich ab, nachdem sie eine erschreckende Prophezeiung von einem Wahrsager erhalten hat, die ihrer Meinung nach Paul in Lebensgefahr bringen könne. Paul muss zunächst über Christines Affinität zum chinesischen Aberglauben schmunzeln, bis er durch die turbulenten Ereignisse doch ins Grübeln gerät.
Die beiden Protagonisten führen den Leser auf das chinesische Festland, nachdem Christine unerwartet einen Brief von ihrem, während der Kulturrevolution verschollenen, Bruder Da Long erhalten hat. Nach ersten Bedenken Christines begleitet Paul seine Lebensgefährtin in das Dorf in der Nähe von Shanghai, wo der Bruder mit seiner kleinen Familie lebt und in dem Menschen und Tiere auf unerklärliche Weise sterben. Die Begegnung der beiden Geschwister ist sehr bewegend, denn sie verstehen sich nicht, da sie unterschiedliche Sprachen sprechen: Christine, die mit ihrer Mutter während der Kulturrevolution vom Festland nach Hongkong geflohen ist, spricht lediglich Kantonesisch und Englisch, der Bruder hingegen spricht nur Hochchinesisch. So erweist es sich zunächst scheinbar als vorteilhaft, dass Paul sie begleitet hat und als Übersetzer zwischen beiden vermitteln kann bis zu dem Zeitpunkt, in dem die Prophezeiung wahr zu werden scheint und Paul tatsächlich in Lebensgefahr gerät...Ob es ein Happy End für die Beteiligten gibt, sei hier nicht verraten.
Alles in allem eine wirklich spannende Geschichte, die zwei wichtige chinaspezifische Themen aufgreift, an die der Leser herangeführt wird: Zum einen die chinesische Kulturrevolution und ihre weitreichenden Folgen und zum anderen die aktuelle Umweltproblematik im Reich der Mitte. Für alle, die mehr über die chinesische Kultur erfahren möchten, ein sehr empfehlenswertes Buch. Ich selbst freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung des Romans!