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Drachensaat
 
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Drachensaat (Gebundene Ausgabe)

von Jan Weiler (Autor)
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

Leseprobe: Jetzt reinlesen [117kb PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Kindler Verlag GmbH (29. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3463405393
  • ISBN-13: 978-3463405391
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,6 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 39.020 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Literaturtest.de

Interview mit Jan Weiler

Seine Antoniogeschichten über die italienische Familie, in die er einheiratete, sind legendär. Jetzt wagt er sich auf ein neues Terrain und erzählt die irrwitzige Geschichte von fünf Außenseitern, die nicht mehr funktionieren wollen und gemeinsam ein großes Fanal planen. Im Amazon.de-Interview verrät er mehr über seine tragischen Helden, die Sehnsucht nach medialer Aufmerksamkeit und sein nächstes Buchprojekt.

Frage: Der Psychiater Dr. Zens schart fünf Patienten um sich, darunter ein Postbote, der Briefe zu Hause hortete, oder ein Busfahrer, der irgendwann an keiner Haltestelle mehr hielt und einfach weiterfuhr, bis der Tank leer war. Woher rührt Ihr Interesse an Menschen, die an den Punkt kommen, sich zu verweigern, alles hinzuwerfen?

Jan Weiler: Es geht bei mir immer um Außenseiter. Antonio war einer, der Lesereisende aus dem Tagebuch „In meinem kleinen Land" ebenfalls und sogar Adrian, die Hauptfigur aus „Gibt es einen Fußballgott" ist ein Außenseiter. Mich interessieren solche gescheiterten Figuren einfach. Sie inspirieren mich mehr, als ein Held das könnte. Eigentlich sind sie meine Helden.

Frage: Ist diese Drachensaat - um bei der griechischen Mythologie zu bleiben - die Nemesis der Mediengesellschaft?

Jan Weiler: Naja. Sie möchte es vielleicht gerne sein, aber dafür ist diese Trümmertruppe viel zu ohnmächtig. Aber immerhin weisen die Mitglieder der Drachensaat-Gruppe auf viele Schwächen der Gesellschaft hin. Mehr kann man heute kaum erwarten.

Frage: Dr. Zens' Auserwählte unternehmen eine irre Kommandoaktion. Denken Sie hier die Gesetze medialer Aufmerksamkeit einfach nur konsequent zu Ende?

Jan Weiler: Vielleicht, ja. Es ist tatsächlich so, dass in vielen Fällen von kurzzeitiger Prominenz wirklich nur noch die mediale Präsenz zählt. Die hat zwar überhaupt keinen Wert an sich, wertet aber das Ego unglaublich auf. Sonst würden sich nicht so viele junge Menschen bei „Deutschland sucht den Superstar" bewerben. Oder nehmen Sie die beiden Geiselnehmer von Gladbeck, Rösner und Degowski. Die hatten keinerlei Fluchtchance, inszenierten sich aber spätestens am zweiten Tag wie Medienprofis. Wahrscheinlich ging es ihnen unterbewusst um diese Art der Aufmerksamkeit.

Frage: Wie in Ihren früheren Büchern können sich die Leser auf den typischen Weilerschen Wortwitz und den besonderen Sinn für skurrile Situationen freuen. Verfahren Sie da nach dem alten Valentin-Diktum, man solle das Leben nicht so ernst nehmen, wie es ist?

Jan Weiler: Man muss es schon ernst nehmen, aber man sollte es nicht ernst schildern. Wenn ich ein ernstes Anliegen habe, muss ich es so unterhaltend wie möglich präsentieren, sonst will es keiner lesen. Das ist wie bei der Schluckimpfung: Man muss das Bittere im Süßen verpacken. Ich sehe das absolut als meine Aufgabe an, als Aufgabe von Schriftstellern überhaupt.

Frage: Woran arbeiten Sie zurzeit? Ist schon spruchreif, was Jan Weiler als Nächstes vorlegt?

Jan Weiler: Im Moment arbeite ich mit dem Illustrator Ole Könnecke an einem Kinderbuch. Das wird also wieder was ganz anderes. Ich habe es meinem kleinen Sohn versprochen, weil er sich beklagt hat, dass ich immer nur Erwachsenensachen mache und nie etwas für ihn. Diese Lücke wird nun geschlossen.

Die Fragen stellte Henrik Flor, Literaturtest




Kurzbeschreibung

Benno Tiggelkamp hat Mist gebaut. Diesmal so richtig. Und ist erwischt worden. Deshalb sitzt er jetzt beim Heiner und soll reden. Benno weiß auch nicht, wozu das gut ist. Aber er wird ja nicht gefragt. Der Psychotherapeut Dr. Heiner Zins glaubt fest an seine Entdeckung einer Zivilisationskrankheit. Deshalb lässt er zu Forschungszwecken sechs schwere Fälle in seine Klinik verlegen. Die Sitzungen des Arztes erzeugen bei den Patienten nicht nur ein bisher ungekanntes Selbstbewusstsein, sondern bald auch den Wunsch nach Ruhm und Anerkennung. Schnell verliert der ehrgeizige Arzt die Kontrolle und kann nicht verhindern, dass die Gruppe ausbricht ... -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

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96 von 105 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Empfehlenswert, 5. September 2008
Von nwitt "nwitt" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REVIEWER)   
Drachensaat ist das neue Buch von Jan Weiler, der bekannt wurde durch die Bücher "Maria, ihm schmeckts nicht" und "Antonio im Wunderland".

Mit seinem neuen Buch geht er in eine etwas andere Richtung. Wer ähnliches erwartet wie die beiden ersten Bücher, wird nicht auf seine Kosten kommen. Wer aber Jan Weilers Stil schätzt und wer bereit ist, sich auf etwas ganz anderes einzulassen, dem könnte Drachensaat gefallen. Bei mir war es so.

Bernhard Schade erzählt im ersten Teil des Buches über sein Leben. Als Architekturstudent hat er seine Frau kennengelernt und wurde früh Vater eines behinderten Sohnes, Udo. Der Junge leidet an Trisomie 21, womit Schade nicht zurecht kommt. Er betrügt jahrelang seine Frau und kümmert sich notgedrungen um seinen Sohn, bis seine Welt gänzlich zerbricht und er als Säufer endet und von Hartz IV leben muss.
Auf tragische Weise will er seinem Leben ein Ende setzen, das funktioniert nicht wie geplant und somit landet Schade in der Psychiatrie. Aus dem Landeskrankenhaus führt ihn sein Weg in eine Villa, in der ein Arzt Forschungen betreiben will zum sog. Zens-Syndrom.

Für diese Studien hat er fünf psychisch kranke Personen ausgewählt, die nach und nach zu ihm stoßen.
Alle sind gescheiterte Existenzen, die Schuld soll aber lt. Zens nicht bei ihnen liegen sondern in der Gesellschaft zu finden sein. Durch Respektlosigkeit und Unhöflichkeit wurden die Leute dahin getrieben, wo sie sich jetzt befinden.

Neben Schade findet sich im Haus "Unruh" Rita Bauernfeind ein, die im Internet bekannt ist als "fette Frau, die Luft isst", sie hat in den vergangenen Monaten über 200 Kilo Körpergewicht verloren. Durch Radio- und Fernsehempfang in ihrem Kopf wurde ihr Verhalten etwas seltsam, so hat sie ihren Job verloren und endet ebenfalls in der Psychiatrie.

Der dritte im Bunde ist Ünal Yilmaz. Er ist ein klagefreudiger Endreißiger, schwuler Türke, weiß sich sprachlich gewandt auszudrücken und verklagt wegen jeder Kleinigkeit seine Mitmenschen, die Ämter, öffentliche Personen.
Fast von den Mitmenschen, die immerzu unhöflich und frech zu ihm waren, in den Wahnsinn getrieben, missbraucht er seine Stellung als Busfahrer und fährt irgendwann, als ihm der Kragen platzt, mit einem Bus samt Fahrgästen so lange ohne Stopp bis der Tank leer ist. Auch er wird nach dieser Aktion in ein Landeskrankenhaus eingewiesen.

Nach einiger Zeit kommen nun noch Arnold und Benno in die Villa Unruh. Arnold hat vor allem und jedem Angst und konnte eines Tages seinen Beruf als Postbote nicht mehr ausüben. In seinem Haus wurden Huntertausende von Briefen gefunden, die nicht zugestellt werden konnten, weil Arnold Angst hatte und sie bei sich zu Hause deponiert hat, bis die Statik des Hauses nachgab und es einzustürzen drohte.

Benno hat neun Jahre mit seiner toten Mutter im Haus gelebt. Er ist aufgeflogen, als der Pfarrer der Mutter zum 90. Geburtstag gratulieren wollte.

Diese Gruppe hat sich also bei Dr. Zens eingefunden und hofft, von ihm geheilt werden zu können. Es finden Gesprächte statt, es müssen Aufgaben gelöst werden.

Dr. Zens gibt der Gesellschaft die Schuld an der Krankheit seiner Schützlinge. Eine Gesellschaft, die verroht und die Schwachen verstößt, ihnen keine Möglichkeit gibt, am Leben teilzuhaben. Das soll sich ändern. Aus den Teilnehmern der Studie sollen Mitglieder der Gesellschaft gemacht werden. Wobei eigentlich die Gesellschaft geändert werden soll. Die Gruppe hat die Fiktion eine bessere Welt, eine bessere Gesellschaft zu erschaffen. Es soll mehr Höflichkeit und Respekt im Umgang miteinander geben, jedes Individuum soll seinen Platz in der Gesellschaft finden. Mit dieser Vorstellung steigert sich die Gruppe, die sich bald aus gegebenem Anlass "Drachensaat" nennt, in eine Idee, die bald nicht nur mehr nur theoretisch existiert sondern auch in die Praxis umgesetzt werden soll, was nicht ohne immense Folgen bleibt.

Jan Weiler greift mit seinem Buch ein kritisches Thema auf. Ob der Leser es als Gesellschaftskritik oder humoristisches Hingespinst aufgreift, bleibt jedem selbst überlassen. Mir hat Drachsensaat außerordentlich gut gefallen. Obwohl ich bisher alle Bücher von Jan Weiler sehr genossen habe und auf ein neues lange gewartet hatte, bin ich recht unvoreingenommen an die Geschichte gegangen. Der Stil Weilers ist der gleiche gelieben. Es geht trotz aller Ernsthaftigkeit des Themas durchaus humorvoll zu, ohne albern zu werden. An manchen Stellen musste ich laut lachen. Aber auch zum Nachdenken regt das Buch ununterbrochen an.

Weiler übt Kritik an der Politik, der Witschaft, an den Medien und am Volk. Durch Brot und Spiele kurz vor der totalen Verdummung, interessiert sich niemand mehr wirklich dafür, was aus dem Einzelnen wird, man plappert Parolen nach ohne selbst nachzudenken, und wieviel einfacher ist es doch, sich durchs Leben zu schmarotzen und auf diejenigen zu schimpfen, die mehr erreicht haben, weil sie mehr Leistung bringen, und man selbst auf der Strecke bleibt - im festen Glauben daran, die anderen seien schuld nur nicht man selbst, anstatt sein Leben in die Hand zu nehmen und wirklich etwas zu ändern.

Ich habe das Lesen sehr genossen. Nicht nur die verschiedenen Lebensgeschichten, die Weiler sich hat einfallen lassen, haben mich beeindruckt, auch die unterschiedlichen Ansichten- jeweils so rübergebracht, dass man beide Seiten verstehen kann: die "Ausgestoßenen" ebenso wie die verhasste Gesellschaft.

Drachensaat befriedigt auf jeden Fall denjenigen Leser, der Jan Weiler im Allgemeinen mag. Wer eine weitere Antonio-Story erwartet, wird aber bitter enttäuscht sein.

Ich verstehe Drachenstaat durchaus als einen Spiegel der Gesellschaft... und empfehle es in jedem Fall weiter.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wir schreiben das Jahr 2009 ..., 2. Oktober 2008
... damit ist klar: Es handelt sich um eine fiktive Geschichte. Und doch wieder nicht, denn die Protagonisten, die wir in diesem Roman kennenlernen, sind uns aus den Medien bestens bekannt. Menschen, deren Handlungsweisen wir nicht nachvollziehen können, die wir für "bekloppt, irre oder kriminell" halten - eben die Drachensaat.
In Jan Weilers Roman erfahren wir über sie, was uns Presse und Fernsehen vorenthalten, und entwickeln sogar Sympathien oder wenigstens Empathie.

Jan Weiler spielt geschickt mit den Perspektiven. Und mit seinen Lesern. Denn wer sich gefreut hat, dass der altbekannte Benno Tiggelkamp das Szenario betritt und sich sicher wähnt, dass es schon bald den Schenkelklopfer gibt, wird enttäuscht. Nicht dass sich Benno geändert hätte - wir lernen nur einfach eine andere Seite von ihm kennen.

Das soll nicht heißen, dass es in diesem Buch nichts zu lachen gibt. Doch hier ist Weilers Humor feiner als in den vorangegangenen Werken und verlangt vom Leser eine Portion Selbstironie.

Im letzten Drittel des Romans stellt Jan Weiler sein herausragendes journalistisches Können unter Beweis, indem er die Story quer durch alle einschlägigen Medien interpretiert. Spätestens hier wird dem Leser klar, wie er tagtäglich in seiner Meinungsbildung manipuliert wird.

Die "Drachensaat" empfehle ich uneingeschränkt jedem weiter, der sich beim Lesen nicht nur hemmungslos amüsieren will, sondern auch etwas über unser Kommunikationsverhalten und unsere Urteilsbildung erfahren möchte.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten., 30. September 2008
Nichts anderes macht Jan Weiler in diesem angenehm unkonventionellen Roman. Obgleich alles frei erfunden ist, erkennt man an vielen Stellen tatsächliche Ereignisse und Gegebenheiten. Es finden sich zahlreiche Parallelen zwischen realen Personen, Fernsehsendern und Programmen sowie aktuellen Problemen. In vielerlei Hinsicht reflektiert das Buch Ereignisse aus den Jahren 2007 und 2008.

Der Aufbau des Romans ist sehr untypisch aber fesselnd - nicht zuletzt wegen des gut struktureierten Perspektivenwechsels. Die Ereignisse werden chronologisch zunächst von der Romanfigur Bernhard Schade (Mitglied der Drachensaat-Gruppe), dann von Martin Barghausen ("Opfer" der Drachensaat) und im dritten Kapitel in Form einer Presse- und Medienschau erzählt.
Jan Weiler regt mit diesem Buch zum Nachdenken an; über die vermeintlich moderne Gesellschaft und über Menschen, die scheinbar keinen Platz darin haben. Er skizziert viele bekannte Positionen und wiegt diese gegeneinander auf indem er sie durch seine Figuren personifiziert und diskutieren lässt. Er erzählt im Grunde genommen nichts Neues und das ist auch gar nicht nötig, denn gerade weil er es auf so eindrucksvolle Weise schafft, dieses scheinbar zur genüge Bekannte in einen direkten Zusammenhang zu setzen, ist "Drachensaat" ein außerordentlicher Roman.

Hinzu kommt der aus "Maria ihm schmeckt's nicht" und "Antonio im Wunderland" amüsante Schreibstil. Tatsächlich findet sich sogar ein "alter Bekannter" wieder.

Insgesamt ist "Drachensaat" ein wirklich lesenswerter und anregender Roman, den man getrost immer wieder zu Hand nehmen kann, um sich vor Augen zu führen, in was für einer Gesellschaft wir heute leben.
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4.0 von 5 Sternen Drachensaat
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