Melanie Rawn Das Gesicht im Feuer
Pro: durchdachte Story, sehr detailreich, intelligente Koryphäen
Kontra: wenig Spannung
Prinz Zehava, Herrscher eines großen Wüstenstaates, reitet zur Drachen-Jagd. Zu seinen Begleitern gehört sein Stiefsohn, Chay. Im Gegensatz zu jenem teilt er Zehavas Jagdleidenschaft. Rohan dagegen, sein Sohn und rechtmäßiger Nachfolger, beschäftigt sich lieber mit Büchern und hat bisher noch an keiner Jagd teilgenommen. Wird er, wenn die Zeit für ihn reif ist, in der Lage sein, das Wüstenreich vor den Feinden zu schützen?, überlegt Zehava und ... bezieht Stellung vor dem alten Drachen. Da gerade Paarungszeit ist, hört man die verunsicherten, klagenden Schreie der zahlreichen Drachen-Weibchen, die auf ihren noch unbefruchteten Eiern hocken. Und zwar ist Zehava ein passionierter Jäger - neun Drachen hat er bisher erledigt. Doch dient die Drachenjagd auch der Vorbeugung der Gefahren, die durch Drachen ausgehen; so greifen diese z.B. Karawanen an und machen den Bauern zu schaffen. Zudem steigt ihre Zahl von Jahr zu Jahr, obwohl sie unbarmherzig gejagt werden.
Ortswechsel. Der tödlich verwundete Zehava wird in die Burg gebracht ... und stirbt 6 Tage später. Rohan wird Prinz.
Unterdessen hat seine Tante - Vorsteherin der Schule der Göttin, in welcher die Lichtläufer ausgebildet werden, gehandelt. Um den politisch motivierten Werbeversuchen anderer Prinzen zuvorzukommen, die kraft einer Ehe Rohans mit einer ihrer Töchter ihre eigene Macht stärken würden, sucht ihm die stolze und kluge Andrade seine Zukünftige kurzerhand selbst aus. Nur ist Sioned eine Lichtläuferin, eine von Andrades Schülerinnen, die magische Fähigkeiten besitzt (kann z.B. die „Sonnenwellen" anzapfen und so mit anderen Lichtläufern in Verbindung treten). In Rohans Augen eine Hexe!
Und da ist noch Roelsta, ebenfalls Prinz, der 17 Töchter hat, machthungrig und zu allem entschlossen ...
Und da sind noch seine Töchter, die vor nichts zurückschrecken, um ihren Status und ihre Macht aufrechtzuerhalten ...EIGENE MEINUNG
Trotz des durchdachten Plots und Rawns literarischer Qualitäten hatte die Story für mich etwas Schweres, Ermüdendes. (Sie ist jedoch nicht langweilig.) Ähnlich den Dune-Romanen, ist die Story sehr personen-lastig, heißt im Klartext: ihnen wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, um sie plastisch erscheinen zu lassen; ihre Charakterstärken und -schwächen werden geschliffen, ihr Auftritt bewertet, aus ihren Bewegungen und Äußerungen gelesen etc. (Theodor Fontane würde sich daran laben.)
Der Handlungsspielraum der Agierenden wird diskutabel vermessen und deren nächste Schritte am runden Tisch (und hinter vorgehaltener Hand) entschieden; so daß der Handlung an sich letztendlich nur das „so wird es geschehen" bleibt. Freunde der Action-Fantasy kommen also nicht auf ihre Kosten. Als honorierender Hohlbein-Leser habe ich diese Action stark vermißt.
Nichtsdestotrotz ist diese Reihe keine 08/15-Fantasy und wird so manchen Freund epischer Fantasy in seinen Bann ziehen.