"Drachenpfade" ist ein Gemeinschaftswerk von Sergej Lukianenko und Nick Perumov, wobei man sich natürlich streiten kann, wie viel jeder zum Entstehen des Buchtitels beigetragen hat. Doch diese Überlegungen sind müßig, da den Leser ein fantastischer und realistischer Roman erwartet, der genau die richtige Mischung aus Humor, Realität und Spannung enthält. Die Hauptfigur sticht dabei besonders heraus. Viktor erlebt alle seltsamen Ereignisse mit einer Spur Interesse, dennoch wirkt es, als passe er sich recht schnell an, indem er die ganze Welt lediglich als verschobene Version der Realität betrachtet. Abgesehen von ihm ist besonders der ehemalige Drachentöter, der Luftmagier Ritor, mit einem besonderen Charakter versehen, da er den größten Widersacher darstellt. Alle anderen Personen bleiben immer ein wenig im Dunkeln.
Gespannt verfolgt man als Leser die gefährliche und spannende Reise Viktors durch die Mittelwelt. Indem man immer wieder Einblicke in die Pläne der rivalisierenden Parteien erhält, wird die Erzählung noch spannender, da man im Voraus weiß, welche Gefahren und Fallen warten, und erfahren will, wie und ob die Hauptfigur entkommen kann. Sehr schön hebt sich der Roman auch von anderen Büchern des Genres ab, indem er eigene Pfade beschreitet und alle Klischees gekonnt zu umschiffen vermag. Denn auch wenn der Außenseiter, der in diese Welt gerät, ein schlummerndes Erbe in sich trägt, wird er dennoch nicht zur Heldenfigur, ebenso wenig wie er mit seiner hübschen und weiblichen Begleiterin eine Liebesgeschichte beginnt. Zwar werden dadurch die Erwartungen mancher Leser nicht erfüllt, doch bleibt die Geschichte so bis zum Schluss spannend. Dennoch bleibt am Ende ein kleiner schaler Nachgeschmack für den Leser, da nicht alle Rätsel aufgedeckt werden, was jedoch auch den Charakter des Buches ausmacht.
Wer sich abseits von gewöhnlicher Fantasy bewegen möchte, dem kann man "Drachenpfade" getrost ans Herz legen. Erfrischend anders, überraschend düster und dennoch eine Geschichte voller Hoffnung.