Serienmörder treiben ihr Unwesen in Krimis, Thrillern, Polizeiromanen und solchen, die sich dafür halten. Auch das Exemplar, das der australische Autor Garry Disher in seinem Roman „Der Drachenmann" erfunden hat, ist eigentlich ein typischer Vertreter. Trotzdem ist der Roman - eine Mischung aus Whodunit und Polizeiroman - außergewöhnlich und gut noch dazu.
Detective Inspector Hal Challis graut vor dem bevorstehenden Weihnachtfest. Zu viele Erinnerungen könnten ihn in seiner Einsamkeit aufsuchen. Zum Beispiel an seine Frau, die im Gefängnis sitzt, weil sie in einen Mordversuch verwickelt war. An ihm. So wünscht er sich zum Fest der Liebe nichts sehnsüchtiger, als eine frische Leiche. Seine Wunsch wird prompt erfüllt, denn ein Serienmörder treibt im Peninsula District sein Unwesen. Zudem halten Brandstiftungen und Einbrüche die Ordnungshüter auf Trab.
"Der Drachenmann" ist ein bestechender, temporeicher Krimi. Für das Gute kämpft Challis nicht alleine, im Mittelpunkt steht das ganze Team mit Sorgen, Nöten und Ängsten. Das dabei die „Guten" auch mal böse sind, und die „Bösen" dem Guten unbeabsichtigt weiterhelfen, bringt eine spannende Perspektive in die Geschichte.
Apropos Perspektive: Meisterhaft beherrscht Disher die Kunst der schnellen Schnitte, geschickt wechselt er Orte, Handlungen und Personen, bringt so eine flotte, aber niemals gehetzte Dynamik in seine Erzählung. Seine Handlungsfäden hält er dabei fest im Griff. Zudem schreibt er Sätze, die messerscharf sitzen. Kein Wort ist zuviel. Knapp und präzise kommt er auf den Punkt.
Die Kunst der kurzen Sätze, die ausgefallene Erzählweise und die raffiniert gesetzten Cliffhanger machen diesen Krimi zu einer aufregenden Lektüre. Ein Buch, das sich kräftig von der gängigen und sabbelnden Krimikost absetzt. Bleibt zu hoffen, dass der australische Weihnachtsmann für Challis noch mehr Leichen bereithält.