Fashion Sale Hier klicken Jetzt informieren reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos yuneec Learn More saison Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
535
4,6 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:9,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 20. Oktober 2006
Khaled Hosseinis "Drachenläufer" ist seit langem das erste Buch, das ich in einer einzigen Nacht komplett verschlungen habe.
Sicherlich handelt es sich, wie manche Rezensenten anmerken, nicht um eine "realistische" Geschichte. Schuld und Sühne, ergebene Diener und finstere Schurken lassen die Handlung vielleicht objektiv "konstruiert" wirken. Andererseits würde sich bei einem Theaterstück oder einem Opernlibretto darüber niemand echauffieren, und Hosseinis Buch ist nicht nur ein Roman, sondern gleichzeitig eine Parabel, Lehrstück, ohne belehrend zu wirken.
Meisterhaft versteht es Hosseini, eine Vielzahl von Themen miteinander zu verknüpfen, ohne dass der Erzählfluss ins Stocken gerät.
Im Mitelpunkt der Geschichte steht die Freundschaft des egoistischen Amir und seines Spielgefährten und Dieners Hassan, Angehöriger einer Minderheit und Amir gegenüber trotz ständiger kleiner Demütigungen loyal bis zur Selbstaufgabe.
Zweites großes Thema ist eine konfliktträchtige Vater-Sohn-Beziehung:
Die Freundschaft der Kinder wird überschattet von Amirs vergeblichem Kampf um die Achtung seines Vaters, der mit seinem sensiblen Sohn, der sich mehr für die Schriftstellerei als für Fußball interessiert, nicht viel anfangen kann. Es scheint sogar, als würde er Hassan dem eigenen Sohn innerlich vorziehen. Amirs verzweifelter Wunsch, sein Vater möge stolz auf ihn sein, endet darin, dass er den Freund in mehrfacher Hinsicht verrät. Hassan geht fort, doch Amirs Leben wird von Schuldgefühlen überschattet. Der Leser erfährt dies alles in einer Rückblende, die durch die gnadenlose Selbstreflexion des erwachsen gewordenen Ich-Erzählers ebenso fesselnd wie schwer zu ertragen ist.
Der dritte Handlungsstrang schließlich beschäftigt sich mit dem Niedergang Afghanistans, erst durch den Einmarsch der Russen, dann durch die Machtergreifung der Taliban.
Amir und sein Vater fliehen nach Amerika, und die Beziehung kehrt sich um: Während Amir seinen Weg geht, wird der stolze Vater zum hilflos Gestrandeten in einer Welt, an die er sich weder gewöhnen kann noch will.
Eines Tages zwingt ein Anruf Amir, nach Afghanistan zurückzukehren.
In einem dramatischen Finale laufen hier die Handlungsstränge zusammen: Amir wird mit dem dunklen Geheimnis seines Vaters konfrontiert und bekommt die Gelegenheit, seine eigene Schuld und die des Vaters zu sühnen. Gleichzeitig weiß Hosseini die Perspektive des in sein Land zurückkehrenden Amir zu nutzen, um dem Leser die Veränderung seines Heimatlandes in all seiner Grausamkeit deutlich zu machen.
Ein anrührendes, ein wichtiges Buch mit einem verhaltenen Happy End.
Während der Lektüre sind mir mehrfach die Tränen übers Gesicht gelaufen, dennoch gleitet Hosseinis packender Schreibstil nie ins Pathos ab.
Khaled Hosseini ist genau das, was er seiner Hauptfigur andichtet: ein großer Erzäher.
77 Kommentare| 330 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Dezember 2006
Drachenläufer gehört für mich zu den Büchern des Jahres 2006. Das Buch hat mich so gepackt, das ich es fast in einem Rutsch durchgelesen habe. Und wenn ich nicht drin gelesen habe, musste ich ständig dran denken. Ein tolles Buch über eine Freundchaft zweier Jungs in Afghanistan, die aus verschiedenen Gesellschaftsklassen kommen und wo einer der beiden zum Verräter wird. Jahre später bekommt der Verräter die Chance, seinen Fehler wieder gut zu machen. Das Buch spielt am Anfang 1975 und man erfährt so einiges über Afghanistan, was man vorher vielleicht nicht wusste. Der Einmarsch der Russen und später die Greueltaten der Taliban zeugen von einer traurigen Geschichte eines Landes, das für uns weit weg scheint und dessen Zustände auch heute noch traurig sind. Doch im Mittelpunkt steht die Geschichte der beiden Jungs, die zusammen Drachen steigen lassen, trotz unterschiedlicher Herkunft eine tolle Freundschaft haben und den Herausforderungen im Leben trotzen. Auch wenn sich ihre Wege trennen, denken sie oft aneinander und kommen doch nicht von ihrer Vergangenheit los. Oft auch sehr traurig, ist dieses Buch ein wahres Juwel an Literatur. Toll geschrieben und einzigartig. Einfach phantastisch!
0Kommentar| 167 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Großartig! mag man rufen nach einem gelungenen Orgelvorspiel - und doch bleibt man noch sitzen, lauscht dem Nachhall nach, es kommen einzelnen Passagen des Spiels in den Kopf und dann erst setzt der Applaus ein, der überzeugend sowohl Werk als auch Vorspieler/-in gleichmaßen bedacht, wenn es denn eine gelungene Darbietung war.
Die Hörbuchproduktion zu "Drachenläufer" vereint auf phänomenale Weise beides: hier die wunderbare Erzählung und da der Sprecher, welcher alle Register zieht.
Tut man sich das wirklich an, über 9 Stunden einer Stimme zu lauschen und
eine Erzählung zu verfolgen, die meist im fernen Afghanistan spielt?
Ja, selbst wenn man das Buch schon gelesen, die Einzelheiten der Geschichte in und auswendig kennt... mit diesen Hör-CDs ist ein einzigartiges Erlebnis der Erzählkunst entstanden.
Es ist kein Vorlesen, sondern wahrhaftiges Einlesen in die Seelen der Zuhörenden, was Markus Hoffmann hier vollbracht hat. Gleich wie bei einem Orgelkonzert versteht er es, ein Mitschwingen hervorzurufen, das von unterschiedlichen Klängen durchmischt wird.
Ob es nun der einfache Erzählfaden ist, die einzelnen Stimmen der Figuren oder auch einfach das Schweigen: Markus Hoffmann greift alles auf wundersame Weise auf und entführt - wenn man dieses Wort bei dem Inhalt der Geschichte überhaupt verwenden darf - einen in die zauberhafte orientalische Welt, so dass die Gerüche, Geschmäcker und Geräusche ebenso erlebbar werden wie auch die Bilder von Menschen, Räumen, Städten und Landschaften auf einzigartige Weise erfahrbar werden.
Man wird immer wieder mitgerissen und verfolgt die Erzählung mit einer unglaublichen Spannung. Hosseini legt einen Erzählteppich aus, der aus diversen Fäden gewebt ist und Geschichte, Neuzeit, Islam, Christentum, Asien und Amerika miteinander verbindet.
Die Integration der unterschiedlichen Charaktere in die Erzählung gelingt dem Autor hervorragend. Ebenso überzeugt der HörCD-Erzähler mit seinem außerordentlichen Repertoire an Sprech- und Klangvariationen.
Wer sich mitnehmen lassen möchte in das andere Afghanistan, wer andere Seiten als diejenigen der aktuellen Nachrichtenereignisse hören und sehen möchte, der liegt mit diesem Hörbuch genau richtig. "steinbach sprechende bücher" hat mit dieser Produktion gezeigt, dass ein Hörbuch eine besondere Eigenart bietet und gut neben dem Text stehen kann. Der "Drachenläufer" ist ein ungemein überzeugendes Zeugnis dafür, wie bei einer passenden Auswahl des Erzählers ein Roman noch einmal ganz anders entstehen kann. Wie Herr Hoffmann es schafft, allen Stimmen der Figuren des Romans ihre Individualität zu schenken, wird jeden überwältigen und so ist es nur zu wünschen, dass der "Drachenläufer" über das Buch hinaus viele neue Freundinnen und Freunde mit diesem phänomenal gelungen interpretierten "Orgelspiel" finden wird. Ein Geschenk der Verständigung, das weit über das Tagesgeschäft hinaus nachwirkt!
0Kommentar| 45 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Januar 2016
Der Spannungsbogen hält bis zum Schluss. Doch leider hat Hosseini die Handlung zu sehr auf große Emotionen hin konstruiert. Liebe, Schuldgefühle, Hass, Bosheit, Wiedergutmachung - all das hat Tendenzen, als sei es aus einem Bollywood-Streifen gegriffen. Die Charaktere bleiben damit klischeehaft und überzeichnet. Der Plot weist einige Stellen und Details auf, die schlichtweg ärgrlich sind. Ironischerweise baut Hosseini Stellen ein, in der Amir als Creative-Writing-Student über Klischees und Hindi-Filme kurz reflektiert.

Positiv dabei: Das Buch vermittelt afghanisches Lebensgefühl. Man erlebt die Zeit vor den Kriegen in den 70er Jahren. Deutlich werden die Grausamkeiten der Kriege, der Flucht. Angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise in Deutschland gewinnen diese Passagen neue Relevanz. Dazu gehört auch die lebensgefährliche Schleusung nach Pakistan. Authentisch wirkt die Schilderung, wie die Familie sich im amerikanischen Exil einrichtet: Welchen gesellschaftlichen Regeln die afghanische Community dort folgt, wie sehr traditionelle Restriktionen etwa bei der Partnerwahl weiter gelten, wie Integration erfolgen kann oder auch misslingt: Amirs ehemals angesehener Vater schuftet bei einer Tankstelle, der alte General bemüht sich dagegen gar nicht erst um Arbeit. Es ist unter seiner Würde. Darüberhinaus vermittelt das Buch viele weitere Details über den afghanischen Gesellschaftskodex: Den Austausch von Höflichkeiten, die Rolle der Frauen und deren Unterordnung, Familienbeziehungen, sexuelle Doppelmoral. Städte wie Kabul, Jalalabad, oder Peschawar und Islamabad werden mit ihren Eigenheiten lebendig. Pakistan aus afghanischer Perspektive - ein lebendiges, florierendes Land. Kindesmissbrauch ist zudem ein Thema, das Aufmerksamkeit verdient.
Eine zentrale Rolle spielen die Volksgruppen. Wer kennt sich schon damit aus, wie Paschtunen, Hazara, Tadschiken miteinander umgehen, welche Sprachen, Kulturen, Ansprüche daraus resultieren? Auch das spielt selbst noch im Exil eine entscheidende Rolle. In dem Buch steckt also viel drin. Die Grundidee, den Roman über mehrere Jahrzehnte zu strecken, erweitert den Horizont.

Doch wie gut darf sich nach der Lektüre über die geschichtliche Entwicklung Afghanistans informiert fühlen? Diese Sorge ist insofern vorhanden, als dass die politische Sicht des Buches doch stark im amerikanischen Koordinatensystem verortet ist. Mehr als einmal tauchen gut-böse Klassifikationen auf, die mich an einer differenzierten Darstellung zweifeln lassen. Erst kommt die unkritisch reflektierte, gute alte Zeit der Monarchie. Wir erleben sie aus der subjektiven Sicht eines Jungen der Oberschicht- das mag literarisch legitim sein. Beim Leser setzt sich aber ein verklärendes Bild fest. Die Russen haben einen kurzen Auftritt, als ein brutaler Soldat bei einer Schleusungs-Kontrolle eine Frau beinahe vergewaltigt. Die Verbrechen der von den USA unterstützten Mudschaheddin werden dann elegant umschifft. Dass sich die Gruppen untereinander bekämpften und damit schließlich den Aufstieg der Taliban begünstigten, wird zumindest erwähnt. Amirs Vater steht als Sinnbild für Entschlossenheit, Unabhängigkeit und beherztes Handeln. Und er ist derenige, der dann Sympathie für republikanische Konfrontationspolitik und für Israel entwickelt. Auf der anderen Seite steht der pädophile, islamistische, paschtunisch-nationalistische, sadistische, kaltblütig mordende, hitlerbegeisterte, deutsch-afghanische Taliban-Führer, der zum Hauptfeind Amirs wird. Wie gesagt: große Emotionen. Generell mag die Einordnung ja stimmen. Die Verbrechen der Taliban dürfen nicht relativiert werden. Allerdings vermeidet es Hosseini, bei patriotischen Amerikanern anzuecken. Das mag seinen Erfolg in den USA begünstigt haben. Das mag auch helfen, dort mehr Interesse für sein Land zu erwecken. Vielleicht ist es auch ein Gewinn, wenn er einem Publikum, das er sonst nicht erreichen würde, vermittelt, dass nicht alle Muslime Terroristen sind. Zur Qualität des Lesestoffs trägt es aber nicht bei.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. März 2004
Es gibt wenige Bücher, deren Existenz das Leben bereichert, ja sogar zu verändern vermag.
Dann wiederum gibt es diesen besonderen Bücher, von denen man sich wünscht alle guten Freunde wären im Besitz dieses Buches und könnten die Freude daran mit einem teilen. Bücher, die man aber andererseits nicht verleihen mag, weil allein der Gedanke, sich von gerade diesem Buch,wenn auch nur kurzfristig zu trennen, undenkbar ist.
DER DRACHENLÄUFER ist für mich eines dieser ganz besonderen Bücher. Eine Entdeckung, ein wahrer Schatz.
Die Geschichte beginnt in Kabul 1975. Amir, der Sohn eines betuchten und gesellschaftlich angesehenen Kaufmanns ist seit kleinauf eng befreundet mit dem Sohn des Dieners seines Vaters Hassan. Beide wurden von der gleichen Amme genährt, aber ansonsten trennen sie gesellschaftliche Gräben. In ihren frühen Jahren gelingt es den beiden Jungen sich darüber hinwegzusetzen. Bei dem traditionellen Drachenlauf verhilft Hassan Amir, der seinem Vater seine Stärke beweisen will, zum Sieg. Nach diesem Wettkampf jedoch verrät Amir von seinen >>Freunden<< unter Druck gesetzt, seine Freundschaft zu Hassan auf schreckliche Weise. Hassan und sein Vater ziehen daraus die Konsequenzen und ihre Wege trennen sich. Dieser Verrat an der Freundschaft, verändert das Leben beider. Amir, der voller Schuld ist, gelingt es nicht, sich innerlich von dem Freund lösen. Mit seinem Vater emigriert er nach den USA und versucht sich dort ein neues Leben aufzubauen. Aber die Vergangenheit holt ihn auch dort wieder ein. Er versucht sich von seiner schweren Schuld reinzuwaschen und wiedergutzumachen.....
Mehr soll hier von der Handlung nicht verraten werden. Diese Buch behandelt nicht nur existenzielle Themen wie Schuld und Sühne, Freundschaft und Verrat, Loyalität überden Tod hinaus, Verzeihen und Wiedergutmachung, sondern spiegelt die verheerende Politik in Afghanistan der letzten 30 Jahre wider. Ich habe aus dem Buch aufgrund der persönlichen Betroffenheit z.b. weit mehr über die Schreckensherrschaft des Taliban erfahren, als mir das Sachbücher oder auch Nachrichten zu vermitteln mögen. Ein Buch aber auch, das zu Hoffnung Anlass gibt, das auch in schlimmen Zeiten das Gute in vielen Menschen zutage kommt und zu siegen vermag. Ein Buch, dass mich wohl noch lange beschäftigen wird, weil es mir so nahegegangen ist, ohne dabei in Klischees abzudriften. Gäbe es hier an dieser Stelle sechs Sterne zu verteilen, ich würde sie erstmals in Anspruch nehmen. Ich wünsche diesem Buch viele und vor allem auch jugendliche Leser!
0Kommentar| 44 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. Mai 2007
Amir wächst als priviligierter Sohn eines wohlhabenden Vaters im Kabul der 1970er Jahre auf. Gefährte seiner Kindheit ist der gleichaltrige Hassan, Sohn des Hausdieners Ali. Ihr Schicksal wird durch ihre Herkunft bestimmt: während Amir ein Paschtune ist, gehört Hassan zu den Hazara, einer verachteten und unterdrückten ethnischen Minderheit in Afghanistan. Auch wenn dies ihren Alltag prägt und Amir, während Hassan den Haushalt versorgen muss, zur Schule gehen kann, verbindet die beiden mutterlosen Jungen doch über Jahre einige innige, wenn auch ambivalente Nähe: Amir bewundert seinen ungebildeten Freund für dessen unbegrenzten Wissensdurst, seine Weisheit und seine bedingungslose Loyalität, achtet ihn aber nicht als Seinesgleichen. Hassan ist bereit, sein Leben für Amir zu riskieren: ein Geschenk, welches Amir zwar annimmt, um sich seinem Vater gegenüber zu behaupten, ihn aber in tiefe Schuld stürzt und die Lebenswege der beiden trennen wird.

Währendessen wird Kabul zum Schauplatz des kalten Krieges und Amir flieht mit seinem Baba in die USA. Dort baut der stolze Vater sich und Amir durch harte einfache Arbeit eine neue Existenz auf. Der unbeugsame Baba findet seinen Platz in der kleinen afghanischen Gemeinde. Er lässt Amir, den er in der Heimat wegen seines sanften Wesens und seiner Leidenschaft für Literatur als unmännlich verachtet hat, seinen Traum verwirklichen: Schriftsteller zu werden. Nach Babas Tod gelingt es Amir, sich ein glückliches Leben mit seiner Frau aufzubauen. Afghanistan liegt weiter hinter ihm, als ihn eine Nachricht aus der Vergangenheit erreicht. Amir macht sich nach Pakistan auf, wo der sterbende Freund seines Vaters ihm die Schlüssel zum Verständnis seiner Herkunft in die Hand gibt. Amir reist weiter ins Kabul der Taliban, wo er rasch Bekanntschaft mit der frivolen Grausamkeit dieses Schreckensregimes macht. Die Geschehnisse werden sein Leben für immer verändern, aber sie befreien ihn auch am Ende von der drückenden Last seiner Schuldgefühle.

Der Drachenläufer zeichnet ein Gemälde Afghanistans und seiner Menschen, bevor und nachdem es erst durch die kommunistische, dann fundamentalistisch-islamistische Revolution ausgeblutet und zu Boden geworfen wurde. Zwar mögen gewisse Schicksalswendungen gelegentlich als allzu konstruiert erscheinen, doch erscheinen die wichtigen Personen des Romanes in ihren Facetten als sehr lebendig. Wo die Schilderung zunächst etwas langatmig und blumig beginnt, gewinnt der Roman zunehmend an Tempo. Der wachsenden Dramatik kann man sich schliesslich kaum mehr entziehen.

Es ist ein Roman über die Fehlbarkeit des Menschen, über Schuld und Stolz, Unaufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, Freundschaft und Blutsbande, Mythologie und Realität; manchmal jongliert der Autor ihn scharf an der Schmerzgrenze zum Kitsch. Aber wer diesen Roman gelesen hat, wird in Zukunft keine Nachricht aus diesem Land, das dem Leser im Westen als Bomben- und Terrorstätte geläufig ist, mehr gleichmütig zur Kenntnis nehmen können, meint er doch, die Menschen dort seien ihm ein Stück weit ans Herz gewachsen.

Fazit: Keine grosse Literatur, aber rührend, spannend und politisch hochaktuell.
0Kommentar| 33 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Oktober 2007
Auf der Suche nach einer angenehmen Urlaubslektüre fragte ich in der Buchhandlung, ob man es mir als solche empfehlen könne - man könne, war die Antwort, und zu gruselig sei es auch nicht.

Nachdem ich es nun gelesen habe, frage ich mich jedoch, ob die Buchhändlerin über die ersten 20 bis 30 Seiten oder gar nur die Rezensionen hinausgekommen ist oder ob ich einfach zu dünnhäutig bin... Ich fand diese Buch über weite Strecken wirklich schrecklich und hatte selten bei einem Buch so oft die Tränen in den Augen stehen.

Wer ein Buch sucht, das Einblicke in das Lebensgefühl des afgahnischen und ich denke durchaus auch ähnlicher Kulturkreise gibt, das die Wirklichkeit und das Leben hinter den Nachrichten aus dieser Welt in ihrem Facettenreichtum aber auch, und das sei hier besonders betont, in ihrer Grausamkeit erzählt, das die äußeren, aber vor allem auch inneren Schwierigkeiten und die emotionale Heimatlosigkeit darstellt, mit denen Immigranten zu kämpfen haben, wenn sie den Weg zu uns hierher denn überlebt haben sollten, wer bereit ist, sich über diese Informationen hinaus einzulassen auf persönliche Tragödien, innere Abgründe, tiefe Freundschaft und Loyalität und auf das beständige Ringen um persönliches physisches und psychisches Überleben und darum, die Hoffnung nicht zu verlieren, dem lege ich diese Geschichte wirklich sehr ans Herz - es hat mich emotional berührt und beeindruckt wie es nur wenige andere Bücher bisher geschafft haben.

Aber ganz ehrlich: eine angenehme Urlaubslektüre ist es sicherlich nicht!
Und ich weiß auch nicht, ob ich es ein zweites Mal lesen kann.
0Kommentar| 20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. September 2007
Was mich an diesem Buch am meisten begeistert hat, ist die Menschlichkeit, die aus jeder Zeile spricht. Der Autor erzählt nicht nur eine Geschichte aus einem uns fremden Land über Freundschaft, Hingabe, ja Liebe, sondern er schafft es, das man sein eigenes Leben in Frage stellt!
Amir und Hassan sind beste Freunde, die vieles gemeinsam haben, von dem sie noch garnichts wissen. Einer von beiden aber verrät diese Freundschaft nach fast 12 Jahren und beginnt dies zu bereuen. Es soll aber ein tag kommen, an dem er diesen Fehler wieder berichtigen kann.

Unbedingt Lesen!
0Kommentar| 42 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. September 2015
Das war mein zweites Buch dieses Autors, nach "tausend strahlende Sonnen", irgendwie kann man die beiden Bücher nicht wirklich vergleichen, denn einmal geht es um die Welt der Frauen in Afghanistan und bei "Drachenläufer" geht es um zwei Buben bzw. später zwei Männer, deren Erlebnisse ebenso schlimm und berührend sind, aber eben ganz anders verlaufen.
Aufgrund der bescheidenen Aufmachung des Buches hätte ich mir den Roman vermutlich gar nicht gekauft, hätte ich nicht davon schon etwas von diesem Autor gelesen. Die ersten beiden Romane gibt es im Übrigen in einem Gesamttaschenbuch, aber auch das habe ich leider erst zu spät bemerkt.
Für mich ist "Drachenläufer" eines der besten Bücher, welche ich in meinem langen Leseleben lesen durfte.
Dieser Roman ist keine einfache Urlaubselktüre, wie hier in einer Bewertung zu lesen ist, ganz im Gegenteil.
Anfänglich wird das Leben in Kabul vor der Besatzung durch die Russen geschildert, das ist sozusagen der Aufbau zum späteren Drama und ein Drama ist es in der Tat.
Bei diesem Roman kamen mir oft die Tränen, es ist einfach unfasslich was in diesem Roman alles passiert, nicht nur Krieg, Tot und Gewalt an sich, sondern auch seelisches Leid, Leid durch Unwissenheit, falsche Entscheidungen und vor allem Leid durch eine große Lüge oder vielmehr dadurch, dass die Wahrheit erst viel zu spät ans Licht kommt.
Der Roman umfasst also das Drama einer Familie und zusätzlich dazu kommen die Kriegswirren in Afghanistan, welche tausende Menschen zur Flucht oder einem Leben der Unterdrückung und Gewalt im eigenen Land verurteilen.
Wer sich für das Thema interessiert, wissen möchte was in diesem Land wirklich geschehen ist, wie die Menschen dort gelebt haben oder nun leben und wer anspruchsvolle Literatur bevorzugt, der kann an diesem Buch kaum vorbeigehen.
Für mich persönlich bleibt noch übrig, sehr viel über diesen Roman und dieses Land nachzudenken und den dritten Roman des Autors gleichfalls zu lesen.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Juli 2007
für den Roman Drachenläufer, des mir bis dahin unbekannten Autors Hosseini. Geschichte, auch jüngere Gschichte, ist ja immer dann am einprägsamsten, wenn sie mit den Lebensläufen von Menschen verbunden ist, deren Schicksale fesseln. Und das Schicksal von Amir und seinem Freund in Kabul vor der Zeit der Taliban und der russischen Invasion fesselt und fasziniert in seiner Fremdheit, seiner Schlichtkeit und seiner Kompliziertheit. Hosseini versteht wunderbar, die Befindlichkeit zweier kleiner Jungs mit subtilen Worten eindrücklich zu beschreiben, die Traditionen lebendig werden zu lassen, und gleichzeitig die brutale Ungeheuerlichkeit der politischen Geschehnisse darzustellen. Wenn auch am Schluß einiges etwas holzschnittartig wird, gebe ich gerne 5 leuchtende Sterne, auch wegen der außerordentliche Schilderung des tragischen Lebens von Amirs Vater, dem traditionsbewußten, stolzen afghanischen Lebemann, der seine Würde auch im dekadenten Amerika bewahrt, trotz widrigster Umstände. Auch bei diesem Buch kann ich nur sagen: unbedingt lesen!
0Kommentar| 24 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

6,99 €