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224 von 236 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bittersüß und schmerzhaft, 20. Oktober 2006
Khaled Hosseinis "Drachenläufer" ist seit langem das erste Buch, das ich in einer einzigen Nacht komplett verschlungen habe.
Sicherlich handelt es sich, wie manche Rezensenten anmerken, nicht um eine "realistische" Geschichte. Schuld und Sühne, ergebene Diener und finstere Schurken lassen die Handlung vielleicht objektiv "konstruiert" wirken. Andererseits würde sich bei einem Theaterstück oder einem Opernlibretto darüber niemand echauffieren, und Hosseinis Buch ist nicht nur ein Roman, sondern gleichzeitig eine Parabel, Lehrstück, ohne belehrend zu wirken.
Meisterhaft versteht es Hosseini, eine Vielzahl von Themen miteinander zu verknüpfen, ohne dass der Erzählfluss ins Stocken gerät.
Im Mitelpunkt der Geschichte steht die Freundschaft des egoistischen Amir und seines Spielgefährten und Dieners Hassan, Angehöriger einer Minderheit und Amir gegenüber trotz ständiger kleiner Demütigungen loyal bis zur Selbstaufgabe.
Zweites großes Thema ist eine konfliktträchtige Vater-Sohn-Beziehung:
Die Freundschaft der Kinder wird überschattet von Amirs vergeblichem Kampf um die Achtung seines Vaters, der mit seinem sensiblen Sohn, der sich mehr für die Schriftstellerei als für Fußball interessiert, nicht viel anfangen kann. Es scheint sogar, als würde er Hassan dem eigenen Sohn innerlich vorziehen. Amirs verzweifelter Wunsch, sein Vater möge stolz auf ihn sein, endet darin, dass er den Freund in mehrfacher Hinsicht verrät. Hassan geht fort, doch Amirs Leben wird von Schuldgefühlen überschattet. Der Leser erfährt dies alles in einer Rückblende, die durch die gnadenlose Selbstreflexion des erwachsen gewordenen Ich-Erzählers ebenso fesselnd wie schwer zu ertragen ist.
Der dritte Handlungsstrang schließlich beschäftigt sich mit dem Niedergang Afghanistans, erst durch den Einmarsch der Russen, dann durch die Machtergreifung der Taliban.
Amir und sein Vater fliehen nach Amerika, und die Beziehung kehrt sich um: Während Amir seinen Weg geht, wird der stolze Vater zum hilflos Gestrandeten in einer Welt, an die er sich weder gewöhnen kann noch will.
Eines Tages zwingt ein Anruf Amir, nach Afghanistan zurückzukehren.
In einem dramatischen Finale laufen hier die Handlungsstränge zusammen: Amir wird mit dem dunklen Geheimnis seines Vaters konfrontiert und bekommt die Gelegenheit, seine eigene Schuld und die des Vaters zu sühnen. Gleichzeitig weiß Hosseini die Perspektive des in sein Land zurückkehrenden Amir zu nutzen, um dem Leser die Veränderung seines Heimatlandes in all seiner Grausamkeit deutlich zu machen.
Ein anrührendes, ein wichtiges Buch mit einem verhaltenen Happy End.
Während der Lektüre sind mir mehrfach die Tränen übers Gesicht gelaufen, dennoch gleitet Hosseinis packender Schreibstil nie ins Pathos ab.
Khaled Hosseini ist genau das, was er seiner Hauptfigur andichtet: ein großer Erzäher.
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138 von 152 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein phantastisches Buch, 28. Dezember 2006
Drachenläufer gehört für mich zu den Büchern des Jahres 2006. Das Buch hat mich so gepackt, das ich es fast in einem Rutsch durchgelesen habe. Und wenn ich nicht drin gelesen habe, musste ich ständig dran denken. Ein tolles Buch über eine Freundchaft zweier Jungs in Afghanistan, die aus verschiedenen Gesellschaftsklassen kommen und wo einer der beiden zum Verräter wird. Jahre später bekommt der Verräter die Chance, seinen Fehler wieder gut zu machen. Das Buch spielt am Anfang 1975 und man erfährt so einiges über Afghanistan, was man vorher vielleicht nicht wusste. Der Einmarsch der Russen und später die Greueltaten der Taliban zeugen von einer traurigen Geschichte eines Landes, das für uns weit weg scheint und dessen Zustände auch heute noch traurig sind. Doch im Mittelpunkt steht die Geschichte der beiden Jungs, die zusammen Drachen steigen lassen, trotz unterschiedlicher Herkunft eine tolle Freundschaft haben und den Herausforderungen im Leben trotzen. Auch wenn sich ihre Wege trennen, denken sie oft aneinander und kommen doch nicht von ihrer Vergangenheit los. Oft auch sehr traurig, ist dieses Buch ein wahres Juwel an Literatur. Toll geschrieben und einzigartig. Einfach phantastisch!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wunderbar, 19. September 2008
Amir und Hassan wachsen gemeinsam in Afghanistan auf. Beide Jungen leben auf dem gleichen Anwesen. Amir als Sohn eines wohlhabenden Paschtunen, Hassan ist der Sohn des Bediensteten. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, schon ihre Väter verbindet eine lange Freundschaft. Amir geht zur Schule, kann lesen und schreiben und liebt Bücher. Hassan macht für Amir das Frühstück, bügelt seine Wäsche und liebt es, wenn sein Freund ihm aus Büchern vorliest.
Hassan drückt seine Freude und seine Zuneigung zu Amir herzerwärmend aus, während Amir aus unerfindlichen Gründen oft Neid empfindet und seinen Freund vor den Kopf stößt, ihm Streiche spielt oder ihn verleugnet.
Als die beiden 12 Jahre alt sind, nehmen sie an einem Drachenturnier teil, das Amir unbedingt gewinnen will, um endlich die langersehnte Anerkennung seines Vaters zu bekommen.
Amir gewinnt den Wettkampf und Hassan will ihm, wie es Brauch ist, den zuletzt besiegten Drachen erlaufen. Auf der Suche nach Hassan und dem Drachen wird Amir Zeuge einer schrecklichen Tat. Doch er ist feige und läuft davon, ohne je ein Wort darüber zu verlieren. Zwar plagt ihn ein schlechtes Gewissen, doch unternimmt er nichts. Die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, aber anstatt endlich zu seinem Freund zu stehen, verleugnet Amir weiter, verschließt die Augen und intriegiert sogar.
Drachenläufer habe ich gleich nach Tausend strahlende Sonnen gelesen, und ich würde noch mehr von Hosseini gleich lesen, wenn es mehr gäbe.
Auch hier erzählt Der Autor wieder eine Geschichte, die ihn Afghanistan spielt, aber in Drachenläufer spielen Frauen keine große Rolle. Es geht hauptsächlich um die vier männlichen Protagonisten und ihr Leben.
Khaled Hosseini hat mich mit Drachenläufer wieder überzeugt von seinem Können, und ich hoffe auf noch sehr viel mehr Lesestoff aus seiner Feder. Ich konnte beide Bücher kaum weglegen. Khaleds Werke sind es wert, dass man Nächte durchliest oder sich Urlaub nimmt, um dranbleiben zu können.
Wenn ich ein Buch von ihm lese, sehe ich die Landschaft, die Menschen, ihren Charakter. Mir bleibt die Luft weg, ich bin mitgenommen, freue mich, habe Hoffnung oder bin wütend - kurz: ich fiebere mit. Khaled Hosseini ist bisher mein Favorit für 2008.
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