Die anderen Bände und Bücher der Autorin kenne ich nicht, aber was ich hier von ihr kennen gelernt habe, gefiel mir ziemlich gut. Im Großen und Ganzen schreibt sie sehr konzentriert, ein Buch, das mich zum Lesen statt zum Überfliegen anregte. Langgezogen ist die Geschichte an keiner Stelle, die Handlung geht in ordentlichem Tempo voran.
Einige Stichpunkte zum Inhalt:
Die Drachen halten eine Parlamentssitzung ab. Die Drachen Anora, Maristara und Grald schmieden ihre Pläne gegen die Menschen und wollen Drakonas ermorden, der als Versteck in eine unerwartet "komische" Menschenform schlüpft ...
Markus und Evelina finden nach ihrem Liebeszwist letztlich zum Schloss zurück, wo Markus mit einer anderen verheiratet werden soll, die jedoch ein hinterlistiges Geheimnis birgt ... (den Handlungsstrang fand ich lange Zeit 08/15, aber später interessanter, der Autorin gelingt es, von Klischees abzuweichen)
Der Halbdrache Nem sucht eine Konfrontation mit seinem Vater Grald und stößt auf eine Menge Geschwister und einige Wahrheiten ... (den Part fand ich am spannendsten)
Am Ende kommt eben die übliche Schlacht - aber andere Autoren machen's noch üblicher ...
Diese 100 Seiten fand ich am schlechtesten und etwas chaotisch. Mir kam's vor, als fehlte bei der Schlacht einiges an Erklärungen. 0,5 Sterne Abzug.
Einige Figuren sterben.
Anfangs und in der Mitte des Buches hat mich die Geschichte und diese Welt fasziniert, ich fand die Handlung angenehm unvorhersehbar und einfallsreich. Aber so im Nachhinein betrachtet ... eigentlich werden die großen Konflikte der Geschichte doch recht simpel gelöst, mit Kämpfen und Töten eben, und einige Konflikte wie die mit den Halbdrachen schienen mir stillschweigend zu verschwinden (oder ich hab was falsch gelesen). Aber ich glaube, Fans von den ersten beiden Teilen werden nicht enttäuscht sein.
Dafür, dass es der dritte Teil ist, bleibt der Figurenkreis angenehm mittelgroß und die Beziehungen zwischen ihnen sind angenehm klar. Andere Autoren glauben für eine originelle Geschichte 60 und mehr Figuren zu brauchen (und schaffen trotzdem nichts Originelleres als Kompliziertheit), hier wird mit einem überschaubaren Kreis eine interessante Geschichte erzählt.
Am meisten Punkte bekommt das Buch bei mir aber für die Drachen! Eigentlich bin ich kein Fan von Drachen, aber diese Autorin hat mich dazu gebracht, sie zu mögen. Das Kommunizieren der Drachen über Gedankenfarben ist eine tolle Idee und noch dazu fallen der Autorin dazu ständig neue Ideen und sprachliche Wendungen ein. Sehr abwechslungsreich.
Auch gefiel mir ihre Art, die Mentalität der Drachen darzustellen, die einerseits "menschlich" sind, andrerseits eine interessante Distanz und Herabblick gegenüber den Menschen haben, ein klein wenig so wie intelligente Aliens in der Science Fiction auf die Menschheit herabblicken.
Was die sonstige Sprache betrifft, muss ich aber einfach weitere 0,5 Sterne abziehen. Obwohl die Sprache einerseits überraschend gut Originalität mit Schlichtheit kombiniert und die Erzählperspektive größtenteils angenehm nah bei den Figuren bleibt, hatte das Buch für mich hier und da so viele kleine Schnitzer und Danebengriffe (solche Ausdrücke wie "Du Wurm!" oder "Magie läuft Amok" hätte man besser ersetzt - aber ich meine bei weitem nicht nur so was). Es hat mich in den Fingern gejuckt, dem Buch ein Still-Lektorat zu verpassen und auch ein wenig Unterricht in Sachen personaler Erzählperspektive zu geben. Dafür, dass die Autorin so lange im Geschäft ist, ist die Sprache im Buch verdächtig "unsicher".
Annette Scholonek