Als großer Drachenfan war ich natürlich froh, ein deutschsprachiges Buch zum Zeichnen dieser Wesen zu finden. Und auch der Preis spricht ja deutlich für sich.
Was mich ein wenig zurückgehalten hatte war die etwas "kindliche" Aufmachung. Von Eltern für Eltern, das ist halt nicht so ganz meine Zielgruppe, denke ich. Egal, die Tonart ist ja nur Verpackung, was zählt ist der Inhalt, also gekauft.
Und nachdem ich jetzt ausgiebig darin gelesen habe, muss ich doch leider sagen, dass ich mich hier tatsächlich etwas verkalkuliert habe: Die Autorin vermittelt durchaus einiges an Wissen, keine Frage. Sie beschränkt sich auch nicht nur darauf, zeichnerische Dinge zu erklären und anhand von Beispielen aufzuzeigen, sondern geht auch auf die verschiedenen Typen von Drachen ein und die Psychologie, die dahinter steht. Diese Teile haben mir nebenbei bemerkt auch sehr gut gefallen, da hier alles sehr leicht verständlich erklärt wird. Oft sind Zeichner nämlich technisch top, können einem "Aussenstehenden" jedoch nicht wirklich etwas vermitteln, weil sie erklärerisch nicht auf der Höhe sind. Davon kann in diesem Buch aber nicht die Rede sein, alles top!
Was ich mit "verkalkuliert" meinte ist, dass wirklich durch das ganze Buch hindurch ein kindlicher Ton in der Sprache liegt. Verspielt und ironisch, das mag ja ganz angenehm sein im Vergleich zu trockenen Lektüren. Mir persönlich kam es aber an manchen Stellen vor, dass es wichtiger war, ein paar kleinere Witze ins Buch einzubauen, statt sich auf das eigentliche Thema zu konzentrieren. Ich mag Humor in Büchern, aber etwas weniger an manchen Stellen wäre hier vielleicht besser gewesen.
Auch werden viele Themen nicht wirklich vertieft. Oft heißt es dann im Buch: "Probieren, probieren, probieren!" Ist ja schön, dass man noch einmal einen Motivationsschub mitgeliefert bekommt, aber für sowas kauft man sich doch kein Buch mit dem Titel "Drachen zeichnen".
Auch verstehe ich nicht, warum es im Titel weiter heißt: "Von Eltern für Eltern", wo doch im Buch die Autorin den Leser direkt mit "Du" anspricht und mit ihm redet, als ob er eben noch im Kleinkindalter daherkommt. "Für Eltern" würde ich das jetzt nicht unbedingt nennen, aber wie gesagt, ist halt eine Sache der Zielgruppe, soll jetzt fairerweise in meine Bewertung auch nicht eingehen.
Ich persönlich male gerne Bilder, die recht nah an das herankommen, was man Fotorealismus nennt. Das bekommt man in diesem Buch definitiv nicht zu sehen. Die meisten Zeichnungen wirken im Gegenteil sogar schon fast comicmäßig mit deutlich erkennbaren Outlines und vielen einfarbigen Flächen. Da das Buch aber eher an ein jüngeres Publikum gerichtet ist, denke ich wären solche zeichnerischen Ergebnisse schon beeindruckend. Davon abgesehen geht es hier ja auch nicht darum, welche Zeichentechnik mann jetzt verwendet, denn das ist ja individuell. Es geht darum, wie man an einen Drachen herangeht, den Körperbau, die Größenverhältnisse, die Haltung, etc. Und das wird wirklich sehr gut und leicht verständlich vermittelt. Man muss sich ja nicht sklavisch an alles halten, aber wenn man es sich offenen Geistes durchliest und darüber nachdenkt, wird man sicher einige Dinge finden, die man bisher nicht so sehr beachtet hat. Ich kann nur für mich sprechen aber ich gehe jetzt anders an meine Drachen heran und die Ergebnisse machen mich doch froh.
Also alles in allem ein ordentliches Buch, mit dem man doch einiges anfangen kann. Etwas mehr Tiefgang bei verschiedenen Themen hätte ich mir gewünscht, aber ein wirklicher Beinbruch ist das jetzt auch nicht. Die eigentliche Zielgruppe, also die jüngeren Pinselknirpse *g* dürften wohl deutlich mehr mit diesem Werk anfangen können als ich, deshalb will ich mal unterstellen dass diese dann auch eine höhere Wertung vergeben würden als ich.