Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Geister, die ich rief ..., 27. Mai 2009
Der erste Band der Reihe, "Dr. Siri und seine Toten", war für mich ohne Zweifel DIE Überraschung des Jahres 2008, weshalb ich die Veröffentlichung des Nachfolgers bis zuletzt kaum abwarten konnte. Sofort bei Erscheinung bestellt, hab ich mich noch am selben Tag der Lieferung in die Lektüre gestürzt, wobei mich ein Gefühl des Nachhausekommens übermannte, denn auch "Dr. Siri sieht Gespenster" sticht mal wieder herzerfrischend aus dem Allerlei des heutigen Mainstreams hervor und ist erneut - das sollte besonders betont werden - auf ganzer Länge unterhaltsam.
Das großer Aber: Colin Cotterills zweites Buch mit dem 72-jährigen Leichenbeschauer von Laos (dem einzigen!) kann nun nur noch schwerlich als Kriminalroman bezeichnet werden, denn einen Plot im Stile von Verbrechen, Ermittlung, Aufklärung sucht der Leser hier vergebens. Warum sollte ich mir dann das Buch überhaupt zulegen, wird manch einer fragen. Meine Antwort: Weil es in einer Zeit, wo andere Krimi-Autoren mit Blut und Innereien um sich werfen, heiße Latina-Ermittlerinnen an Vergewaltigungen Freude finden und Ermittler vorwiegend sozial kaputte Alkoholiker sind, eine neue Richtung einschlägt und unter dem oberflächlichen Witz eine gehörige Portion Zynismus samt Moral enthält. Die Story sei hier kurz angerissen:
Laos im Jahre 1977. Eine große Hitzeperiode ("Heiß was?", "Verdammt heiß.") hat die Stadt fest im Griff und während die meisten Einwohner ihr Haus nur noch im äußersten Notfall verlassen, muss Dr. Siri sich mit einem neuen Rätsel rumschlagen. Zwei Männer sind mitten in der Hauptstadt mit ihrem Fahrrad tödlich verunglückt, an einer Stelle wo dies eigentlich keinen Sinn ergibt. Gleichzeitig macht ein entflohener Kragenbär aus einem Nobehotel Vientianes die städtischen Gassen unsicher. Denn wer sonst könnte eine Obstverkäuferin, die von Klauen und Zähnen zerfetzt worden ist, derart zurichten?
Während die für die Ermittlungen zuständigen Beamten zusammengerollt auf dem Schreibtisch den Schlaf des Uninteressierten pflegen, stellt Siri mit seinen beiden Angestellten, den an einem Down-Syndrom leidenden Mr. Geung und der resoluten Krankenschwester Dtui, eigene Untersuchungen an und reist in die alte Königsstadt. Was folgt ist eine Tour de Force, in deren Verlauf sich der alte Doktor nicht nur mit der sturen kommunistischen Politik herumschlagen muss, sondern auch dem einen oder anderen Geist begegnet.
Vorneweg: Für wen Geister, Spiritismus und anderer Hokuspokus ein Gräuel sind, der sollte vom Buch gleich die Finger lassen. Cotterill stützt sich in dieser Geschichte sehr auf Siris Beziehung zur laotischen Geisterwelt und baut diese im Vergleich zum vorherigen Band noch weiter aus. Das wird sicherlich nicht jedermanns Sache sein. Wett gemacht wird dass aber durch die schrecklich sympathischen Protagonisten, allen voran den Doktor selbst, der in bekannt frecher und aufsässiger Art auf Mörderjagd geht. Denn auch diesmal wird sich einiger unorthodoxer Methoden bedient, um das Verbrechen aufzuklären, wobei (das kann ich versprechen) selten ein Auge trocken bleibt. Am Ende, das mir zu abrupt kam und mich seltsam unbefriedigt zurückließ, werden sich im wahrsten Sinne des Wortes wohl die Geister scheiden.
Insgesamt ist "Dr. Siri sieht Gespenster" erneut ein äußerst kurzweiliges, witziges Buch geworden, dessen politische Seitenhiebe zwischen den Zeilen stets zu lesen sind, und das mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat. Ganz objektiv muss man jedoch sagen: An die Qualität des ersten Bandes kann es nicht anknüpfen.
|
|
|
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erfrischend und ungewöhnlich..., 7. Juni 2009
Durch die vielen positiven Rezensionen war ich schon sehr auf Dr. Siri und sein ungewöhnliches Team gespannt.
Es sind nicht nur die Personen, die abseits jeglicher Norm liegen, es ist auch das relativ unbekannte Laos, dessen Bewohner tief in ihrer Mythologie und Geisterwelt verwurzelt sind und die das mit den in ihrem Land herrschenden Kommunisten unter einen Hut bringen müssen.
Das führt schon mal dazu, dass die "Genossen" Schamanen von der Partei zu einer Versammlung gerufen werden, in denen ihnen per Dekret befohlen wird, den Geistern mitzuteilen, dass sie das Land verlassen sollen. Es gibt viele solcher Szenen, in denen eine humorvolle Auseinandersetzung mit dem Kommunismus stattfindet.
Dieses Buch hebt sich erfrischend von vielen bekannten Plots ab. Natürlich muss ein Ermittler sich um Todesfälle kümmern, doch Siri hat noch mehr Aufgaben: Er kümmert sich um die Obduktionen, um die Ermittlungen und teilweise um die Geister der Toten, die manchmal einfach so bei ihm im Büro herumsitzen.
Dtui, seine Assistentin, eine übergewichtige Krankenschwester, hilft ihm bei seinen Recherchen.
Ein kleines Zitat zu Dtui, damit man sich einen Eindruck vom Schreibstil des Autors machen kann: "Ich bin Schwester Chundee Chantavongheuan" Das war der Name, auf den ihre Eltern sie getauft hatten, auch wenn sie ihn nur selten benutzte. In Laos war es Brauch, seinen Babys bei der Geburt hässliche Kosenamen zu geben, um Kinder fressende Geister abzuwehren. Es gab Schweinchen, Krabben und Kamele und jede Menge Dtuis -Dickerchen. Während viele Dtuis zu schlanken, schönen Menschen heranwuchsen, machte Chundee Chantavongheuan ihrem Spitznamen alle Ehre...
Der zweite Helfer von Dr. Siri ist der mongoloide Mr. Geung und auch hier beweist Cotterill seinen Hang zu ungewöhnlichen Charakteren. Dass die drei sich in diesem Buch um Tote kümmern müssen, die alle ungewöhnliche Bissverletzungen aufweisen, geht fast in der Vielzahl an außergewöhnlichen Ereignissen und Dialogen unter. Man liest und staunt über den Einfallsreichtum mit dem dieses Buch geschrieben ist und ist mehr als einmal begeistert von dem Humor, der aus dem Ganzen zusätzlich einen Lesespaß der Extraklasse macht.
Zugegeben, die Geister könnten einige Leser abschrecken, aber ich fand sie absolut passend zu dieser schrägen Geschichte, der ich gerne alle 5 Sternchen gebe.
|
|
|
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Von Triplikatssyndromen und anderen laotischen Geheimnissen, 22. Juni 2009
März 1977, Vientiane, Laos. Als Siri Paiboun nach einem sonntäglichen Wodkagelage mit seinem besten Freund verkatert zur Arbeit geht, ahnt er noch nicht, dass ihn dort zwei Tote erwarten, deren Todesursache äußerst mysteriös ist und ihn die nächsten Wochen beschäftigen wird.
Es sieht so aus, als ob der entlaufene Bär des Lane Xang Hotels sich für jahrelanges Eingesperrtsein rächen wird, die Leichen weisen Spuren einer Bestie auf. Siri träumt dann auch noch von einem Bär und ist schockiert, als er am nächsten Morgen Spuren eines Bären in seinem Garten findet. Was ist da passiert? Und dann liegt auch schon die nächste Tote auf dem Seziertisch, ähnlich zugerichtet wie die zwei toten Männer.
Als dann noch eine geheimnisvolle Kiste im Sportministerium für Angst, Schrecken und Verletzungen sorgt, steht für Siri fest, dass ihm nicht genug Zeit bleibt, sein neues schönes Haus und seinen Garten zu genießen, zuviel Arbeit wartet auf ihn, und dann sind da natürlich auch noch ein paar Geister...
Colin Cotterill legt mit "Dr. Siri sieht Gespenster" das zweite Buch rund um den laotischen Forensiker Dr. Siri Paiboun vor. Diesmal sind die Dialoge noch witziger, die Geschichte noch sprachgewaltiger, wo auch wieder ausdrücklich Thomas Mohr als Übersetzer erwähnt und gelobt sein muss! Sicherlich ist es immer schön, Bücher im Original zu lesen, wenn sie aber so gelungen übersetzt sind, macht es einfach nur Spaß. Dr. Siri, der Sarkasmus immer flüssiger spricht, hat wieder viel zu tun in diesem Band und fühlt sich langsam auch in seinem neuen Haus wohl.
Diesmal erfährt man auch ein wenig mehr über Siris eigene Geschichte, was sehr interessant ist. Cotterill bringt dem Leser das (damalige) Laos näher und verpackt das wieder einmal in eine schön zu lesende, spannende Geschichte und interessanten Charakteren. Natürlich sind Dtui und Geung wieder mit dabei und unterstützen ihren Chef tatkräftig.
Die richtige Lektüre für Fans von außergewöhnlichen Geschichten! Dr. Siri nimmt Sie mit auf eine Reise in Laos der 70er Jahre, wir wünschen eine gute Reise und einen angenehmen Aufenthalt!
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|