Dr. Siri und seine Toten -: Roman und über 1 Million weitere Bücher verfügbar für Amazon Kindle . Erfahren Sie mehr

Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Dr. Siri und seine Toten -: Roman
 
 
Beginnen Sie mit dem Lesen von Dr. Siri und seine Toten -: Roman auf Ihrem Kindle in weniger als einer Minute.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Dr. Siri und seine Toten -: Roman [Gebundene Ausgabe]

Colin Cotterill , Thomas Mohr
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (61 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Eine unglaublich verführerische Serie!" (The New York Times )

"Dieser Roman ist geradezu beschämend reich an Kostbarkeiten!" (Kirkus Reviews )

"Cotterill gehört zum Besten, was dem Genre der Spannungsliteratur in den letzten Jahren passiert ist." (Age )

Kurzbeschreibung

Exotisches Laos, rätselhafte Todesfälle und die originellste Ermittlerfigur des Krimigenres

Dr. Siri Paiboun hatte bislang eigentlich nur mit lebenden Patienten zu tun. Doch nun wird er mit seinen 72 Jahren noch zum einzigen Leichenbeschauer von ganz Laos ernannt – als letzter verbliebener Genosse mit medizinischem Hintergrund. Es bleibt ihm keine Wahl, als sich ohne jedes Fachwissen, aber mit der Unterstützung zweier ebenso unqualifizierter Assistenten, an seinem ersten Fall zu versuchen: Frau Nitnoy, die Gemahlin eines Parteibonzen, ist bei einem Essen des Frauenverbands plötzlich verstorben, und Dr. Siri argwöhnt, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zuging. Mit Hilfe eines alten französischen Lehrbuchs, vor allem aber mit viel Witz und Intuition macht er sich daran, die Sache unter die Lupe zu nehmen. Prompt gerät Dr. Siri selbst in Gefahr, doch zum Glück kann er auf zahlreiche Helfer zählen wie seinen alten Freund und Parteigenossen Civilai, die Chemielehrerin Oum und die Sandwichverkäuferin Tante Lah, die Dr. Siri jeden Mittag mit ihren Köstlichkeiten versorgt – und ein Auge auf ihn geworfen hat …

Klappentext

»Ein wirklich bezauberndes Buch!«
Sydney Morning Herald

"Dr. Siri ist ein ganz neuer Charakter im Krimi-Genre. Gewitzt, weise, eigenwillig, gebrechlich."
Düsseldorfer Anzeiger

»Auf genau diese Bücher wartet man. Auf diese, die so skurril klingen, dass man mindestens hineinlesen möchte. Wenn sich dann schon nach wenigen Seiten herausstellt, dass der Roman vielleicht sogar noch besser sein könnte als erhofft, sollte man sich die nächsten Stunden nichts vornehmen. 'Dr. Siri und seine Toten' ist eines der Bücher, das den Leser erfolgreich von allem Wichtigen abhält.«
krimi-Couch.de, Lars Schafft (krimi-Couch-Volltreffer)

Über den Autor

Colin Cotterill wurde 1952 in London geboren. Nach einer Ausbildung zum Englischlehrer begab er sich auf eine Weltreise, die viele Jahre andauerte. Er lebte lange in Australien, Japan, Thailand und Laos, wo er Englischkurse an verschiedenen Universitäten gab und sich als Sozialarbeiter engagierte. Seine in Laos angesiedelte Krimiserie um Dr. Siri Paiboun, den querköpfigen Leichenbeschauer und Ermittler wider Willen, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Colin Cotterill ist heute hauptberuflich Schriftsteller und lebt in Chumphon, Thailand.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

VIENTIANE, ZWEI WOCHEN SPÄTER
Es war eine deprimierende Audienz und beileibe nicht die letzte ihrer Art. Jetzt, wo Haeng, der pickelige Richter, wieder da war, musste Siri jeden Freitag bei ihm zum Rapport antreten und seinen Kotau machen vor einem Mann, der ohne Weiteres sein Enkel hätte sein können.
Die Marxisten-Leninisten nannten eine solche Aussprache »Enlastungsschulung«. Aber nachdem er eine geschlagene Stunde vor Richter Haengs verzogenem Sperrholzpult gesessen hatte, drückte ihn seine Last noch schwerer als zuvor. Der frischgebackene Richter machte sich einen Spaß daraus, laienhafte Zweifel an Siris Obduktionsberichten anzumelden und deren Rechtschreibung zu korrigieren.
»Und worauf führen Sie den Blutverlust zurück?«, erkundigte sich Richter Haeng.
Siri überlegte zum wiederholten Mal, ob es sich um eine Fangfrage handelte. »Nun ja.« Er dachte einen Augenblick nach. »Vielleicht auf das Unvermögen des Körpers, das Blut bei sich zu behalten?« Der kleine Richter machte »Hm« und warf einen neuerlichen Blick in den Bericht. Er war selbst für Sarkasmus zu dumm. »Es könnte natürlich auch damit zu tun haben, dass dem armen Mann die Beine oberhalb der Knie abgeschnitten wurden. Es steht alles im Bericht.«
»Das sagen Sie, Genosse Siri. Ich hingegen kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie bei der Auswahl dessen, was Sie Ihren Lesern mitzuteilen gedenken, äußerst selektiv verfahren. Ich würde es begrüßen, wenn Sie künftig etwas mehr ins Detail gehen könnten. Außerdem habe ich, ehrlich gesagt, so meine Zweifel, ob tatsächlich der Blutverlust zum Tod geführt hat und nicht doch
»Herzversagen?«
»Genau. Als ihm die Beine abgetrennt wurden, war das ohne Frage ein fürchterlicher Schock. Da wäre es doch durchaus möglich, dass er einen Herzanfall erlitten hat. Er war schließlich nicht mehr der Jüngste.«
Schon in den drei zuvor besprochenen Fällen hatte der Richter für eine natürliche Todesursache plädiert und versucht, die Fakten entsprechend zu verdrehen, aber dies war sein bislang kreativster Vorschlag. Siri hatte das Gefühl, dass der Richter regelrecht entzückt gewesen wäre, wenn in sämtlichen Obduktionsberichten, die über seinen Schreibtisch wanderten, »Herzversagen« gestanden hätte.
Gewiss, das Herz des Fischers hatte aufgehört zu schlagen, aber das war eher das untrügliche Zeichen für seinen Tod als dessen eigentliche Ursache. Die mit einer neuen Panzerung versehene Armeebarkasse war gegen den Betonkai in Tha Deua gekracht. Wegen des zusätzlichen Gewichts hatte sie besonders tief im Wasser gelegen. Zum Glück der Besatzung wurde der Aufprall durch den Fischer abgefangen, der in seinem hölzernen Langboot an der Kaimauer stand und der Barkasse nicht ausweichen konnte. Wie so viele Fischer auf dem Mekong war er Nichtschwimmer.
Das vorspringende Stahldeck schnitt ihn entzwei wie eine Sichel einen Reishalm, während die Reling ihn gegen die Mauer presste. Der peinlich berührte Kapitän und seine Crew zogen ihn - oder, besser, seinen Torso - an Deck, wo er in dumpfer Verwirrung liegen blieb, lachend und plappernd, als wüsste er nicht, dass ihm zwei Gliedmaßen fehlten.
Das Boot setzte zurück, und die Leute am Ufer sahen, wie die abgetrennten Beine ins Wasser fielen und versanken. Binnen weniger Stunden würden sie vermutlich aufschwemmen und wieder an die Oberfläche treiben. Dennoch standen die Chancen schlecht, dass der Mann zusammen mit seinen Beinen beerdigt werden würde: Er hatte verschiedenfarbige Plastiksandalen getragen.
»Wenn Sie als Todesursache prinzipiell ausschließlich Herzversagen gelten lassen, weiß ich nicht, warum wir überhaupt einen Pathologen brauchen, Genosse.« Siri verlor allmählich die Geduld, obwohl er sich gewöhnlich nicht so schnell aus der Ruhe bringen ließ. In seinen zweiundsiebzig Lebensjahren hatte er so viel durchgemacht, dass er inzwischen über die Gelassenheit eines Astronauten verfügte, der ziellos durchs All treibt. Obwohl er dem Buddhismus nur unwesentlich näher stand als dem Kommunismus, half ihm die Meditation, seinen Zorn im Zaum zu halten. Niemand hatte ihn je aus der Haut fahren sehen.
Dr. Siri Paiboun wurde oft als Zwerg bezeichnet. Er hatte die seltsame Statur eines buckligen Leichtgewichtsringers. Beim Gehen schien es, als hätte seine untere Körperhälfte Mühe, mit der oberen Hälfte Schritt zu halten. Sein kurzgeschnittenes Haar war schneeweiß. Während viele Laoten seines Alters eines schönen Tages aufwachten und feststellten, dass der Herr im Himmel ihrem Haar auf wundersame Weise das jugendliche Schwarz zurückgegeben hatte, wusste Siri mit seinem kärglichen Salär wahrhaftig Besseres anzufangen, als es für chinesisches Yu-Dum-Haarfärbemittel auf den Kopf zu hauen. Nichts an ihm war unecht, künstlich oder nachgemacht. Er war ganz er selbst.
Sein Bartwuchs ließ zu wünschen übrig, dafür sprossen seine Brauen umso wilder. Inzwischen wucherten sie derart üppig, dass man seine sonderbaren Augen kaum erkennen konnte. Selbst Reisende, die zehnmal um die Erde gefahren waren, hatten solche Augen noch nie gesehen. Sie waren hellgrün wie der Filz auf einem Snookertisch und amüsierten Siri immer wieder, wenn sie ihm aus dem Spiegel entgegenstarrten. Er wusste nicht viel über seine leiblichen Eltern, aber dass außerirdisches Blut in seinen Adern floss, hielt er für unwahrscheinlich. Wie er zu solchen Augen gekommen war, konnte er weder sich noch anderen erklären.
Obwohl die »Entlastungsschulung« bereits vierzig Minuten dauerte, hatte Richter Haeng ihm noch kein einziges Mal in die Augen geblickt. Er hatte auf seinen zuckenden Bleistift gestarrt. Auf den lose baumelnden Manschettenknopf des Doktors. Er hatte angestrengt durch das zerbrochene Jalousiefenster gespäht, als funkelte der rote Stern am Abendhimmel über dem Justizministerium. Aber er hatte nicht ein einziges Mal in Siris leuchtend grüne Augen geschaut.
»Selbstverständlich brauchen wir einen Pathologen, Genosse Siri, denn wie Sie wohl wissen, ist jedes sozialistische System allen Brüdern und Schwestern Rechenschaft schuldig. Das revolutionäre Bewusstsein gedeiht allein im hellen Schein des sozialistischen Leuchtturms. Dennoch hat das Volk ein Recht darauf, die saubere Unterwäsche des Leuchtturmwärters auf den Felsen trocknen zu sehen.«
Verdammt, eins musste man dem Knaben lassen: Er war ein wahrer Meister in der Kunst, zur richtigen Zeit genau die falsche Losung aus dem Hut zu zaubern. Wer sich im stillen Kämmerlein Gedanken über derlei Sprüche machte, kam schnell und unausweichlich zu dem Schluss, dass sie rein gar nichts zu bedeuten hatten. Siri betrachtete das blässliche Bürschchen und empfand einen Anflug von Mitleid.
Haengs einziger Anspruch auf Respekt bestand in einem sowjetischen Juradiplom auf so dünnem Papier, dass man dadurch die Wand sehen konnte, an der es hing. Er hatte seine Ausbildung im Eilverfahren absolvieren müssen, um eine der zahlreichen Lücken zu schließen, die durch die überstürzte Flucht der Oberschicht entstanden waren. Er hatte in einer Sprache studiert, die er eigentlich nicht verstand, und ein Diplom erhalten, das er eigentlich nicht verdiente. Die Sowjets setzten seinen Namen auf die Liste der asiatischen Kommunisten, die im großen, ruhmreichen Mutterland des Sozialismus ihre Erziehung genossen hatten.
Siri war der Ansicht, dass ein Richter im Laufe eines langen Lebens Schritt für Schritt zur Weisheit finden, gleichsam Jahresringe des Wissens ansetzen musste, und es nicht damit getan war, bei einem russischen Multiple-Choice-Test zufällig die korrekten Antworten getippt zu haben.
»Kann ich jetzt gehen?« Siri stand auf und ging zur Tür, ohne die Erlaubnis abzuwarten.
Haeng sah ihn an, als sei er der letzte Dreck. »Ich glaube, das nächste Mal müssen wir uns dringend über Ihre Einstellung unterhalten. Meinen Sie nicht auch?«
Siri lächelte und verkniff sich einen Kommentar.
»Und,...
‹  Zurück zur Artikelübersicht