Kann man ein Menschenleben zwischen zwei Buchdeckel pressen? Biografische Versuche gibt es natürlich viele, aber kaum einer ist so gelungen wie der des schottischen Juristen und Schriftstellers James Boswell. Sein Werk über den englischen Literaturpapst Dr. Samuel Johnson kann man zu Recht als Mutter aller Biografien bezeichnen. Boswell hatte ein Faible für berühmte Leute, und an Johnson erprobte er eine ganz neue Methode der biografischen Arbeit. Er lernte eine Art von Kurzschrift und protokollierte die Gespräche mit seinem Freund wörtlich, machte sich zahllose Notizen, recherchierte bei gemeinsamen Bekannten, sammelte Briefe und Tagebucheintragungen, kurz: Er erschuf ein lebensnahes Puzzle von Johnsons Leben. Für heutige Leser mag das Buch bisweilen weitschweifig oder trivial sein, gleichzeitig ist es aber auch überaus aufschlussreich. Eine Biografie, die schonungslos Klartext redet, ohne irgendetwas höflich zu verschleiern, und deren buchhalterische Exaktheit Literaturgeschichte geschrieben hat. Johnson war sicherlich ein einflussreicher und bekannter Mann - zum nach Shakespeare meistzitierten Engländer hat er es aber nur durch Boswells Biografie gebracht.