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5.0 von 5 Sternen
Eines der eingängigsten Werke Jean Pauls, 19. Juli 2001
Um den Verriß seiner Schriften über körperliche Abnormitäten an dem Rezensenten zu rächen, begibt sich Dr. Katzenberger, Arzt und Professor der Anatomie, mit seiner Tochter Theoda in den Kurort Bad Maulbronn. Zugleich flieht Katzenberger, der jegliche Ausgaben mehr scheut als der Teufel das Weihwasser, vor einem Bekannten, der ihm die Patenschaft für sein jüngstes Kind antragen möchte. Ein junger Mann, der sich als Bewunderer Katzenbergers ausgibt und zu dessen Freude die gesamten Reisekosten übernimmt, komplettiert die kleine Reisegesellschaft. Der junge Mann behauptet außerdem, ein enger Freund des von Theoda angebeteten Dichters Theudobach zu sein. Tatsächlich ist er selbst der berühmte Dichter, der aus Eitelkeit unter falschem Namen in den Kurort reisen möchte, um sich dort nach der Lüftung seines Inkognitos umso mehr feiern zu lassen. Natürlich kommt dann alles anders, als es sich die beiden Protagonisten vorgestellt haben.Die eigentliche Handlung ist indes nebensächlich, wichtig ist das, was dazwischen steckt. Und das ist nicht wenig. Im Mittelpunkt der satirischen Erzählung, die randvoll gefüllt ist mit skuril-komischen Wendungen und Einfällen, steht die Gegensätzlichkeit der Charaktere der Hauptfiguren. Da ist auf der einen Seite der rücksichtslose Pragmatiker und passionierte Abnormitätenjäger Katzenberger, der mit seinen naturwissenschaftlichen Ausführungen bei seinen Zuhörern immer wieder ungerührt die Ekelschwelle überschreitet und die Dichtkunst lediglich nach ihren Wirkungen auf die Körperfunktionen beurteilt. Und auf der anderen Seite der empfindsame, schwärmerisch veranlagte und selbstverliebte Theudobach, der erkennen muß, daß er rein äußerlich nur wenig dem Bild entspricht, das sich das Publikum von ihm gemacht hat. "Dr. Katzenbergers Badereise" gehört wohl zu den eingängigsten Büchern Jean Pauls und macht es auch weniger interessierten Lesern leicht, einen Einstieg in dessen Werk zu finden. Die Voraussetzung für die Lektüre dieser Erzählung ist etwas Zeit und Geduld und vor allem die Bereitschaft, sich auf den nie einfach zu lesenden Jean Paul einzulassen.
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