Als die Menschen noch in Kutschen fuhren und London noch keine elektrische Straßenbeleuchtung hatte, kam der angesehene Arzt Dr.Jekyll auf die (brillante?) Idee, das Gute und Böse im Menschen zu trennen. Wie so oft geht das verhängnisvolle chemische Experiment nicht so aus wie geplant...
1 DVD, 2 beschichtete Seiten, und 4x Dr.Jekyll, 2x davon natürlich in Gestalt des monströsen, unzivilisierten Mr Hyde: ein echtes Leckerli des altmodischen Gruselkinos. Die genialere Version ist für mich die 1932er mit Fredric March. Auch wenn die Verwandlungsszenen aus heutiger Sicht filmisch unperfekt sind, so glänzt doch diese ältere Fassung mit stilistischen Mitteln, durch die die mangelhafte damalige Filmtechnik kompensiert wird. Allein die Eröffnungssequenz, in der alles minutenlang aus Jekylls Blickwinkel gefilmt wird, aber auch die Großaufnahmen seines Gesichts, wecken durch ihre atmosphärische Dichte die Aufmerksamkeit des Zuschauers und nehmen ihn sofort gefangen. Und die Darstellung der teuflischen, triebgesteuerten Bestie mit ihren großen Zähnen wird auch in diesem neuen Jahrtausend niemals an Reiz verlieren. Die pompösen Häusereinrichtungen, die Herren mit Zylinderhut und das Flair des alten Londons erledigen den Rest.
Die 32er Version ist nach "Der Mann, der sein Gehirn austauschte" mein zweitliebster 30er Jahre Film überhaupt. Wenn ich morgen auf die Straße gehe, werde ich froh sein, lauter freundlichen Menschen zu begegnen und nicht so einem haarigen Scheusal wie Mr Hyde.