Hugh Laurie soll einmal erklärt haben, dass er sich nicht sicher sei, jemals aus der Komikerecke herauszufinden. Sein Gesicht mache dies einfach nicht möglich. Glücklicherweise sah das u. a. Bryan Singer anders und engagierte ihn für die Rolle des Dr. Gregory House, nicht ahnend, dass Hugh, der den gewünschten, amerikanischen Akzent perfekt imitierte, kein Amerikaner ist.
Seither verkörpert Laurie einen der genialsten Kotzbrocken der aktuellen, amerikanischen TV Landschaft mit allen nötigen Facetten und in provozierter Anlehnung an den brillantesten Romandetektiv, Sherlock Holmes. Jüngst ergab eine Umfrage sogar, dass die meisten Zuschauer einem Dr. House das größte Vertrauen entgegenbringen würden, gäbe es ihn wirklich. Und das, obwohl er alles andere als sozial verträglich oder gar freundlich erscheint. Vertrauen erweckend schon mal gar nicht. Dass man dennoch lieber von ihm behandelt werden möchte, liegt zum einen an seiner unbestrittenen Kompetenz, zum anderen sicher auch daran, dass er seinen Patienten zwar so gut wie nie sagt, was sie hören wollen, aber mit Sicherheit immer, was sie hören müssen.
Stacy: "Weißt du, was toll an dir ist? Dass du immer glaubst, du hast recht. Doch viel frustrierender finde ich es, dass du fast immer recht hast."
So misanthropisch er erscheinen mag, für Dr. House hat das Leben seiner Patienten oberste Priorität. Da interessiert es auch nicht, ob diese vielleicht lieber sterben wollen. Deren Wünsche sind ohnehin zweitrangig. Immer ein bisschen am Rande der Legalität, setzt er alles daran, den oft skurrilen Krankheiten auf den Grund zu gehen. Da kann es schon mal vorkommen, dass er sich freiwillig verklagen lässt, um Zeit zu gewinnen, mit kühnen Arzneimittelexperimenten seine Kollegen schockiert, mit einem Patienten ein Wettsaufen veranstaltet, um ihn zu entgiften oder einen Chirurgen mit etlichen tausend Dollar zu bestechen versucht.
House: "So riskant ist die Therapie nicht. [...] Wenn's hilft, haben wir recht. Wenn er stirbt, war's irgendwas anderes."
Doch wie so oft bei einer harten Schale, gibt es einen weichen Kern. Wenn House mal ab und zu über die verbalen Kontras seines besten Freundes Wilson, seiner Chefin Cuddy, seiner Kollegen und seiner Exgeliebten Stacy stolpert und dieser weiche Kern durchschimmert, dann sind das mit die besten Momente einer House Episode. Nicht zu vergessen all die Gehässigkeiten und sarkastischen Kommentare, bei denen man sich gelegentlich zu La Ola Wellen hinreißen lässt.
Fazit: Wer sich für sozial unverträgliche Miesepeter begeistern kann, die genau deswegen so unglaublich liebenswert sind, der sollte sich diese Serie nicht entgehen lassen.