Jess Francos DOWNTOWN (1975) - auf DVD!
Wenn man es vordergründig betrachtet, dann findet man in Jess Francos DOWNTOWN all das, was man von einem film noir erwartet. Es gibt den Detektiv, der auf einen Fall angesetzt wird, sowie die femme fatale, die ihre Fäden spinnt, um ihre Ziele zu erreichen. Allerdings ist Francos filmische Hommage an das Genre des film noirs - wie man dieses Genre auch immer definieren will - kein großer A-Film aus Hollywood, wie etwa Roman Polanskis CHINATOWN von 1974. Francos 1975 gedrehter DOWNTOWN ist eigentlich ein Sexfilm, der sich auf narrativer Ebene des film noirs bedient.
Der Film entstand für den Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich, für den Franco von 1975 ab drei Jahre lang einige kleine B-Filme fürs Bahnhofskino drehen sollte - so beispielsweise den recht bekannten JACK THE RIPPER mit Klaus Kinski oder auch FRAUENGEFÄNGNIS, der aufgrund seines kommerziellen Erfolgs eine ganze Serie von Frauengefängnisfilmen initiierte. DOWNTOWN scheint allerdings durch seine gestalterische Ungeschliffenheit befreit vom typischen - doch recht sterilen - Dietrich-Look. Bereits die Eingangssequenzen des Films zeigen mit der Wackelkamera und den Zooms über eine französische Küstenlandschaft die ästhetische Andersartigkeit von den übrigen Dietrich-Produktionen.
Aber auch insgesamt zeichnet sich DOWNTOWN durch Francos Freude an der Improvisation aus. Typische Handlungsmuster des Genres werden karikiert oder in eine andere Richtung weiterentwickelt. Beispielsweise spielt die Handlung des Films nicht in der Nacht, wie häufig im film noir. DOWNTOWN lässt seinen Detektiv - übrigens gespielt von Franco selbst - zumeist am hellen Tage die Straßen von einem fiktiven Puerto Rico ablaufen. Al Perrera, der Detektiv, überhöht das Klischee, dass die männliche Hauptperson im film noir selten den Durchblick hat, da ihm die femme fatale täuscht - hier ist es Cynthia, gespielt von Lina Romay. Interessant ist, wie Cynthia die Männerwelt manipuliert. So gibt es auch hier - wie bei vielen klassischen film noirs - die Bühnenshow mit der Gesangsnummer, bei der die femme fatale mit ihrem Körper die Männer anlockt und die Illusion entstehen lässt, als wolle sie sich von den Männern verführen lassen. Der Showteil steht natürlich auch selbstreflexiv für das Kino selbst, wobei es noch viele weitere Szenen gibt, wo das Sehen mit Voyeurismus gleichgesetzt wird.
So sei DOWNTOWN denjenigen empfohlen, die sich für das Bahnhofskino der 70er Jahre interessieren. Franco-Fans kommen eh nicht an dem Film vorbei, da Franco hier die Hauptrolle des Detektivs selbst spielt. Die DVD bietet keinen Grund zur Klage. Die technische Umsetzung des Films ist - bedenkt man das Alter des Ausgangsmaterials - mehr als gelungen.