Zum Cyberpunk habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Es gibt etliche gute Bücher aus dieser Richtung, aber sehr, sehr viel Schrott. Seit "Neuromancer" ein Hit wurde und den Begriff Cyberpunk bekannt machte, trägt jedes Buch, das in einer zerfallenden Welt spielt, vom Verlag den Titel Cyberpunk.
Auch "Downtown Blues" scheint auf den ersten Seiten auf dieser Masche zu laufen. Das erste Kapitel ist ein furchtbarer Infodump, erzählt von einer Stadt, die in "Uptown" und "Downtown" getrennt ist, Uptown für die Betuchten und guten Bürger, Downtown für die Straßenratten, alles hundertmal gehört und warum hat der Lektor der Autorin nicht gesagt, dass man Info-Dumps auch anders herüberbringen kann?
Aber das erste Kapitel sind nur drei Seiten und danach löst die Autorin sich von ihren Vorbildern weit genug, um eigenen Stil zu gewinnen.
Donovan ist als Kind nach dem Tod ihrer Eltern in Downtown als Straßenratte aufgewachsen, ihr gelingt es, in die City Force als Cop aufgenommen zu werden und sie wird der legendären Agentin delMonica als Partnerin zugeteilt. DelMonica ist ein alter Hase, sie kennt das Geschäft von Grund auf, aber sie steht in dem Ruf mehr Partner zu verschleißen als alle anderen Agenten. Ihr erster gemeinsamer Fall ist eine Lösegeldübergabe für Kindesentführung und dann erzählt ein Informant den beiden, dass es angeblich eine neue Droge geben würde, "Stardust" genannt. Beide verfolgen diese Spur und delMonica verschwindet, entweder, weil sie umgebracht wurde oder weil sie sich abgeseilt hat.
Donovan möchte diesen ersten, eigenen Fall lösen, aber es gibt eine Menge Leute, die offenbar wünschen, das ihr erster auch ihr letzter Fall bleibt. Soweit ist es ein klassischer Thriller/Krimi im SF Gewand. Cakan kann aber mehr: Die Personen sind nicht die klassischen Abziehbilder aus Möchtegern-Cyberpunk und Shadowrun-Verschnitt, die Szenerie, am Anfang als 08/15-Gähn eingeführt, gewinnt Leben und die Detektivin erfährt durch den Fall eine Menge über sich selbst.
Cakan hat außerdem einen eigenen, sehr eindrücklichen Stil, der das Lesen zusätzlich zum Genuß macht.