Michael Moore ist zur Zeit der wohl meistgelesene Amerikanische Systemkritiker. Wer kennt nicht seine Filme "Bowling for Columbine" und "Roger and Me", wer nicht sein Buch "Stupid White Men"?
Das Buch "Downsize This!" liegt meines Wissens nicht in deutscher Übersetzung vor und ist auch schon 1996 erschienen. Die Frage dürfte also für viele sein: lohnt sich das für mich als Deutscher? Worum geht es denn eigentlich in "Downsize this!"?
Dazu kann man nur folgendes sagen:
Unter dem Eindruck umfangreicher Rationalisierungen von Arbeitsplätzen bei gleichzeitigen Rekordgewinnen macht sich Moore an die Arbeit und untersucht die Hintergründe derartiger Wirtschaftspolitik. Aber dies tut er nicht als Volkswirtschaftler sondern als "normaler" Bürger mit dem gesunden Menschenverstand.
Er führt zahlreiche Fakten an, die folgendes Bild kennzeichnen (grob umrissen):
-Die Firmen Amerikas machen Rekordgewinne, nachdem sie vom Staat (also von den Amerikanern selber) mit Rekordsubventionen unterstützt worden sind.
-Als Dank für diese Subventionen und dem daraus resultierenden Wirtschaftsboom werden diese Firmen noch effizienter und entlassen zahlreiche Mitarbeiter
-Durch die Massenentlassungen verarmen ganze Bevölkerungsanteile, was in manchen Gegenden zu besonderen wirtschaftlichen Einbussen führt. Sind davon große Konzerne betroffen, werden diese erneut mit Subventionen über Wasser gehalten, sind dagegen Einrichtungen wie Schulen, Bibliotheken oder andere soziale Einrichtungen oder Einrichtungen des Bildungswesens betroffen, bleiben für diese keine Hilfen übrig.
-Durch diese Politik sind ganze Landstriche der USA auf das Niveau von Entwicklungsländern zurückgefallen
-Einschub: gemessen an der finanziellen Entwicklungshilfe liegen die USA in der Welt auf einem Platz irgendwo zwischen dreissig und vierzig. Japan, Saudi-Arabien, die skandinavischen Länder, Frankreich, Deutschland etc. leisten ein Vielfaches an Entwicklungshilfe.
Deshalb listet Moore 1000 Brennpunkte auf, die ein sofortiges Handeln unbedingt erforderlich machen. Um dies in Angriff zu nehmen, bittet er einen saudischen Scheich mit einem ernst gemeinten Brief um Entwicklungshilfe (im Buch abgedruckt). Er zeigt auf, dass das Klischee einer armen schwarzen alleinerziehenden Mutter ohne Job nicht der Wirklichkeit entspricht, wenn es um staatliche Unterstützung und Sozialhilfe geht, sondern daß die CEOs (Geschäftsführer) der größten Unternehmen der USA auch gleichzeitig die größten Empfänger von staatlicher unterstützung sind.
Diese Unterstützungen, die in keinster Weise dem amerikanischen Volk zugute kommen, sollen reduziert werden, nicht die Arbeitsplätze (Downsize THIS!). Dies fordert Moore in gewohnter Polemik, in gewohnter Klarheit und mit der gewohnten etwas fragwürdigen Darstellung statistischer Fakten.
Daß er nebenbei die Bevölkerung ermuntert, bei den nächsten Schwarzenunruhen lieber die Reichenviertel von Beverly Hills zu zerstören als ihr eigenes in L.A. South Central, passt da ins Bild. Sogar eine selbst angefertigte Landkarte hat er für dieses Vorhaben dahingekrikelt und abgedruckt.
Zwar ist das Buch auf dem Stand von 1995, aber dennoch durchaus lesenswert, da man davon ausgehen kann, dass sich die Situation seither wohl kaum gebessert haben dürfte.
Ausserdem kann man es auch ohne Probleme auf Englisch lesen, da das Moore'sche Englisch ziemlich einfach ist. Man muss nicht besonders gut sein, um alles zu verstehen.
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Fazit: Nietzsche wollte mit dem Hammer philosophieren. Man kann vielleicht den gewagten Vergleich ziehen und behaupten, Moore räumt mit einem Burger im Mund und Onionrings in der linken Hand mal so richtig auf. Wer sich für derartige Amerikakritik erwärmen kann, sollte auf "Downsize This!" keinesfalls verzichten; erst Recht bei dem aktuellen Preis.