"A Book Like This", das Debütalbum der australischen Geschwister Angus und Julia Stone, war 2008 eines der besten in Deutschland erschienen Alben (obwohl anderswo bereits 2007 veröffentlicht). "The Beast" und "Bella" zwei der schönsten Songs des Jahrzehnts. Nun kommt also der Nachfolger, der größtenteils auf Tour entstanden ist. Und um es vorwegzunehmen: Schlecht ist er nicht, aber die Größe von "A Book Like This" erreicht er nicht.
Natürlich sind da immer noch die zarten, feinen Songs. Aber mittlerweile ist auch der Pop eingekehrt in die Musik der Geschwister - und das zeigen die beiden sofort. "Hold On" hat viele dicke Streicher, ein Piano, Schlagzeug - das ist vielleicht etwas zu viel. "Black Crow" hat sogar eine Art E-Gitarrensolo und wieder sind da am Ende dramatische Streicher. Nichts gegen Veränderung: Aber das ist vielleicht auch ein wenig zu sehr gewollt.
Doch dann wird alles gut. Für Fans der ersten Platte beginnt mit "For You" das Album. Eine Gitarre, der kindliche Gesang Julia Stones, im Hintergrund die sanfte Stimme ihres Bruders. Da darf dann plötzlich auch die E-Gitarre vorbeischauen. Es ist alles gut, man hat das Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Denn plötzlich passt hier alles, es ergibt einen Sinn!
Am besten sind die beiden aber immer noch, wenn sie ihre stillen Songs zelebrieren. "Santa Monica Dream" erreicht fast die Klasse der beiden Übersongs auf Album eins. Dieser Gesang! Dieses Banjo! Dieser Gesang!!! "I'm Not Yours" und das Doppel-Outro aus "The Devil's Tears" und dem Hidden Track "Old Friend" schlagen in die gleiche Kerbe. Ruhig, traumhaft, schön.
Und dann gibt es da noch andere Songs. Das tolle "Draw Your Swords", bei dem es am Ende aus Angus Stone herausbricht, er dem Blues näher ist als dem Pop, den wundervollen Pop-Song "Hush" und dann vielleicht den untypischsten Song auf beiden Alben. "Yellow Brick Road" hat mit Elton John nichts zu tun. Im Gegenteil: Angus Stone zitiert "Heart of Gold" von Neil Young - und am Ende kopiert er sogar Youngs Gitarrenstil in einem fast dreiminütigen Solo. Hier bin ich mir noch nicht sicher, ob der Song nicht doch ein Meisterwerk ist.
Die Platte ist es diesmal definitiv nicht. Dafür wirkt sie dann diesmal doch nicht wie aus einem Guss, gerade zu Beginn ist sie etwas zerfahren. Und ein wenig lang ist sie auch. Aber eine klare Empfehlung für Fans des Folk-Rock ist "Down the Way" dann doch.