Dies war die letzte Platte der Band, welche das Phänomen Seattle am überlebensgrößten verkörperte. In den dreizehn Jahren ihrer Existenz (1984-1997) entwickelte sich die Musik der vier Ausnahmemusiker Chris Cornell (Gesang, Gitarre), Kim Thayil (Leadgitarre), Ben Shepherd (Bass) und Matt Cameron (Schlagzeug) von einer schmutzigen Melange aus Sabbath-Riffs und der Messerschärfe des Hardcore bis zu einer der facettenreichsten Interpretationen, welche das weite Feld der harten Rockmusik je erfuhr. Down On The Upside legt Zeugnis von der Reife ab, die die Band sich zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere erworben hatte: Der kommerzielle Erfolg des Vorgängers "Superunknown" - maßgeblich befördert durch die Hitsingle "Black Hole Sun" - konnte zwar nicht wiederholt werden, doch in künstlerischer Hinsicht steht dieses Album noch weiter vorne. Alles ist da: Kraftstrotzende und dennoch filigran ausgearbeitete Riffmonster wie "Pretty Noose", "Rhinosaur" und "Never The Machine Forever", elegische Hymnen an die Selbstzerstörung wie "Blow Up The Outside World" und "Overfloater", rasend schneller Punkrock à la "Never Named" und "An Unkind", Momente purer Melancholie und Schönheit wie "Zero Chance" und "Switch Opens" und atemberaubende Experimente wie dem psychedelischen "Applebite". Über alledem schwebt der altbekannte und immer präsente Geist des zwischen Depression, Aufbegehren und Hoffnung schwebenden Individuums, welches niemand so in Worte fassen kann wie Chris Cornell. Und dass dabei in Text und Musik gleichermaßen trotzdem noch ein trockener bis bissiger Humor aufleuchtet (wie im von Mandolinen eingeläuteten Meisterstück "Ty Cobb" oder dem All-Time-Klassiker "Burden In My Hand") und somit das ganze Spektrum menschlichen Daseins umfasst, verleiht Soundgarden die Qualität, die sie über alle Genres - und insbesondere eines so limitierten wie Grunge - in den Status eines Klassikers erhebt.