... indem ich es nämlich freiwillig auf einen Überseeflug und zwei anschließende Inlandflüge zum Gespött meiner Mitreisenden in der Hand mitschleppte, nur um es weiterlesen zu können. Sogar als Taschenbuch ist "Gödel Escher Bach" nämlich noch ein Wälzer von über 840 Seiten und mehr als einem Kilo Gewicht und sprengt jede Damenhandtasche. Das Buch ist auch keine leichte Lektüre. Die grauen Zellen müssen ganz schön schuften, um in die Tiefe des Werkes vorzustoßen und seine Vielschichtigkeit genießen zu können. Wer aber gerne "Spektrum der Wissenschaften" und dergleichen liest, kommt voll auf seine Kosten.
Kurz vor Antritt meiner Reise hatte ich den Fehler begangen, das Buch anzulesen, und ich verfiel sofort Hofstadters brillant dargestellten Gedankengängen zu Bach, Aristoteles und Babbage, zur Logik, zur Zahlentheorie und vor allem seinem Humor. Kongenial und sehr gelungen sind die Dialoge zwischen Achilles und der Schildkröte sowie Hofstadters eigene Inspirationen zum Werk Magrittes in Verbindung zu buddhistischen Koans. Hier schreibt auch einer, der auch um die Schwierigkeiten des Übersetzens weiß, was als erfreuliche Nebenerscheinung noch zu einer hervorragenden Übertragung des Buches ins Deutsche geführt hat.
Wir haben es hier mit einem echten Querdenkerbuch zu tun, das zugleich ein Leckerbissen ist für naturwissenschaftlich interessierte Leser, für Fans von Johann Sebastian Bach und für Mathematikfreaks.
Letzten Endes las ich zwar doch ich nicht das ganze Buch, denn mein mathematisch ungeschultes Hirn mochte speziell die Ausführungen des Autors irgendwann nicht mehr bis ins Letzte nachvollziehen, die zu sehr nach Formeln aussahen, und so überflog ich am Ende gewisse Absätze. Doch bleibt das Ganze deshalb trotzdem ein absolut lesenswertes Gesamtkunstwerk und ein klarer Fall für die Hausbibliothek.
Ich denke, dieses Buch eignet sich auch ideal als Einführung in die Zahlentheorie und es kann Lust machen, Programmiersprachen zu erlernen - besser als manches herkömmliche Mathematik- und Informatik-Lehrbuch.
Es stimmt, daß es inzwischen an einigen Stellen etwas veraltet ist (zum Beispiel weiß man heute mehr über die Gliazellen im Gehirn. Sie sind durchaus keine uninteressante Füllmasse, sondern spielen eine Schlüsselrolle bei den Denkvorgängen). Ich teile auch überhaupt nicht den Optimismus des Autors hinsichtlich der Erschaffung künstlicher Intelligenz durch den Menschen. Doch ist und bleibt dieses Buch höchst originell in seinen ungewöhnlichen Gedankenverbindungen zwischen Bachs kontrapunktischem Werk, Eschers graphischen Vexierbildern und mathematischen Gesetzmäßigkeiten. Eine Fünf-Sterne-Empfehlung noch mindestens für die nächsten hundert Jahre!