Aus der Amazon.de-Redaktion
Das etwas intimer klingende Double V kann die Spannung dieses Meilensteines nicht vollständig wiederholen, auch wenn Taylor erneut keinerlei Kompromisse eingegangen ist. Nach dem sehnsuchtsvollen Opener "Please Come Home Before It Rains" brummelt, wütet und bellt er sich durch zehn minimalistische, eindringliche Songs, die sich unter anderem um Rassismus gegenüber schwarzen Sportlern drehen ("He Never Raced On Sunday"), um Obdachlosigkeit ("Reindeer Meat"), Drogen ("Mama's Selling Heroin") oder durch bitterste Armut verletzte Menschenwürde, wie in "Plastic Spoon", das von einem alten Ehepaar erzählt, welches sich, um sich die dringend benötigten Medikamente leisten zu können, von Hundefutter in Dosen ernähren muss.
Lediglich die Melodien der bis zu drei Cellisten pro Song geben so etwas wie einen lyrischen, wenngleich nicht weniger dunklen Kontrapunkt zu Taylors Gesang, seinen unermüdlich herausgeworfenen Riffs auf der Gitarre bzw. dem elektrischen Banjo und seinem Gänsehaut hervorrufenden bedrohlichen Gelächter. Nur das von Taylors Tochter Cassie wunderschön gesungene "Buy Myself Some Freedom" setzt am Ende des Albums plötzlich mit gestopfter Trompete und fast konventionellem Groove einen unerwartet melodischen Schlusspunkt auf dieses hervorragende und ansonsten an Ecken und Kanten reiche Album. --Albrecht Volk
Das Label über die CD
Schon sein Vorgänger Truth Is Not Fiction wurde Platte des Jahres 2003 der Redaktion der Fachzeitschrift blues news und erhielt den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik.
Das aktuelle Album Double V setzt den eingeschlagenen Weg konsequent fort: Otis Taylor bereitet den Blues als sein ganz eigenes, höchst unorthodox in Szene gesetztes Kunstwerk auf. Dabei führt er den Zuhörer mal mitten hinein ins klassische Blues-Delta, dann lässt er sich von Bass und bis zu vier Celli plus Trompete fast schon avantgardistisch begleiten. Nie entgleiten ihm dabei die eigentlichen Blues Notes und mit dem eigenen, diffizilen Spiel auf Gitarre, Banjo und Mandoline webt er Sounds, die zwischen Blues, Rock und Folk ebenso schlicht wie ergreifend verzaubern. Dazu erzählt er nicht nur die üblichen Baby-Please-Dont-Go-Geschichten, sondern bekennt freiwillig, was andere nur zu gern verschweigen würden. Mamas Selling Heroin etwa.
Zwölf prickelnd ehrliche, musikalisch superb servierte Songs enthält Double V. Genug Stoff, um vorauszusagen, dass der Blues auch die nächsten 100 Jahre als wichtigste Quelle des Rock überleben wird. Otis Taylor hat ihn nicht nur, er ist die Zukunft des Blues!