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Es fällt schon schwer, Dave Brubeck, der während seiner viele Jahrzehnte dauernden Karriere zum Dauerbrenner als amerikanischer Lieblingsmusiker avancierte, nicht zu mögen. Einige Kritiker haben es -- Gott weiß warum -- dennoch versucht. Wie Abraham Lincoln ist Dave Brubeck absolut originell -- unermüdlich, bescheiden, oft brillant, und er hat einen trockenen Witz. Er ist auch beständig wie eine Eiche und aufrecht wie ein Mammutbaum. Dave Brubecks ein wenig hölzerner, schwerfälliger Stil mag zwar Kritiker nerven, aber das ändert nicht das Geringste an seiner Popularität.
Sein Sinn für Spaß und Humor und seine fröhliche Art -- manchmal bei früheren Aufnahmen hinter der Maske des Pompösen versteckt -- wird bei diesem großzügig angelegten Doppel-Set reichlich vermittelt. Und das nirgendwo mehr als bei den Neu-Auflagen von "Take Five", das mit seinem 5/4 Takt auf beiden Seiten des Atlantiks mit dem unvermeidlichen Thema im 5/4 Takt des Alt-Saxofonisten Paul Desmond für Aufsehen gesorgt hatte. Hören Sie, wie Brubeck bei "Broadway Bossa Nova" und "Margie" mit gewohnter Hingabe sich austobt. Er hat sogar einige seiner raueren Seiten geglättet, indem er auf seine gepflegteren Strides und Ragtime-Stile zurückgriff.
Brubeck hegt und pflegt seine Bands so lange wie möglich: Man kann die Saxofonisten, die seit 1948 in seiner Band spielten, an einer Hand abzählen. Sein romantischer Begleiter Bobby Militello, ein leidenschaftlicher Alt-Saxofonist der Phil Woods Schule, war schon seit mehr als einem Jahrzehnt bei Brubeck, als diese Aufnahme entstand, und der Bassist Jack Six war sogar noch viel länger dabei. Dieser offensichtliche Vertrautheitsfaktor der Band hindert sie nicht daran, einen überzeugenden Swing zu spielen. Schön gestaltete Arrangements präsentieren Oldies und Newies (wie zum Beispiel die bezaubernde Ballade "The Things You Never Remember" und "Marian McPartland" zu Ehren seiner 80-jährigen Kollegin), viele mit Daves nachdenklicher, an Klassik orientierter Klavier-Einführung ("Body And Soul" und "Don't Worry 'Bout Me").
Dave Brubeck hat seine Karriere auf Traditionen aus Europa (Darius Milhaud) und Amerika (Duke Ellington, die Meister des Stride) aufgebaut, aber er scheint vor allen Dingen immer wieder auf seinem eigenen Fundament zu bauen. --Fred Bouchard